Zusammenfassung Dezember 2015 - Floridablog - Central Florida

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Zusammenfassung Dezember 2015

Herausgegeben von Edith in Reisen · 30/12/2014 20:21:00
Tags: floridabootcamp
1.12.
Gestern war wieder Boot-Camp. Und ich hab so ein schönes Foto von Matt, meinem Trainer, das muss ich euch einfach zeigen. Ist er nicht toll? Und war früher auch mal dick. 

Hab mir gestern so meine Gedanken gemacht. Die Gruppe finde ich toll, vor allem das, was darüber steht, also die Herbalife Familie. Ich kann die gar nicht genug loben. Die tun echt was. Toll finde ich auch, dass die Frauen hier ohne Probleme ihre Kinder mitbringen können. Die machen einfach das Training mit, so lange sie wollen, und wenn sie keine Lust mehr haben, spielen sie zusammen. Nicht einmal sagt einer ein böses Wort, auch wenn sie mal laut sind oder durch die trainierende Gruppe laufen. Die überwiegende Anzahl der Leute ist normal gewichtig. Mal ein paar Pfund mehr, aber nicht zu viel. Dann gibt es so zwei, drei, die sind schon länger dabei, haben schon viel verloren, aber doch noch etliche Pfund drauf. Sie sind motiviert und eifrig dabei. Und dann kommt immer mal wieder jemand, meist Frauen, die wirklich erheblich übergewichtig sind, die es echt nötig haben. Sie stehen bei den meisten Übungen am Rand, machen nicht mit und tauchen beim nächstenmal nicht mehr auf.
Ja – wenn man Gewicht verlieren will, muss man schon was tun.
Ansonsten war ich wieder auf Jagd nach den schönen Tieren, hab aber nur ein paar Vögel gefunden, die nicht so aufregende Photos ergaben. Diesmal im Bulow Creek Park.
 
3.12. Thrift Store
Auch das ist wieder typisch amerikanisch. Viele Kirchen oder auch Hospize haben Thrift Stores, Läden, in denen man alles mögliche gebraucht kaufen kann. Der Anbieter muss eigentlich nur die Miete für den Laden zahlen, alles Personal besteht aus Freiwilligen, Volunteers, die hier sehr zahlreich sind, während es das bei uns ja kaum gibt. Alle Waren, in erster Linie natürlich gebrauchte Kleidung, aber auch Haushaltsgegenstände, elektrische Geräte, Fernseher, eine Orgel, Werkzeuge, Fahrräder, Rollstühle, also wirklich alles, was man so nicht mehr braucht, wird kostenlos abgegeben. Und dann dort zu einem sehr günstigen Preis verkauft. Aber auch da gibt’s Unterschiede. In manchen kostet z.B. eine Jeans um 5 – 8 $, in dem Laden vom Tierschutzverein kosten alle Hosen 2 $, im Hospiz-Store sogar alle Kleidungsstücke, ausgenommen Designerstücke, 1 $. Und die Sachen sind oft gar nicht schlecht, man muss halt immer mal wieder durchschauen. Habe neulich Markenhosen für 2 $ bekommen, heute ein wirklich hübsches T-Sirt für 1 $ und da leider meine elektrische Heckenschere kaputt ging, Überlastung, hab ich eine für 18 $ bekommen. Fand ich teuer, war aber nötig.
 
4.12. Orion Launch
Heute bin ich in aller Frühe aufgestanden, habe mir einen Becher Kaffee gekocht und bin zum Pier, um den Orion Launch zu sehen. Es hatte sich ein kleines Grüppchen Schaulustiger dort eingefunden. Zunächst sahen wir einen wirklich spektakulären Sonnenaufgang, allein dafür hat es sich schon gelohnt, heraus zu kommen. Zum Angel-Pier gehört gehört ein Restaurant, in dem die Fernseher heiß liefen und als zur vorgesehen Zeit 7:05 noch nichts in der Lust zu sehen war, konnten wir zumindest di neuesten Nachrichten verfolgen. Ein Boot war mitten in die gesperrte Zone gefahren, deshalb musste der Launch verschoben werden. Mein Nachbar meinte „ten minutes“. Wir unterhielten uns ein wenig, dann fragte er doch mal nach, woher ich denn käme, hat meinen Akzent gehört. Ich sagte, aus Deutschland. „Na, dann können wir ja auch in Deutsch weiter reden.“ Ja so geht’s. Und die Wartezeit wurde nett verkürzt. Um 7:17 war die nächste Startzeit angegeben, aber dann war zu viel Wind. Wurde wieder verschoben, und dann war plötzlich der Benzinhahn defekt und musste ausgetauscht werden. Kurz vor 10 Uhr hieß es dann, alles bis zum nächsten Tag verschoben. Ich kann ja morgen wiederkommen, aber mein netter Gesprächspartner fliegt heute noch nach Hause.
 
Gestern war ich doch ein wenig geschockt, als ich zum Einkaufen ging. Hier werden in den Läden an den Kassen oder zum Einkaufen viele alte Menschen beschäftigt. Die Sache hat eine gute und eine schlechte Seite. Viele müssen einfach bis ins hohe Alter arbeiten, da die Rente nicht reicht oder sie erst gar keine bekommen. Von Grundsicherung kann man hier nur träumen. Andere wiederum machen es auch, damit sie unter Leute kommen, nötig hätten sie es nicht unbedingt. Aber gestern fand ich die Sache doch echt schockierend, ich kam zur Kasse, eine etwa 75jährige übergewichtige Frau bediente mich, neben ihr die Sauerstoffflasche, von der ein Schlauch zu Ihrer Nase führte.
Muss ein so kranker Mensch wirklich noch arbeiten in einem Land wie Amerika? Das müsste er noch nicht mal in dem armen Marokko, da wäre seine Familie für ihn da.
 
Exkurs: Übergewicht
Hat nichts mit der Reise zu tun und muss nicht gelesen werden.
Adipositas ist in USA bekanntermaßen ein großes Thema, laut Statistiken sollen hier 35 % der Menschen „obese“ sein, wie man hier sagt (
http://www.cdc.gov/obesity/data/adult.html
). Das bedeutet einen Körpermasseindex (BMI) von 30 kg/m² und mehr. Für Deutschland habe ich einen Anteil von 21 % gefunden (
http://www.adipositas-gesellschaft.de/index.php?id=41
). Aber auch die vielen Menschen, die einen BMI zwischen 25 und 30 % haben sind nicht immer glücklich damit und viele versuchen mit mehr oder weniger Erfolg etwas dagegen zu tun.
Ich habe in meinem blog sehr enthusiastisch über das Boot Camp geschrieben und auch geschildert, wie gut ich damit zurecht komme. Durch den Kommentar einer lieben Freundin bin ich erst darauf aufmerksam geworden, dass sich Leute mit Übergewicht davon verletzt sehen. Dafür möchte ich mich entschuldigen, das wollte ich nicht. Und ich möchte euch meine eigene Story erzählen, die zeigt, dass auch ich davon betroffen bin und weiß, wie schwer der Kampf ist.
In meiner Kindheit war ich ganz normal, nicht zu dick, aber auch nie zart. Lustig ist, dass es gerade auf meiner ersten USA-Reise 1973 zusammen mit meinem Mann anders wurde. Ich habe von der ganzen Tour ein Video gemacht, das deutlich zeigt, dass wir beim Einsteigen ins Flugzeug sehr viel dünner waren als beim Aussteigen zurück zu Hause. Aber die riesigen Steaks im Mittleren Westen und die köstlichen Baked Beans waren einfach zu lecker.
Das ging eine Weile so weiter, aber es hielt sich in Grenzen. So 10 kg zu viel. Mein Mann und ich machten oft Diäten, ich erinnere mich noch gut an die Brigitte Diät, die damals neu raus kam und eigentlich auch gut gewirkt hat. Aber bei all diesen Diäten war es doch so, dass man nur recht wenig essen konnte, weniger als man eigentlich wollte, und das kann man halt nur eine Weile durchhalten. Ein Beispiel ist das gelegentliche Stück Kuchen zum Nachmittagskaffee, das man sich absolut nicht leisten konnte. Ergebnis war der bekannte Jo-Jo-Effekt, es ging immer wieder rauf und runter.
Erst viel später, als ich allein lebte, entwickelte sich ein ganz anderes Essensverhalten. Ich ernährte mich nicht mehr regelmäßig, entwickelte einen Heißhunger auf Süßigkeiten. Es gab eine Zeit, da aß ich abends statt einem vernünftigen Essen 2 Päckchen Haribo. Auch persönliche Stimmungen führten zum unmäßigen Süßigkeitengenuss. Ein großes Problem waren auch meine zahlreichen Dienstreisen. Während mein Frühstück zu Hause klar geregelt ist, es gibt 1 Brötchen und 1 Ei, konnte ich den wunderbaren Frühstücksbüffets in den Hotels nicht widerstehen. Dann ein Tag auf der Messe, wo man statt was Richtiges die Plätzchen in sich reinschaufelte, die für die Besucher dastanden. Und abends gab es dann häufig ein Büffet irgendwo auf der Messe, und wenn ich so was sehe kann ich auch nicht an mich halten. Dazu kam, dass ich vor allem in den letzten Jahren Berufstätigkeit sehr lange arbeitete um Überstunden für meine Reisen zu sammeln. Also sehr unregelmäßiges Leben und Essen und keine Zeit für Sport. Auch da kam ab und zu eine strenge Diät und ich nahm ab, aber auch wieder zu. Und vor allem war es echt so, ich durfte nur wie ein Vögelchen essen, um nicht zuzunehmen.
Der Umschwung kam nach der Rente. Zunächst war ich in Marokko, da ist sowieso alles anders. Da muss ich nicht selbst für mein Essen sorgen, da bekomme ich es vorgesetzt, es ist sehr gesund mit viel Gemüse, es gibt nicht viel Süßes in dem Land noch Zeit, irgendwann im Stillen meine (nicht vorhandenen) Haribos reinzuschaufeln. Auf den Reisen habe ich immer mein Gewicht gehalten oder sogar abgenommen. Zurück in Deutschland musste ich erst viel arbeiten, meine Bücher schreiben, aber dann am 1. September 2013 war das beendet. Und mein Gesundheitsprogramm begann. Unter anderem auch aus dem Grund, dass mein Blutdruck sehr hoch war. Und ich absolut keine Pillen nehmen wollte.
Also Ernährungsumstellung. Eigentlich wie auch schon früher gehabt. Zunächst abführen, damit der Magen leer ist, dann 2 – 3 Tage nur Pülverchen (Slim-Fast oder ähnliches), um sich von den dick machenden Nahrungsmitteln zu entfernen, und dann gemäßigt essen. Mir hat sehr eine Internetseite geholfen, wo ich aufschreiben konnte was ich täglich esse (
http://fddb.info
). Das wird sehr einfach gemacht, man gibt lediglich den Barcode an und wie viel man davon gegessen hat und die Kalorien werden automatisch errechnet. Das hat mir wirklich sehr geholfen einen Überblick über die Mengen zu bekommen, die ich essen darf ohne zuzunehmen, bzw. sogar abzunehmen.
Aber das war nur die eine Säule. Die andere war laufen. Bis dahin konnte ich nur walken. In meinem ganzen Leben konnte ich noch nie länger joggen, war sofort außer Atem. Also fing ich ganz langsam an. Ein wenig joggen, dann walken. Aber nicht so gemütlich wie die vielen Nordic Walker, die ich so durch den Taunus streichen sehe. Und es war unglaublich, ganz langsam konnte ich immer mehr joggen. Meine Laufstrecke geht über 5 km, aber es geht bergauf und bergab. Ich konnte irgendwann auf dieser Strecke alles bergab joggen, das waren 20 Minuten von 42. In Florida am ebenen Strand war es im letzten Jahr noch ebenso, 20 von 42. Aber in diesem Jahr kann ich alles am Stück joggen, schaffe die 5 km in 40 Minuten. Das ist langsam, aber immerhin. Und mein Blutdruck hat sich wesentlich verbessert, Pillen brauche ich nicht.
Nur mit diesem Laufen habe ich es geschafft, bei meinem bewussten Essen zu bleiben. Nur wenn ich fast täglich laufe halte ich mich einigermaßen an mein Essensprogramm. Aber fast noch wichtiger, durch das regelmäßige Laufen hat sich mein Grundumsatz erhöht und ich darf nun etwas größere Portionen essen. Sogar auch mal ein Stück Schokolade. Ich habe in den ersten vier Monaten seit Beginn der Umstellung 14 kg verloren, dann langsam bis heute noch mal 2 kg und bin mit meinem jetzigen Gewicht zufrieden.
Und als ich hier in Daytona dann das Boot Camp gefunden habe war ich absolut glücklich. Mehr noch als beim Laufen werde ich hier an meine Grenzen geführt und das ist toll.
Alles happy also?
Nein. Leider nicht. Auch heute noch habe ich manchmal eine Gier nach Süßigkeiten und wenn dann welche im Haus sind kann ich nicht aufhören, bis alles weg ist. Und dann umarmt man das Klo. In den Hoch-Zeiten meiner Diät hatte ich immer die köstlichen Trüffelpralinen im Haus und habe jeweils nach dem Abendessen einen Espresso mit einer Praline genommen. Wenn es so bleibt ist alles in Ordnung, aber es bleibt nicht. Es kommt immer der Tag, wo ich weich werde. Ich bin süchtig nach Süßigkeiten, bleibe es immer, und einer, der davon nicht betroffen ist, kann das nicht nachempfinden. Wie ein Alkoholiker, der immer einer bleibt, auch wenn er trocken ist.
Seit ich hier in Florida bin hatte ich die Anfälle schon einige Male. Fühle mich immer sehr mies danach, laufe dann noch mehr. Die Süßigkeiten, die ich evtl. für Nachbarn mitgebracht hatte, sind weg. In der Zeitung las ich eine Anzeige von den Anonymen Esssüchtigen. Ich bin hin gegangen. Habe noch nie so was mitgemacht. Aber das ist nichts für mich. Einerseits ist es von der Kirche, es wird sehr darauf hingewiesen, dass Gott hilft. Naja, mir nicht. Und man muss genau wie die Alkoholiker abstinent bleiben, abstinent von Zucker und Mehl. Und man bekommt einen Mentor, der einem den Rücken stärkt. Aber das ist nichts für mich. Ich weiß ja was ich essen muss um das Gewicht zu halten, ernähre mich gesund und ausgewogen. Bis die Anfälle kommen. Und dagegen hilft weder Gott noch Herbalife.
 
5.12. Fast verpasst
Pünktlich kurz vor 7 war ich auf dem Pier und geriet schon wieder in ein nettes Gespräch, diesmal auf Französisch (hab mich fast im heimatlichen Marokko gefühlt). Ein nettes Ehepaar aus Französisch-Kanada, ich unterhielt mich so eifrig mit der Dame, sie war schon in Marrakech, aber zum Glück hat ihr Mann aufgepasst und rief, da, Orion! Pünktlich wie die Maurer ist sie heute gestartet. Zu sehen als feiner Lichtstreifen am Himmel.
Ich glaube, die Verschiebung war nur wegen meinem Geburtstag, sozusagen als Geschenk für mich.
 
5.12. Geburtstag
Mein Gott, was war das für ein Geburtstag. In meinem Pass steht, es war der 67tigste, aber das muss ein Druckfehler sein. In meinem Herzen und auch von den Ereignissen her war es eher der 27stigste.
Bis zum Abend lief alles ereignislos. Meine Familie rief zwar an, aber ich hörte das Telefon nicht und ging dann zum Boot Camp. Ja, ich habs erzählt, ich gestehe es, und dann sangen alle Happy Birthday für mich. War schön. Und wieder einmal hab ich so richtig erlebt, warum ich ins Boot Camp gehe. Wenn ich alleine am Strand jogge, strenge ich mich gerade mal so viel an, wie es noch komfortabel ist. Aber im Boot Camp wird man an seine Grenzen geführt. Es geht immer weiter, auch wenn man denkt, man kann nicht mehr. Was werde ich die Leute vermissen, wenn ich wieder zuhause bin.
Dann kam ich heim, es ist ja Freitag Abend, da tönt vom First Turn immer die Musik herüber und lockt. Nur wenige von euch kennen natürlich First Turn, Brian, Andrea und Gabor wissen wovon ich rede, die anderen nicht. Es ist eine typische Biker-Bar, alles offen und am Wochenende spielt eine Band. Normal geh ich nicht hin, aber heute habe ich schließlich Geburtstag. Also geduscht und ein Herz gefasst und ab ins First Turn. Es gehört ja schon was dazu als Frau allein in so eine Kneipe zu gehen. Hab mich ganz langsam angeschlichen, von hinten ein Bier bestellt und dann immer mehr vorgewagt. Und die Band war toll. Man konnte es mal wieder kaum auf dem Sitz aushalten.
Ja, und dann die Männer. Es schlichen doch einige um mich herum. Einer fasste sich schließlich ein Herz und sprach mich an. Dann der nächste, wir wechselten ein paar Worte und er bestellte mir noch ein Bier. Die Stimmung stieg, die Band lief zur Vollform auf, ich wackelte auf meinem Sitz hin und her, und das nahm ein Dritter zum Anlass mich zum Tanz aufzufordern. Wer mich kennt weiß, dass ich absolut nicht tanze. Kann’s einfach nicht. Dazu kommt, dass ich mich dem anderen wegen dem Bier verpflichtet fühlte. Aber ich hätte schon gerne. Dann kam ein langsamer Tanz und mein Biermann forderte mich auf, und ich tanzte mit ihm und alle Zehen blieben heil.
Ist das nicht genau wie früher in der Disco? Ich hab’s genossen. Wusste zu dem Zeitpunkt noch nicht genau, wie es ausgeht, bzw. wie ich den Herrn dann wieder los werde. Der erste hatte sich ja schon verabschiedet mit den Worten, er hätte mir ja gerne einen ganz großen Geburtstagskuss gegeben, aber nun wäre ich ja mit dem anderen.
Und dann plötzlich drehte ich mich um und traute meinen Augen nicht. Ich, die ich ja niemand kenne in Port Orange und mich eigentlich völlig allein in dem Lokal fühlte, erkannte in den beiden netten Frauen, die schon eine Weile neben mir saßen, meine Nachbarin und ihre Tochter. Auch die Beiden erkannten mich erst jetzt. Das war natürlich ein großes Ereignis, hatten wir doch während meines Aufenthaltes noch nicht miteinander gesprochen, und wir quatschten wie verrückt. Und als ich mich wieder umdrehte, war mein Verehrer verschwunden.
Köstlich das ganze. Echt wie zu Teenagerzeiten. Und genau mit dem erwünschten Ende.
 
6.12. Cross Roads
Ich komme gerade zurück aus Bethlehem. Was für ein Auflauf! Menschen über Menschen, Marktstände, die Tiere laufen herum, die Kinder schreien und überall die römischen Legionäre, die den armen Einwohnern das Leben zur Hölle machen. Die Steuern müssen gezahlt werden, deshalb ist jeder in die Stadt gekommen und alle Unterkünfte sind ausgebucht.
Kommt euch das bekannt vor?
Cross Roads, eine hiesige Baptistengemeinde, baut jedes Jahr ein richtiges Bethlehem auf, mit richtigen Menschen und Tieren, auch das Kamel hat nicht gefehlt. In diesem Jahr konnte ich es mir zum erstenmal anschauen und ich war völlig beeindruckt. Zunächst einmal die Organisation. Die war perfekt, angelegt für ein Großereignis. Die Kirche hat ein großes Grundstück und viele Parkmöglichkeiten und richtig professionelle Parkwächter mit Leuchtstäben haben die vielen Besucher geleitet, am Vortag waren 1400 Leute da. Dann am Eingang musste man sich registrieren und im Kirchenraum auf seine Gruppe warten. Es wurden Lieder vorgetragen, alles sehr nett. Dann wurden jeweils Gruppen von 25 Personen aufgerufen und wir bekamen eine junge Dame als Tourguide, natürlich historisch gewandet. Und dann gings los. So richtig ins Leben. Am Stadttor haben die Legionäre erstmal ziemlich Zoff gemacht, wollten uns nicht reinlassen, haben dem Mädel ihre Schwerter an den Hals gesetzt, aber dann hat sich doch alles beruhigt und wir konnten weiter. An jedem Marktstand wurden die entsprechenden Produkte laut schreiend angepriesen, ich fühlte mich wie auf einem marokkanischen Basar. Die Schauspieler, alles freiwillige Kirchenmitglieder (die brauchen alles in allem sicher mehr als 100 Leute), waren Spitze. Vor allem ist USA ja ein multikulturelles Land, daher sahen viele Gesichter sehr original aus. Die haben so gut und authentisch gespielt, ein Kind stahl einen Apfel, ein Soldat rannte hinterher. Der Kürschner wurde von einem hinterhältigen Händler erpresst, ihm ein Schutzgeld zu zahlen, der Schreiner beklagte sich darüber, dass er so viele Kreuze anfertigen müsse, denn die Römer würden es fast zum Sport erklären, die Leute zu kreuzigen, es war richtig was los. Dann kamen die Klatschweiber, zerrissen sich das Maul über ein Pärchen, das am Nachmittag angekommen war. Nicht verheiratet, aber die Frau hochschwanger. Behauptete dennoch, noch Jungfrau zu sein. Naja. Man hatte ihnen am Stadtausgang einen Stall zugeteilt, weil alle Herbergen besetzt waren. Als wir dann endlich am Stall ankamen erschien in einem Lichtblitz der Engel Gabriel. Und vor den Toren lag das Kamel. Nur die drei Könige waren noch nicht angekommen.
Das ganze war echt super, ich war begeistert. Danach ging es in einen Saal, wo Kaffee ausgeschenkt und Plätzchen gereicht wurden. Und alles kostenlos, noch nicht mal um eine Spende wurde gebeten.
An einem Tisch saßen Personen, die auf Wunsch für Gespräche über die Kirche zur Verfügung standen, aber sie haben sich nicht aufgedrängt. Doch ich hatte eine Menge Fragen und habe mich sehr lange mit Cheryl, einer Missionarin, unterhalten. Sie sprach unglaublich engagiert von ihrem Glauben, und erzählte mir so eindringlich, wie Jesus am Kreuz hing, auf beiden Seiten von einem Verbrecher umgeben, die ihm sagten, wenn er doch Gott wäre, warum er dann nicht einfach vom Kreuze aufstehen würde. Und möglichst sie beide noch rettete. Sie erzählte mir das so, als sei es gestern passiert und sie sei dabei gewesen. Wenn man wie ich nur die katholische Kirche in den 50ern und 60ern erlebt hat, ist man total erstaunt, wie engagiert diese Frau das lebt. Ich kannte die Kirche nur als fern und unnahbar, an einen Gott oder Jesus glauben? Naja, ich weiß nicht recht. Und sie ist so fest davon überzeugt, dass sie in den Himmel kommt, weil sie ja so fest glaubt, und dass nur die in den Himmel kommen, die auch an Jesus glauben, dass ich sie fragte, was denn mit den vielen Millionen Menschen wäre, die einer anderen Religion angehören, nicht an Jesus glauben. Sie meinte da nur, dass sie nicht urteilen könnte und wollte über andere Religionen und steigerte sich wieder in ihre Kreuzigungsgeschichte.
Damit will ich das ganze Ereignis aber nicht herabwürdigen, es war wunderbar, hat mir sehr gefallen und auch das lange Gespräch mit Cheryl hat mir sehr gut getan. Wenn sie auch nicht in einem einzigen Gespräch gegen meine jahrzehntelange Kirchenfeindlichkeit ankommen konnte.
Das Dorf Bethlehem war originalgetreu nur mit Kerzen erleuchtet und es wurde darum gebeten, keinen Blitz zu verwenden, deshalb kann ich euch nicht viele Bilder präsentieren.
 
7.12.
Ich war tanken heute, aktuell kostet das normale Super 0,56 Euro /Liter. Damit kann man leben, nicht? Ich fahre ja den ganzen Tag in Daytona herum, wenig außerhalb, aber schon die Entfernungen innerhalb der Stadt sind groß, und ich tanke pro Woche etwa für 20 Dollar. Ach, wie wünsche ich mir das zuhause.
Kennt ihr Beauty Berries? Auf Deutsch Schönfrucht. Natürlich nicht, denn diese Art kommt nur im östlichen Nordamerika vor.
http://de.wikipedia.org/wiki/Amerikanische_Sch%C3%B6nfrucht
Der Name besteht ganz zu Recht, denn die Sträucher mit den pinkfarbenen Beeren sind wirklich sehr hübsch. Auf einer meiner Ausflüge erfuhr ich, dass die Beeren essbar sind, auf einer Farm wurden winzige Gläser mit Gelee angeboten, die sauteuer waren. Da dachte ich mir, das kann ich doch auch. Die Beeren werden im Juli reif, bleiben aber monatelang hängen und so gibt es noch genug. Was es aber nicht gibt ist Gelierzucker. Ich habe den Saft also nur mit Zucker gekocht und 1 Apfel fürs Pektin und 1 Zitrone für die Säure hinzu gegeben. Kurz gesagt: es wurde nichts. Zumindest kein Gelee. Aber ein wunderbarere Sirup. Hier werden ja gerne Pfannkuchen zum Frühstück gegessen, traditionell begossen mit Maple-Sirup (Ahorn). Nur ist kaum noch ein Sirup, den man kaufen kann, wirklich aus Ahorn gemacht und wenn sehr teuer, die Sirups im Supermarkt bestehen aus Maissirup mit einer Masse von künstlichen Aromastoffen. Da ist doch mein Schönbeerensirup ganz was anderes und ich habe mir sofort gefrorene Pfannkuchen gekauft.
 
9.12. Armes Kind, armes Land
Heute Nacht wurde das fünfte Kind in ebenso vielen Wochen, die ich hier bin, angeschossen. Es schlief zuhause im Bett, 4 Jahre alt, ein Unbekannter schoss von außen mehrmals auf das Haus, das Kind wurde getroffen und kam schwerverletzt ins Krankenhaus.

Aber denkt nur nicht, dass die Menschen hier mal aufwachen. Das einzige westliche Land, in dem die Bevölkerung legal Waffen haben darf und in keinem anderen Land werden so viele Menschen durch Schusswaffen verletzt oder getötet. Das interessiert aber niemand, jeder besteht darauf, seine Waffe im Nachtisch zu haben.
 
11.12. Immer wieder
Ich schäme mich schon fast, immer wieder auf das gleiche Thema zurückzukommen. Aber es ist nun einmal das, was in den Nachrichten kommt. Bei Gainesville gestern standen einige Jugendliche an einer Bushaltestelle, als plötzlich auf sie geschossen wurde. Ein 16Jähriger starb. In Orlando gab es einen Nachbarschaftsstreit, als plötzlich Schüsse fielen und ein 15Jähriger in den Rücken getroffen wurde. Er ist vermutlich querschnittsgelähmt.
Und ich führe hier nur die Fälle auf, die Kinder und Jugendliche betreffen, von den vielen erwachsenen Opfern will ich gar nicht anfangen.
Aber ebenfalls gestern stand eine Kolumne in der Lokalzeitung, die fast wortwörtlich meine Argumente gebracht hat, gegen Schusswaffen, dass die Bevölkerung endlich aufwachen sollte, keine Waffen auf Schulgelände (was hier gerade als Gesetzesvorlage liegt) und auch mit dem Hinweis, dass in Ländern ohne freien Waffengebrauch diese Anzahl von Vorkommnissen einfach nicht existiert. Aber solche Artikel sind mehr als selten, die Masse der Bevölkerung stimmt für die Waffen.
Ach, da fällt mir noch etwas ein. Seit ein paar Tagen ist hier das Geschrei riesengroß. Plötzlich (!) kam heraus, dass die USA doch ihre Gefangen im Irak und anderswo ganz entsetzlich foltert, menschenunwürdig, eine Person wurde allein 84 mal „Waterboarding“ unterzogen. Diskussionen über Diskussionen, auch der Präsident nimmt dazu Stellung. Er war es natürlich nicht, war noch der alte. Und man hat auch festgestellt, dass alle diese Maßnahmen nichts halfen, den Terrorismus abzuwenden. Auch nicht, Osama Bin-Laden zu finden. Was unter Obama geschah. Damit hat also auch er zugegeben, diese Methoden angewendet zu haben.
So eine kluge Erkenntnis.
Komisch. Wir wussten das schon lange.
Ich fürchte, wenn ich weiter so schreibe, steht bald die Homeland Security vor der Tür.
 
12.12. Die besten Jahre
Vorbei. Aus. Ende. 4 Wochen Boot Camp sind vorbei. Wie schade. Wir liefen noch mal wie am Anfang die eine Meile und machten unsere Situps. War lustig mit der Meile. Wir rannten alle zugleich los, ich natürlich in der Pole position. Und genau wie Schuhmacher habe ich das Feld sofort angeführt. Habe mich echt gewundert, dass zunächst niemand hinter mir war. Kurz vor dem Umkehrpunkt hat mich dann aber Jessie überholt, aber er läuft außer Konkurrenz, ist ein durchtrainierter 20jähriger, von Beruf Lifeguard am Strand. Er musste vor mir am Umkehrpunkt sein zur Kontrolle. Dort ein Fiver und umkehren. Ich immer noch weit vor allen. 4 Sekunden vor dem Ziel überholt mich doch plötzlich jemand, ich habe ihn nicht kommen gehört, hätte ich doch nur mal über meine Schulter geschaut. Er war dann 2 Sekunden vor mir im Ziel und ich war sauer. Meine Zeit war 10 Minten, 46 Sekunden, der erste hatte 44 Sekunden und alle anderen doch erheblich mehr. Lustig ist, dass ich ja die Älteste bin und er der zweite nach mir, schätze ihn auf 55. Laufen scheint doch eher ein Sport für Ältere zu sein, auch beim Marathon sieht man viele, und bei meinen 100 Meilen Läufern von Mhamid waren ja auch nur Alte. Alle anderen in meiner Gruppe sind viel jünger und waren ziemlich beeindruckt von meinem Spurt. Ich auch. Laufe ja sonst am Strand für mich alleine, da hat man keinen Vergleich. Alle sagten auch sofort, du hast aber bestimmt Erfahrung mit Laufen. Ach, ich war ganz gerührt. Wo ich doch erst seit einem Jahr laufe.
Anders sah es bei den Liegestützen aus. Da braucht man Kraft, keine Ausdauer, und da mangelt es bei mir. Beim Wiegen dann waren nur kleine Differenzen zu sehen, die meisten Werte haben sich um Stellen hinter dem Komma verbessert, nur der Flüssigkeitsgehalt ist zu niedrig, ich trinke zu wenig. Alter Fehler. Aber …. mein metabolisches Alter hat sich von 47 auf 45 Jahre verbessert! Ach, was fühle ich mich so toll.
Schade nur, dass es so nicht weitergehen kann. In der nächsten Woche ist erstmal kein Bootcamp, dann kommen die Feiertage, und im Januar geht’s schon wieder heim. Und dann drei Monate in Marokko, da sind die Sportmöglichkeiten sehr begrenzt und die ganze Kondition ist wieder futsch.
Bin dann noch am Strand gejoggt und habe einfach so vor mich hin sinniert. Was geht’s mir doch so gut. Dies sind die besten Jahre meines Lebens, die ich nun durchlebe. Den Arbeitsalltag endlich hinter mir, ich kann selbstbestimmt leben, kann mir die Arbeit, die ich ja immer noch mache, selbstständig einteilen und habe das Glück, außer in Deutschland noch in zwei anderen, wunderschönen Ländern zu Hause zu sein. So gut geht es nicht jedem und ich muss mir das öfter bewusst machen. Und begrenzt ist die Zeit auch. Eines Tages fangen die Wehwehchen an, Krankheiten kommen und ich kann diese schönen Reisen nicht mehr machen. So schwer es mir gefallen ist, mich vor einem Jahr von meinen beiden Katzen zu trennen, die ich sehr geliebt habe. Aber es war die richtige Entscheidung. Jetzt kann ich noch reisen, jetzt kann ich mein Leben genießen. Wer weiß, wie lange noch.
 
13.12. Das gibt es nur in USA
Weihnachtsparade in Spruce Creek ist immer etwas besonders. Ich habe diese Fliegergemeinde in mein Herz geschlossen, seit ich im Jahr 1997 in Daytona Beach meinen Flugschein gemacht habe und dann eingeladen wurde, vier Wochen dort zu wohnen. Es war das reinste Paradies. Spruce Creek hat einen eigenen Flugplatz und Rollwege führen zu den einzelnen Häusern. Zusätzlich zur Garage haben die Villen dann noch einen Hangar fürs Flugzeug. Klar dass hier keine Sozialhilfeempfänger wohnen. Viele sind auch ehemalige Airline-Piloten. Sie können sich nun nach der Rente ganz dem guten Leben, dem Golf und ihren „Toys“, wie man hier sagt, widmen. Ihren Spielzeugen. Das kann alles sein, was Spaß macht, schöne Motorräder, herrlich restaurierte alte Fahrzeuge, Flugzeuge, ja sogar Traktoren. Die alten Herren treffen sich oft mal abends, um zusammen in Formation zu fliegen, oder um einen Hundert-Dollar-Hamburger zu essen. So nennt man es, wenn man zum nächsten Flugplatz fliegt, um dort im Restaurant mal eben einen Hamburger zu bestellen. Hab ich in meiner aktiven Zeit auch ab und zu gemacht.
In der Weihnachtszeit dann ist immer eine Parade. Jeder schmückt seine Toys weihnachtlich, sich selbst auch und dann geht die Parade übers Rollfeld. Die Zuschauer kommen in ihren Golfcarts und stehen entlang der Runway. Es gibt Hot-Dogs und Soft Drinks, und alles kostenlos. Das ist auch für Fremde eine gute Gelegenheit, sich die Fly-in mal anzusehen, denn normal ist die Gemeinde durch ein Tor gesichert und nur Bewohner und angemeldete Besucher kommen hinein.
Doch zunächst findet eine Hochzeit statt. Inmitten des Weihnachtstrubels steht Lenny vor seinem Immobilienbüro und traut mal schnell ein junges Paar. Er ist auch Notar, und die können in Florida jedes Paar trauen, das eine Heiratslizenz hat. Den Bräutigam schätze ich auf Mitte 70, die Braut etwa 25 - 30 Jahre jünger. Sie kommt aus Russland, Internet lässt rufen. Aber da sieht man doch mal, wie man auch so sein Glück machen kann, der junge Bräutigam ist bestimmt nicht arm. Das ganze dauert keine 10 Minuten, dann zieht Lenny seinen Anzug aus, wirft sich ins Weihnachtsmannkostüm und hinauf auf seinen Zweidecker, in dem ich schon mal mit ihm Aerobatic geflogen bin. Das Brautpaar setzt sich in seinen weihnachtlich geschmückten Oldtimer, die – kurze - Hochzeitsreise ist gleichzeitig Parade.
Endlich geht der Zug los. Die Strecke ist superkurz, deshalb fahren alle bis auf die Flugzeuge in Schlangenlinien. Und das Wetter ist einfach himmlisch. In der Nacht und am Morgen war es noch empfindlich kühl, aber nun scheint die Sonne und ich komme ins Schwitzen. Und ich habe so viele alte Bekannte wiedergetroffen. Vorher hätte ich mir ihre Gesichter nicht mehr vorstellen können, aber wenn sie einem dann begegnen kommt Erkennen auf. Es war so schön. Nur schade, dass die engsten Freunde nicht mehr in Spruce wohnen, es ändert sich halt alles so schnell in Amerika.
Am Nachmittag dann hole ich Georg ab. Ich habe ihn und seine Freundin Andrea schon im letzten Jahr kennen gelernt. Sie waren mit dem Segelboot von den Bahamas gekommen, als sie wegen einem Motorschaden in Ponce Inlet anlegen mussten. Der Ort gefiel ihnen so gut, dass Georg beschloss, ein Haus hier zu kaufen. Georg ist vor ein paar Tagen von den Bermudas gekommen mit seinem Boot und Andrea wird morgen mit dem Flieger nachkommen. Ich hatte in der Woche so ein hübsches neues Lokal entdeckt, auf einem Hausboot gleich hier in Port Orange am Fluss, da will ich mit Georg hin einem Hamburger essen und die schöne Aussicht genießen. Wir suchen uns einen herrlichen Platz auf dem Dock, wunderhübsch, aber sobald die Sonne untergeht wird es doch wieder ziemlich kühl.
Macht nichts, ich muss sowieso heim, um mal wieder alles aufzuschreiben, was sich so ereignet hat. Wir werden sicher wieder eine gute Zeit haben, auch der Wetterbericht hat wieder mehr Wärme angekündigt.
 
20.12 Vögel am Strand von Daytona Beach
Jeden Nachmittag ist großes Möwentreffen am Strand. Die Konzentration ist um den Frank-Rendon-Park in Daytona Beach Shores. Tausende von Möwen kommen vom Landesinneren geflogen, viele auch von der Mülldeponie, in kleinen Gruppen, unermüdlich. Ein richtiges Meeting am Strand. Sie sitzen am Boden, den Schnabel in den Wind, lassen die Wellen heranspülen, schauen nach Essbarem. Erst wenn es dunkel wird fliegen sie hinaus aufs Meer, wo sie dann auf den Wellen schwimmend schlafen.
Zunächst denkt man, es sind nur zwei Vogelarten am Strand. Die große Gruppe der Möwen, die bestimmt an die 100.000 heranreicht. Dazwischen wuseln flink die kleinen Sanderlinge herum, die nicht eine Sekunde stillstehen, immer den Sand nach kleinen Krebsen durchpicken. Ab und zu dreht ein
Braunpelikan
seine Kreise hoch oben in den Lüften und lässt sich auch mal am Strand nieder, so als sei er der König, der sein Volk beherrscht. Aber wenn man genau hinschaut sieht man die Unterschiede.
Der
Sanderling
ist klein und rundlich, hat einen braun gesprenkelten Rücken, einen leuchtend weißen Bauch und schwarze Beine. Der
Steinwälzer
sieht ähnlich aus, aber ist schlanker, der Rücken dunkler, die Beinchen rosa. Beide können kaum stillstehen und picken mit ihrem langen spitzen Schnabel im Sand herum.
Bei den Möwen wird es schon schwieriger. Ich habe drei Arten entdeckt. Die überwiegende Masse sind die im englischen „laughing gull“ genannten Möwen, die merkwürdigerweise bei uns
Aztekenmöwen
heißen, während die in Deutsch Lachmöwe genannte Art eine ganz andere ist. Kompliziert macht das Erkennen aber die Tatsache, dass es unter den Aztekenmöwen sehr viele unterschiedliche Ausprägungen gibt. Die Möwen brauchen drei Jahre bis sie erwachsen sind und wechseln in dieser Zeit ihr Aussehen und Farbe stark. Am Anfang sind sie eher braun gesprenkelt, erst ab dem dritten Jahr bekommen sie einen weißen Bauch und einen grauen Rücken. Die schwarzen Schwanzfedern schmücken weiße Punkte. Aber immer haben sie schwarze Beine und Füße. Noch verwirrender aber ist, dass die offiziellen Fotos meist das prachtvolle Sommerkleid zur Brunst tragen, dabei haben die Möwen einen schwarzen Kopf und einen roten Schnabel, während der Kopfbereich im Winter heller wird, mal ganz weiß, mal gesprenkelt, und der Schnabel schwarz wird, zuweilen bleibt nur an der Spitze ein roter Punkt.
Die zweitstärkste Gruppe sind die
Ringschnabelmöwen
. Sie sind leicht zu erkennen, obwohl die erwachsenen Tiere an Rücken, Bauch und Schwanz ähnlich wie die Aztekenmöwen gemustert sind, auch die Größe ist ähnlich. Aber der große Unterschied sind die gelben Beine und Füße und der gelbe Schnabel, der an der Spitze von einem schwarzen Ring umgeben ist. Auch hier sind die Jungtiere braun gemustert, aber immer durch Schnabel und Beine von den Aztekenmöven zu unterscheiden.
Während diese beiden Gruppen meist auf dem Sand kurz vor den Wellen stehen, sieht man vereinzelte Möwen im flachen Wasser stehen, die durch ihre Größe auffallen, sie wirken fast wie große Hühner. Es ist die
amerikanische Silbermöwe
, die ob jung oder alt leicht an ihrer herausragenden Größe und den fleischfarbenen Beinen zu erkennen ist. Die ausgewachsenen Vögel sind farblich ähnlich wie die beiden anderen Möwengruppen, grauer Rücken, weiß gepunkteter Schwanz, weißer Bauch, nur die Beine sind fleischfarben. Und merkwürdigerweise gibt es sehr wenige ausgewachsene Tiere, sondern viel mehr Juvenile, die bräunlich gesprenkelt sind.
Neben diesen drei Möwenarten gibt es noch Seeschwalben, allerdings in geringerer Anzahl. Die
Königsseeschwalbe
ist leicht an ihrem leuchtend orangefarbenen Schnabel und der wild aussehende schwarzen Haube zu erkennen und kommt in kleinen Gruppen vor. Sehr selten zu Besuch, da sie eher an der Westküste zu Hause ist, ist die
Brandseeschwalbe
. Auch sie hat die schwarze Haube und ähnliche Größe und Form wie die Königsseeschwalbe, ist aber der Schnabel ist schwarz und macht sie sehr viel unscheinbarer. Trotz der gelben Spitze.
Und dann gibt es noch einen richtigen Exoten, den
Schwarzmantel-Scherenschnabel
. Er hält sich vor allem bei Ponce Inlet, am Ausgang des Halifax River zum Atlantik auf. Ein sehr hübscher Kerl in Möwengröße, der sofort an seinem großen Schnabel in orange und schwarz zu erkennen ist, auch die Beine sind leuchtend orange.
Nur selten sieht man zwischen all diesen Strandläufern den
Schlammtreter
, er fällt schon durch sein unscheinbares Aussehen kaum auf und gehört in eine andere Kategorie. Er tritt meist einzeln auf und sucht in den flachen Wellen nach Futter. Eine absolute Ausnahme ist der
Eistaucher
. Die im Aussehen an eine Ente erinnernde Art brütet in der Tundra und im borealen Nadelwald im nördlichen Nordamerika, in Grönland und auf Island und überwintert an den Küsten Nordamerikas und Europas, kommt nur selten bis nach Florida. Es gehört schon viel Glück dazu, einen zu beobachten, wie geschickt er in die Wellen taucht, um nach Fischen zu suchen.
Und dann ist da noch mein Lieblingsvogel, der
Bootsschwanz-Grackel
. Eigentlich hat er doch als normaler Vogel nichts am Strand verloren und sollte im Landesinnern nach Beeren und Insekten suchen. Aber er, der von weitem fast wie eine schwarze Krähe aussieht, leistet sich auch gerne mal einen kleinen Fisch oder Krebs. Und erst von nahem sieht man dann das tiefblau schimmernde Gefieder. Sein Weibchen dagegen ist kleiner, rundlicher und braun.
Dann gibt es noch zwei Vogelarten, die ab und zu tagsüber kommen und da am liebsten bei den Anglern sitzen und warten, dass ein paar Bissen für sie abfallen. Das ist zum einen der
Schneereiher
, leicht an seinen schicken schwarzen Beinen mit gelben Füßen zu erkennen, auch der Schnabel ist gelb-schwarz. Der Körper ist komplett weiß und wenn es heftig windet plustert sich ein Häubchen auf, das ihm ein lustiges Aussehen verleiht. Der
Silberreiher
ist größer, hat einen gelben Schnabel und schwarze Beine und Füße. Genau wie auch der Pelikan sitzen sie geduldig bei den Anglern und hoffen auf Leckerbissen, nicht nur am Strand, sondern auch an den Flüssen und Seen.
Dies waren nun 14 verschiedene Vögel, die ich am Strand gefunden habe. Wer sich dafür interessiert und auch ohne eine Reise nach Florida mehr darüber wissen will findet diese und noch viel mehr in meiner Guidewriter app „Central Florida Guide“.
 
20.12.
Ausgangssituation:
Mir ging’s gut. Richtig gut. Hab mich wohl gefühlt, viele Aktivitäten gemacht wie Vögel beobachten oder Boot Camp. Mit hat absolut nichts gefehlt. War glücklich. Hab bewusst und gesund gegessen, das Gewicht gehalten, sogar einige Gramm verloren.
 
Aktueller Zustand:
Mir geht’s Scheiße. Futtere mich durch den Kühlschrank, fühle mich von allen verlassen und benutzt. Trau mich morgens nicht auf die Waage.
 
Dazwischen:
Vor einem Jahr das Paar A+B in Florida kennengelernt. B hat hier ein Haus gekauft, A richtet es ein. Mit A (weiblich) eine nette Zeit, etwa 4 Wochen, verbracht, durch die Thrift Stores gezogen. Mit B weniger gesprochen.
Freue mich, in diesem Jahr wieder auf die Beiden zu treffen. Mal zusammen essen, Thrift Stores und dergleichen.
Doch Ende November trennen sich A und B. A fragt mich
„wie sieht es denn bei dir aus? hast du ein zimmer frei ab 14.12?“
Jaaah? Hab ich. Ich gehe davon aus, dass A versuchen will, mit B wieder ins Reine zu kommen. Ein paar Tage stelle ich mein Zimmer gern zur Verfügung, um den beiden zu helfen. Ich würde nie davon ausgehen, dass mehr gefragt ist.
Kurz vor dem 14. ruft B an und will mit mir sprechen. Ich will freundlich sein und sage zu. Höre mir die Geschichte von B an, von A würde ich erst mehr hören, wenn sie eingetroffen ist. B möchte gern A zurück und bittet mich um Hilfe.
Ich erinnere mich an die häufigen Vorwürfe, dass ich egoistisch bin und möchte das Gegenteil beweisen. Strenge mich an, um ein guter Vermittler zu sein.
A kommt. Alles in Butter. Erzählt ihre Geschichte. Sie will von B nichts mehr wissen.
Doch warum ist sie dann nach Florida gekommen? Sicher nicht, um mich flüchtige Bekannte zu besuchen. Ich habe auch nie gesagt, dass ich gerne einen längeren Hausgast hätte. Wollte nur kurzfristig aushelfen. Es scheint aber so, dass A gerne für die kalte Winterzeit in Florida bliebe, eventuell auch in meinem Haus nach meiner Abreise. Das ist mir nicht recht. Ich treffe gerne Leute, will aber danach für mich sein.
Am zweiten Tag kommt es zum zufälligen Zusammentreffen von A und B in meiner Straße. Ich finde die Atmosphäre eher freundlich und bitte beide ins Haus auf ein Gespräch. Gebe mein bestes, um zu vermitteln, Streit zu vermeiden und eine Lösung zu suchen. Schlage einen Waffenstillstand vor, während dem wir etwas zusammen unternehmen, um die Spannung zu entschärfen. B ist relativ ruhig und für Vorschläge zugängig, A kommt immer wieder auf die gleiche Leier zurück, kein Einlenken sichtbar.
Kein Waffenstillstand, statt dessen Gespräch zwischen A und mir. Ich bin nach Ansicht von A schuld. Sie wollte doch nur Zeit mit mir verbringen und ich bin an der schlechten Stimmung schuld, weil ich mit A gesprochen habe.
Ich bringe zum Ausdruck, dass ich mich in meiner Freiheit beschnitten fühle. Und ich habe sie nie eingeladen, doch zu mir nach Florida zu kommen.
Darauf bucht A einen Flug zurück nach Deutschland. Und bleibt in ihrem Zimmer, falls sie nicht mit jemand verabredet ist.
Von B kein Laut mehr.
Bin für beide nur noch der Fußabtreter und an allem schuld. Und fühle mich mies.
Helft nur niemals anderen!
 
21.12. Familienidylle
Die Menschen haben mich enttäuscht, deshalb wende ich mich heute wieder den Tieren zu, denn sie enttäuschen mich nicht. Und gleich geht’s mir viel besser. Vor ein paar Tagen habe ich wilde Tiere in einem Park bei New Smyrna gefunden, wilde Tiere, die wir eher als nicht wild kennen. Katzen. Richtige Hauskatzen. Ich kam zu einem Parkplatz in einem Naturpark und fand ein Alugefäß am Boden. Neugierig schaute ich hinein, es war leer. Doch im Gebüsch entdeckte ich blaue Augen, die mich beobachteten. Eine wunderschöne Katze, eine, die man eher auf einer Wohnzimmercouch finden würde. Und offenbar füttert sie jemand, wie das leere Gefäß zeigte. Dennoch schien sie Hunger zu haben.
Also hab ich Katzenfutter besorgt und fuhr heute Morgen zu dem Platz zurück. Mutter und Kind warteten bereits. Die Mutter, wie schon gesagt, fast eine Rassekatze, das Kind eher räudig. Sie verzogen sich sicherheitshalber ins Gebüsch. Ich füllte die Schalen, ging ins Auto und schon kam die Kleine. Bald auch die Mutter. Es schmeckte ihnen ganz offensichtlich gut …. bis!
Der Vater kam. Ein Blick und das Weibchen verschwand. Gut gezogen. Mein Kater hat seine Schwester auch immer so angeschaut. Das Kind war schon mutiger, aber traute sich dennoch nicht. Vater Kater fraß sich voll, begleitet von vier Augen aus dem Gebüsch. Hah, ich war schlauer. Hatte noch ein zweites Schälchen. Und dann kamen auch wieder Mutter und Kind. Man macht sich ja so seine Gedanken. Wurde die schöne Katze ausgesetzt? Oder ist sie mit dem Kater davongelaufen, wurde schwanger. Soll es ja auch bei den Menschen geben.
Dann ging es weiter nach New Smyrna und in den dortigen Park. In New Smyrna wird der Strand immer schmaler, hier kann man nicht mehr mit dem Auto fahren. Aber dafür gibt es wunderschöne Strandhäuser. Man hat nicht den Fehler wie in Daytona gemacht, und den Strand mit Hochhäusern vollgeknallt, die der Gemeinde zwar viel Grundsteuer bringen, aber auch die Nachmittagsonne komplett blocken. Hier stehen noch niedrige Privathäuser auf schönen Grundstücken, und alle haben einen herrlichen Holzplankenweg hinunter zum Strand. Hier möchte man wohnen, allerdings nicht während eines Hurrikans. Merkwürdig nur, dass fast ein Drittel der Häuser ein „zu verkaufen“ Schild haben.
Auf der Hochspannungsleitung war dann ein Treffen von Vögeln. Hunderte saßen da. Eigentlich hätte ich wissen müssen, was das für Vögel sind, gibt es sie doch auch bei uns. Aber zuhause habe ich mich noch nie für Vögel interessiert. Beim Hochschauen sah ich nur kleine schwarze Vögel, keine Ahnung, was das ist. Ich machte ein Foto mit meiner eher einfachen Digitalkamera, die aber doch ein gutes Zoom hat. Und erst zuhause kam dann die Überraschung. Es waren einfach nur Staren, die eigentlich aus Europa stammen, aber 1890 hat man aus einen Zoo in New York 100 Vögel frei gelassen, die inzwischen auf etwa 100 Millionen angewachsen sind. Und erst das gezoomte Foto hat mir gezeigt, wie wunderschön dieser Star ist.
Also wieder ein guter Tag, es geht bergauf. Auch mit dem Licht, ab heute werden die Tage länger. Obwohl wir uns hier in Florida wirklich nicht beklagen müssen.
 
23.12. Glaubensbekenntnis
Als ich vor kurzem in der Kirche war und den Gang durch Bethlehem machte, sprach ich danach mit einer Missionarin. Die Art, wie sie von ihrem Glauben sprach, wie sie mit einer Inbrunst und Überzeugung sagte, wir sind alle Sünder und nur für unsere Sünden ist Jesus am Kreuz gestorben, hat mich – die ich römisch-katholisch getauft wurde, aber dann als Erwachsene aus der Kirche austrat - doch eher abgeschreckt. Auch die Story von Maria, die als Jungfrau schwanger wurde, lässt mich nicht an einen Gott glauben.
Aber wenn ich hier durch die Parks wandere, die vielen verschiedenen Tiere betrachte, sehe, wie unzählig viele Arten es gibt und jede hat ihre ganz besondere Eigenheit, die sie von anderen unterscheidet und auch ihr Überleben möglich macht, dann bin ich doch beeindruckt. Und frage mich, wer all das geschaffen hat. So muss es ja ein göttliches Wesen sein, da auch der intelligenteste Mensch so etwas nicht zustande brächte. Und auch er wurde ja in Vollkommenheit geschaffen.
Aber erklären kann ich diese Wunder der Natur nicht. Nur andachtsvoll genießen.
Der Vogel des Tages, den ich heute früh getroffen habe, ist der Rotschwanz-Bussard.
 
26.12. Zahlen
Florida steht nach neuesten Statistiken von der Bevölkerungszahl her an dritter Stelle im Land nach Kalifornien und Texas, bisher stand es auf Platz 4. Es wohnen 19 893 Millionen Menschen hier, aber immer noch hat jeder Einwohner genau doppelt so viel Platz für sich wie ein Deutscher und auch ausreichend Parkfläche. Dabei sind nicht die vielen Snow-Birds erfasst, Urlauber/Rentner, die nur für den Winter kommen (so wie ich). Der Trend ins sonnige Florida ist ungebrochen und sicher auch ein Resultat der äußerst niedrigen Immobilienpreise, die immer noch nicht die Höhe von vor der großen Krise erreicht haben.
Heute folgt Teil 2 des Truthahn Tests, Butterball gegen Publix. Der tote Vogel ist gewürzt und gebuttert, geht gleich in den Ofen. Mal sehen, welcher letztendlich schmackhafter ist.
 
28.12.
Es gibt nicht viel zu schreiben in den letzten Tagen, nichts Aufregendes passiert und alle Events hier drehen sich nur um Weihnachten, was mich nicht interessiert. Außerdem neigt sich mein Aufenthalt dem Ende zu und es gibt noch viel zu erledigen. Nach dem letzten Regen hat die Mikrowelle wieder getropft und ich muss einen Dachdecker finden, aber über die Feiertage sieht das schlecht aus. Dann bin ich gestern den ganzen Tag einem Router hinterhergelaufen. Bisher mache ich es so, wenn ich ankomme, gehe ich zu Brighthouse und bestelle einen Router mit Internet für die Zeit meines Aufenthalts. Ein Monteur kommt, bringt den Router und schließt alles an. Am Ende bringe ich den Router zurück. Nun möchte ich aber meinen eigenen Router, damit das nicht alles wieder neu montiert werden muss. Alles nicht so einfach. Best Buy hat mir da nicht sehr geholfen, aber die Dame bei Brighthouse war sehr nett und hat mir erklärt, dass ich ein D3 Modem brauche. ???? Hab in Amazon geschaut, da gibt’s Router ab 15 $, aber sind das die richtigen? Bin also zu Jan und Gabor gefahren, die wohnen 100 Meter von mir und sind gerade über Weihnachten gekommen. Jan versteht eine Menge davon und wir finden heraus, welches Modem ich brauche. Also kann ich es nun bei Amazon bestellen, kostet aber 80 $, stelle dann meinen Vertrag um auf seasonal und kann dann immer an und abschalten lassen, wenn ich hier bin. Aber was solche Erledigungen für Zeit brauchen. Es war ein so wunderbares Wetter und ich habe es nicht zum Strand geschafft. Diese 10 Wochen hier gehen vorbei wie im Fluge, ich versuche im nächsten Jahr die vollen 12 Wochen auszuschöpfen, die ich hier bleiben kann.
Der Truthahn wurde übrigens verspeist und gewonnen hat die Hausmarke von Publix. War bei gleicher Zubereitung viel saftiger.
Am Abend ging’s dann noch ins First Turn. Wenn ich hier so ein paar Dinge mit nach Hause nehmen könnte wäre das in erster Linie der Strand inklusive der Sonne, dann die Parks mit ihren Tieren, aber gleich an dritter Stelle käme First Turn. Eine so nette Kneipe, sehr gemischtes Publikum, alle Altersstufen, und man kann auch als Frau sehr gut allein hingehen. Bin extra mit Bike hingefahren zu der Bikerkneipe, habe mein Bike auch gleich neben den Harleys geparkt, wenn es auch nur ein Fahrrad war. Gestern war ich zwar nicht alleine dort, daher konnte ich auch keine neuen Bekanntschaften schließen, aber die Musik war wie immer gut. Die haben fast jeden Abend eine Lifeband da, ist einfach unglaublich, und die Preise sind sehr manierlich. Bis 19 Uhr ist Happy Hour, ein Fassbier kostet 1 $, ein Margarita 3 $, die Stammkunden bestellen ein Bucket, das ist ein Blecheimerchen gefüllt mit 6 Flaschen Bier im Eis und kostet 12 $.
 
Später
Oh Gott, was für eine Aufregung. Ich habe es wohl herausgefordert mit meiner Bemerkung, „nichts Aufregendes passiert“. Kurz nachdem der Blog online war rief Georg an. Ob ich jemand zur Hand habe mit Motorrad-Führerschein. Und zwar sofort, Notfall. Die Polizei habe ihn gestoppt ohne Führerschein und wolle das Motorrad abschleppen lassen. Es muss sofort jemand kommen und ihn und das Motorrad holen, sie gaben ihm nur 20 Minuten, um das zu regeln. War nicht möglich, das Bike vorläufig zu parken, obwohl sie direkt an einem öffentlichen Parkplatz standen.
Ich habe keinen. Da fiel mir nur Jan ein, das könnte zu ihm passen. Also hab ich „emergency“ an Jan geskypt, alles stehen und liegen lassen und bin mit dem Fahrrad zu Jan gefahren, der mir die Tür in der Unterhose aufmachte und wunders dachte, was mir passiert sei. Jan war nicht begeistert, kam er doch gerade aus dem Bett, hatte noch kein Frühstück und vor allem seit 30 Jahren kein Motorrad gefahren. Aber einen Führerschein hat er.
Also fuhren wir alle drei inklusive Gabor Richtung Ponce Inlet, ich rief Georg noch mal an, dem die Polizisten ziemlich Dampf machten und einen Abschleppwagen rufen wollten. Wir sahen dann trotz Nebel die schönen Nicht-Weihnachts-Lichter blinken auf dem mit einem Leuchtturm geschmückten Polizei-SUV von Ponce Inlet. Und der Cop hatte noch einen schönen deutschen Namen, Schleifer. Aber war okay. Was war passiert? Georg fuhr zum Segelboot auf seinem Motorrad, hatte seine Sonnenbrille hochgeschoben, weil heute ein ziemlicher Nebel ist, der die Brille beschlug. Aber in Florida braucht man zwar keinen Helm oder sonstige Sicherheitskleidung zu tragen, nur, eine Brille, egal was für eine, muss man aufsetzen. Und weil er die hochgeschoben hatte wurde er angehalten. Ich hatte mir schon Gedanken gemacht, vielleicht noch Restalkohol vom Abend zuvor, oder so. Aber das eigentliche Problem war dann nicht die Brille, sondern der Führerschein, Georg hat keine Lizenz zum Führen eines Motorrads in USA.
Und war sehr froh, als wir eintrafen. Der Polizist inspizierte sehr genau Jan`s deutschen Führerschein (inkl. Bike), und monierte seinen amerikanischen (ohne Bike), aber ließ Gnade vor Recht ergehen und er konnte fahren. Gabor fuhr den Audi zurück, hatte doch tatsächlich seinen Führerschein im Haus vergessen, aber der Polizist kam nicht auf die Idee, nachzufragen. Ich hatte sowieso nur mein Telefon dabei, hatte zu Hause wirklich alles stehen und liegen und offen gelassen. Wir dann in langsamem Konvoi zurück, denn wie gesagt, Jan saß 30 Jahre auf keinem Motorrad. Aber nun sind alle wieder heil zu Hause und heute Abend wird das Ereignis mit einem schönen Essen ad acta gelegt. Lieben Dank nochmal an Jan und Gabor. Die ganze deutsche Kolonie stand zusammen.
 
30.12 Sonne und kein Meer
Es sind einfach wunderschöne Tage, so kann man den Winter aushalten. Wärmer als im Durchschnitt, aber trotzdem kam ich nicht an den Strand, einfach viel zu viel zu tun. Am Sonntag war ich im Dschungel, richtig drin, suchte den St. Francis Wanderweg, der über 7,7 Meilen geht, es ging wirklich mitten durch den Busch oder besser Sumpf, nach etwa der Hälfte traf ich zunächst ein junges Paar, das mir entgegen kam, aber ich versäumte, sie auf den Weg anzusprechen, was ich sehr bereute, denn der Weg stand mehr und mehr unter Wasser. Dann kam ein weiteres Paar, hätte nicht gedacht, dass in dieser Wildnis doch Menschen unterwegs sind, und klar habe ich sie angesprochen. Nach ein paar Worten fragte die Frau: „Sprechen Sie deutsch“. Aha, Landsleute. Aber auch sie waren zurückgegangen, weil das Wasser zu hoch stand. Und hatten auch mit dem jungen Paar gesprochen, das ebenfalls umkehren musste. Ich lief dennoch etwa 45 Minuten weiter, bis auch ich an die Stelle kam, wo nichts mehr ging. Nach drei Stunden war ich dann am Auto zurück, sah furchtbar aus! Völlig verschlammt, ein wenig zerstochen, aber vor allem von Dornen zerkratzt. Aber guter Laune, ich liebe solche Abenteuer. Leider konnte ich keine Vögel fotografieren, die Bäume waren viel zu hoch und zu dicht belaubt.
Ich dachte, ach ich hab noch Zeit, den Hontoon Park ganz in der Nähe zu besuchen. Er liegt auf einer Insel im St. John’s River und man muss mit einer kleinen Personenfähre übersetzen. Auf dem Nachbardock lag ein Alligator, am Himmel kreisten Vögel und ich bekam endlich einen neuen Vogel für meine Sammlung, einen Cormoran. Hier gefällt es mir. Leider war die Zeit viel zu kurz, ich war um 18 Uhr zum Essen verabredet und völlig verdreckt und muffelte auch. Also nicht wie heim, eine Stunde Fahrzeit, schnell den Schlamm abgespült und nichts wie hin zum Essen mit der deutschen Gemeinde. War wieder ein schöner Abend. Aber zum Hontoon Park muss ich noch mal zurück.
Am Montag dann hauptsächlich Dinge erledigt und am Abend fing dann ein neues Boot Camp an. Zwar kann ich es nicht bis zum Ende mitmachen, muss ja leider nach Hause, aber in der kurzen Zeit zwischen den Camps und mit den Feiertagen habe ich ein Kilo zugenommen. So geht das nicht! Da muss was geschehen!1.12.
Gestern war wieder Boot-Camp. Und ich hab so ein schönes Foto von Matt, meinem Trainer, das muss ich euch einfach zeigen. Ist er nicht toll? Und war früher auch mal dick.
 
Hab mir gestern so meine Gedanken gemacht. Die Gruppe finde ich toll, vor allem das, was darüber steht, also die Herbalife Familie. Ich kann die gar nicht genug loben. Die tun echt was. Toll finde ich auch, dass die Frauen hier ohne Probleme ihre Kinder mitbringen können. Die machen einfach das Training mit, so lange sie wollen, und wenn sie keine Lust mehr haben, spielen sie zusammen. Nicht einmal sagt einer ein böses Wort, auch wenn sie mal laut sind oder durch die trainierende Gruppe laufen. Die überwiegende Anzahl der Leute ist normal gewichtig. Mal ein paar Pfund mehr, aber nicht zu viel. Dann gibt es so zwei, drei, die sind schon länger dabei, haben schon viel verloren, aber doch noch etliche Pfund drauf. Sie sind motiviert und eifrig dabei. Und dann kommt immer mal wieder jemand, meist Frauen, die wirklich erheblich übergewichtig sind, die es echt nötig haben. Sie stehen bei den meisten Übungen am Rand, machen nicht mit und tauchen beim nächstenmal nicht mehr auf.
Ja – wenn man Gewicht verlieren will, muss man schon was tun.
Ansonsten war ich wieder auf Jagd nach den schönen Tieren, hab aber nur ein paar Vögel gefunden, die nicht so aufregende Photos ergaben. Diesmal im Bulow Creek Park.
 
3.12. Thrift Store
Auch das ist wieder typisch amerikanisch. Viele Kirchen oder auch Hospize haben Thrift Stores, Läden, in denen man alles mögliche gebraucht kaufen kann. Der Anbieter muss eigentlich nur die Miete für den Laden zahlen, alles Personal besteht aus Freiwilligen, Volunteers, die hier sehr zahlreich sind, während es das bei uns ja kaum gibt. Alle Waren, in erster Linie natürlich gebrauchte Kleidung, aber auch Haushaltsgegenstände, elektrische Geräte, Fernseher, eine Orgel, Werkzeuge, Fahrräder, Rollstühle, also wirklich alles, was man so nicht mehr braucht, wird kostenlos abgegeben. Und dann dort zu einem sehr günstigen Preis verkauft. Aber auch da gibt’s Unterschiede. In manchen kostet z.B. eine Jeans um 5 – 8 $, in dem Laden vom Tierschutzverein kosten alle Hosen 2 $, im Hospiz-Store sogar alle Kleidungsstücke, ausgenommen Designerstücke, 1 $. Und die Sachen sind oft gar nicht schlecht, man muss halt immer mal wieder durchschauen. Habe neulich Markenhosen für 2 $ bekommen, heute ein wirklich hübsches T-Sirt für 1 $ und da leider meine elektrische Heckenschere kaputt ging, Überlastung, hab ich eine für 18 $ bekommen. Fand ich teuer, war aber nötig.
 
4.12. Orion Launch
Heute bin ich in aller Frühe aufgestanden, habe mir einen Becher Kaffee gekocht und bin zum Pier, um den Orion Launch zu sehen. Es hatte sich ein kleines Grüppchen Schaulustiger dort eingefunden. Zunächst sahen wir einen wirklich spektakulären Sonnenaufgang, allein dafür hat es sich schon gelohnt, heraus zu kommen. Zum Angel-Pier gehört gehört ein Restaurant, in dem die Fernseher heiß liefen und als zur vorgesehen Zeit 7:05 noch nichts in der Lust zu sehen war, konnten wir zumindest di neuesten Nachrichten verfolgen. Ein Boot war mitten in die gesperrte Zone gefahren, deshalb musste der Launch verschoben werden. Mein Nachbar meinte „ten minutes“. Wir unterhielten uns ein wenig, dann fragte er doch mal nach, woher ich denn käme, hat meinen Akzent gehört. Ich sagte, aus Deutschland. „Na, dann können wir ja auch in Deutsch weiter reden.“ Ja so geht’s. Und die Wartezeit wurde nett verkürzt. Um 7:17 war die nächste Startzeit angegeben, aber dann war zu viel Wind. Wurde wieder verschoben, und dann war plötzlich der Benzinhahn defekt und musste ausgetauscht werden. Kurz vor 10 Uhr hieß es dann, alles bis zum nächsten Tag verschoben. Ich kann ja morgen wiederkommen, aber mein netter Gesprächspartner fliegt heute noch nach Hause.
 
Gestern war ich doch ein wenig geschockt, als ich zum Einkaufen ging. Hier werden in den Läden an den Kassen oder zum Einkaufen viele alte Menschen beschäftigt. Die Sache hat eine gute und eine schlechte Seite. Viele müssen einfach bis ins hohe Alter arbeiten, da die Rente nicht reicht oder sie erst gar keine bekommen. Von Grundsicherung kann man hier nur träumen. Andere wiederum machen es auch, damit sie unter Leute kommen, nötig hätten sie es nicht unbedingt. Aber gestern fand ich die Sache doch echt schockierend, ich kam zur Kasse, eine etwa 75jährige übergewichtige Frau bediente mich, neben ihr die Sauerstoffflasche, von der ein Schlauch zu Ihrer Nase führte.
Muss ein so kranker Mensch wirklich noch arbeiten in einem Land wie Amerika? Das müsste er noch nicht mal in dem armen Marokko, da wäre seine Familie für ihn da.
 
Exkurs: Übergewicht
Hat nichts mit der Reise zu tun und muss nicht gelesen werden.
Adipositas ist in USA bekanntermaßen ein großes Thema, laut Statistiken sollen hier 35 % der Menschen „obese“ sein, wie man hier sagt (
http://www.cdc.gov/obesity/data/adult.html
). Das bedeutet einen Körpermasseindex (BMI) von 30 kg/m² und mehr. Für Deutschland habe ich einen Anteil von 21 % gefunden (
http://www.adipositas-gesellschaft.de/index.php?id=41
). Aber auch die vielen Menschen, die einen BMI zwischen 25 und 30 % haben sind nicht immer glücklich damit und viele versuchen mit mehr oder weniger Erfolg etwas dagegen zu tun.
Ich habe in meinem blog sehr enthusiastisch über das Boot Camp geschrieben und auch geschildert, wie gut ich damit zurecht komme. Durch den Kommentar einer lieben Freundin bin ich erst darauf aufmerksam geworden, dass sich Leute mit Übergewicht davon verletzt sehen. Dafür möchte ich mich entschuldigen, das wollte ich nicht. Und ich möchte euch meine eigene Story erzählen, die zeigt, dass auch ich davon betroffen bin und weiß, wie schwer der Kampf ist.
In meiner Kindheit war ich ganz normal, nicht zu dick, aber auch nie zart. Lustig ist, dass es gerade auf meiner ersten USA-Reise 1973 zusammen mit meinem Mann anders wurde. Ich habe von der ganzen Tour ein Video gemacht, das deutlich zeigt, dass wir beim Einsteigen ins Flugzeug sehr viel dünner waren als beim Aussteigen zurück zu Hause. Aber die riesigen Steaks im Mittleren Westen und die köstlichen Baked Beans waren einfach zu lecker.
Das ging eine Weile so weiter, aber es hielt sich in Grenzen. So 10 kg zu viel. Mein Mann und ich machten oft Diäten, ich erinnere mich noch gut an die Brigitte Diät, die damals neu raus kam und eigentlich auch gut gewirkt hat. Aber bei all diesen Diäten war es doch so, dass man nur recht wenig essen konnte, weniger als man eigentlich wollte, und das kann man halt nur eine Weile durchhalten. Ein Beispiel ist das gelegentliche Stück Kuchen zum Nachmittagskaffee, das man sich absolut nicht leisten konnte. Ergebnis war der bekannte Jo-Jo-Effekt, es ging immer wieder rauf und runter.
Erst viel später, als ich allein lebte, entwickelte sich ein ganz anderes Essensverhalten. Ich ernährte mich nicht mehr regelmäßig, entwickelte einen Heißhunger auf Süßigkeiten. Es gab eine Zeit, da aß ich abends statt einem vernünftigen Essen 2 Päckchen Haribo. Auch persönliche Stimmungen führten zum unmäßigen Süßigkeitengenuss. Ein großes Problem waren auch meine zahlreichen Dienstreisen. Während mein Frühstück zu Hause klar geregelt ist, es gibt 1 Brötchen und 1 Ei, konnte ich den wunderbaren Frühstücksbüffets in den Hotels nicht widerstehen. Dann ein Tag auf der Messe, wo man statt was Richtiges die Plätzchen in sich reinschaufelte, die für die Besucher dastanden. Und abends gab es dann häufig ein Büffet irgendwo auf der Messe, und wenn ich so was sehe kann ich auch nicht an mich halten. Dazu kam, dass ich vor allem in den letzten Jahren Berufstätigkeit sehr lange arbeitete um Überstunden für meine Reisen zu sammeln. Also sehr unregelmäßiges Leben und Essen und keine Zeit für Sport. Auch da kam ab und zu eine strenge Diät und ich nahm ab, aber auch wieder zu. Und vor allem war es echt so, ich durfte nur wie ein Vögelchen essen, um nicht zuzunehmen.
Der Umschwung kam nach der Rente. Zunächst war ich in Marokko, da ist sowieso alles anders. Da muss ich nicht selbst für mein Essen sorgen, da bekomme ich es vorgesetzt, es ist sehr gesund mit viel Gemüse, es gibt nicht viel Süßes in dem Land noch Zeit, irgendwann im Stillen meine (nicht vorhandenen) Haribos reinzuschaufeln. Auf den Reisen habe ich immer mein Gewicht gehalten oder sogar abgenommen. Zurück in Deutschland musste ich erst viel arbeiten, meine Bücher schreiben, aber dann am 1. September 2013 war das beendet. Und mein Gesundheitsprogramm begann. Unter anderem auch aus dem Grund, dass mein Blutdruck sehr hoch war. Und ich absolut keine Pillen nehmen wollte.
Also Ernährungsumstellung. Eigentlich wie auch schon früher gehabt. Zunächst abführen, damit der Magen leer ist, dann 2 – 3 Tage nur Pülverchen (Slim-Fast oder ähnliches), um sich von den dick machenden Nahrungsmitteln zu entfernen, und dann gemäßigt essen. Mir hat sehr eine Internetseite geholfen, wo ich aufschreiben konnte was ich täglich esse (
http://fddb.info
). Das wird sehr einfach gemacht, man gibt lediglich den Barcode an und wie viel man davon gegessen hat und die Kalorien werden automatisch errechnet. Das hat mir wirklich sehr geholfen einen Überblick über die Mengen zu bekommen, die ich essen darf ohne zuzunehmen, bzw. sogar abzunehmen.
Aber das war nur die eine Säule. Die andere war laufen. Bis dahin konnte ich nur walken. In meinem ganzen Leben konnte ich noch nie länger joggen, war sofort außer Atem. Also fing ich ganz langsam an. Ein wenig joggen, dann walken. Aber nicht so gemütlich wie die vielen Nordic Walker, die ich so durch den Taunus streichen sehe. Und es war unglaublich, ganz langsam konnte ich immer mehr joggen. Meine Laufstrecke geht über 5 km, aber es geht bergauf und bergab. Ich konnte irgendwann auf dieser Strecke alles bergab joggen, das waren 20 Minuten von 42. In Florida am ebenen Strand war es im letzten Jahr noch ebenso, 20 von 42. Aber in diesem Jahr kann ich alles am Stück joggen, schaffe die 5 km in 40 Minuten. Das ist langsam, aber immerhin. Und mein Blutdruck hat sich wesentlich verbessert, Pillen brauche ich nicht.
Nur mit diesem Laufen habe ich es geschafft, bei meinem bewussten Essen zu bleiben. Nur wenn ich fast täglich laufe halte ich mich einigermaßen an mein Essensprogramm. Aber fast noch wichtiger, durch das regelmäßige Laufen hat sich mein Grundumsatz erhöht und ich darf nun etwas größere Portionen essen. Sogar auch mal ein Stück Schokolade. Ich habe in den ersten vier Monaten seit Beginn der Umstellung 14 kg verloren, dann langsam bis heute noch mal 2 kg und bin mit meinem jetzigen Gewicht zufrieden.
Und als ich hier in Daytona dann das Boot Camp gefunden habe war ich absolut glücklich. Mehr noch als beim Laufen werde ich hier an meine Grenzen geführt und das ist toll.
Alles happy also?
Nein. Leider nicht. Auch heute noch habe ich manchmal eine Gier nach Süßigkeiten und wenn dann welche im Haus sind kann ich nicht aufhören, bis alles weg ist. Und dann umarmt man das Klo. In den Hoch-Zeiten meiner Diät hatte ich immer die köstlichen Trüffelpralinen im Haus und habe jeweils nach dem Abendessen einen Espresso mit einer Praline genommen. Wenn es so bleibt ist alles in Ordnung, aber es bleibt nicht. Es kommt immer der Tag, wo ich weich werde. Ich bin süchtig nach Süßigkeiten, bleibe es immer, und einer, der davon nicht betroffen ist, kann das nicht nachempfinden. Wie ein Alkoholiker, der immer einer bleibt, auch wenn er trocken ist.
Seit ich hier in Florida bin hatte ich die Anfälle schon einige Male. Fühle mich immer sehr mies danach, laufe dann noch mehr. Die Süßigkeiten, die ich evtl. für Nachbarn mitgebracht hatte, sind weg. In der Zeitung las ich eine Anzeige von den Anonymen Esssüchtigen. Ich bin hin gegangen. Habe noch nie so was mitgemacht. Aber das ist nichts für mich. Einerseits ist es von der Kirche, es wird sehr darauf hingewiesen, dass Gott hilft. Naja, mir nicht. Und man muss genau wie die Alkoholiker abstinent bleiben, abstinent von Zucker und Mehl. Und man bekommt einen Mentor, der einem den Rücken stärkt. Aber das ist nichts für mich. Ich weiß ja was ich essen muss um das Gewicht zu halten, ernähre mich gesund und ausgewogen. Bis die Anfälle kommen. Und dagegen hilft weder Gott noch Herbalife.
 
5.12. Fast verpasst
Pünktlich kurz vor 7 war ich auf dem Pier und geriet schon wieder in ein nettes Gespräch, diesmal auf Französisch (hab mich fast im heimatlichen Marokko gefühlt). Ein nettes Ehepaar aus Französisch-Kanada, ich unterhielt mich so eifrig mit der Dame, sie war schon in Marrakech, aber zum Glück hat ihr Mann aufgepasst und rief, da, Orion! Pünktlich wie die Maurer ist sie heute gestartet. Zu sehen als feiner Lichtstreifen am Himmel.
Ich glaube, die Verschiebung war nur wegen meinem Geburtstag, sozusagen als Geschenk für mich.
 
5.12. Geburtstag
Mein Gott, was war das für ein Geburtstag. In meinem Pass steht, es war der 67tigste, aber das muss ein Druckfehler sein. In meinem Herzen und auch von den Ereignissen her war es eher der 27stigste.
Bis zum Abend lief alles ereignislos. Meine Familie rief zwar an, aber ich hörte das Telefon nicht und ging dann zum Boot Camp. Ja, ich habs erzählt, ich gestehe es, und dann sangen alle Happy Birthday für mich. War schön. Und wieder einmal hab ich so richtig erlebt, warum ich ins Boot Camp gehe. Wenn ich alleine am Strand jogge, strenge ich mich gerade mal so viel an, wie es noch komfortabel ist. Aber im Boot Camp wird man an seine Grenzen geführt. Es geht immer weiter, auch wenn man denkt, man kann nicht mehr. Was werde ich die Leute vermissen, wenn ich wieder zuhause bin.
Dann kam ich heim, es ist ja Freitag Abend, da tönt vom First Turn immer die Musik herüber und lockt. Nur wenige von euch kennen natürlich First Turn, Brian, Andrea und Gabor wissen wovon ich rede, die anderen nicht. Es ist eine typische Biker-Bar, alles offen und am Wochenende spielt eine Band. Normal geh ich nicht hin, aber heute habe ich schließlich Geburtstag. Also geduscht und ein Herz gefasst und ab ins First Turn. Es gehört ja schon was dazu als Frau allein in so eine Kneipe zu gehen. Hab mich ganz langsam angeschlichen, von hinten ein Bier bestellt und dann immer mehr vorgewagt. Und die Band war toll. Man konnte es mal wieder kaum auf dem Sitz aushalten.
Ja, und dann die Männer. Es schlichen doch einige um mich herum. Einer fasste sich schließlich ein Herz und sprach mich an. Dann der nächste, wir wechselten ein paar Worte und er bestellte mir noch ein Bier. Die Stimmung stieg, die Band lief zur Vollform auf, ich wackelte auf meinem Sitz hin und her, und das nahm ein Dritter zum Anlass mich zum Tanz aufzufordern. Wer mich kennt weiß, dass ich absolut nicht tanze. Kann’s einfach nicht. Dazu kommt, dass ich mich dem anderen wegen dem Bier verpflichtet fühlte. Aber ich hätte schon gerne. Dann kam ein langsamer Tanz und mein Biermann forderte mich auf, und ich tanzte mit ihm und alle Zehen blieben heil.
Ist das nicht genau wie früher in der Disco? Ich hab’s genossen. Wusste zu dem Zeitpunkt noch nicht genau, wie es ausgeht, bzw. wie ich den Herrn dann wieder los werde. Der erste hatte sich ja schon verabschiedet mit den Worten, er hätte mir ja gerne einen ganz großen Geburtstagskuss gegeben, aber nun wäre ich ja mit dem anderen.
Und dann plötzlich drehte ich mich um und traute meinen Augen nicht. Ich, die ich ja niemand kenne in Port Orange und mich eigentlich völlig allein in dem Lokal fühlte, erkannte in den beiden netten Frauen, die schon eine Weile neben mir saßen, meine Nachbarin und ihre Tochter. Auch die Beiden erkannten mich erst jetzt. Das war natürlich ein großes Ereignis, hatten wir doch während meines Aufenthaltes noch nicht miteinander gesprochen, und wir quatschten wie verrückt. Und als ich mich wieder umdrehte, war mein Verehrer verschwunden.
Köstlich das ganze. Echt wie zu Teenagerzeiten. Und genau mit dem erwünschten Ende.
 
6.12. Cross Roads
Ich komme gerade zurück aus Bethlehem. Was für ein Auflauf! Menschen über Menschen, Marktstände, die Tiere laufen herum, die Kinder schreien und überall die römischen Legionäre, die den armen Einwohnern das Leben zur Hölle machen. Die Steuern müssen gezahlt werden, deshalb ist jeder in die Stadt gekommen und alle Unterkünfte sind ausgebucht.
Kommt euch das bekannt vor?
Cross Roads, eine hiesige Baptistengemeinde, baut jedes Jahr ein richtiges Bethlehem auf, mit richtigen Menschen und Tieren, auch das Kamel hat nicht gefehlt. In diesem Jahr konnte ich es mir zum erstenmal anschauen und ich war völlig beeindruckt. Zunächst einmal die Organisation. Die war perfekt, angelegt für ein Großereignis. Die Kirche hat ein großes Grundstück und viele Parkmöglichkeiten und richtig professionelle Parkwächter mit Leuchtstäben haben die vielen Besucher geleitet, am Vortag waren 1400 Leute da. Dann am Eingang musste man sich registrieren und im Kirchenraum auf seine Gruppe warten. Es wurden Lieder vorgetragen, alles sehr nett. Dann wurden jeweils Gruppen von 25 Personen aufgerufen und wir bekamen eine junge Dame als Tourguide, natürlich historisch gewandet. Und dann gings los. So richtig ins Leben. Am Stadttor haben die Legionäre erstmal ziemlich Zoff gemacht, wollten uns nicht reinlassen, haben dem Mädel ihre Schwerter an den Hals gesetzt, aber dann hat sich doch alles beruhigt und wir konnten weiter. An jedem Marktstand wurden die entsprechenden Produkte laut schreiend angepriesen, ich fühlte mich wie auf einem marokkanischen Basar. Die Schauspieler, alles freiwillige Kirchenmitglieder (die brauchen alles in allem sicher mehr als 100 Leute), waren Spitze. Vor allem ist USA ja ein multikulturelles Land, daher sahen viele Gesichter sehr original aus. Die haben so gut und authentisch gespielt, ein Kind stahl einen Apfel, ein Soldat rannte hinterher. Der Kürschner wurde von einem hinterhältigen Händler erpresst, ihm ein Schutzgeld zu zahlen, der Schreiner beklagte sich darüber, dass er so viele Kreuze anfertigen müsse, denn die Römer würden es fast zum Sport erklären, die Leute zu kreuzigen, es war richtig was los. Dann kamen die Klatschweiber, zerrissen sich das Maul über ein Pärchen, das am Nachmittag angekommen war. Nicht verheiratet, aber die Frau hochschwanger. Behauptete dennoch, noch Jungfrau zu sein. Naja. Man hatte ihnen am Stadtausgang einen Stall zugeteilt, weil alle Herbergen besetzt waren. Als wir dann endlich am Stall ankamen erschien in einem Lichtblitz der Engel Gabriel. Und vor den Toren lag das Kamel. Nur die drei Könige waren noch nicht angekommen.
Das ganze war echt super, ich war begeistert. Danach ging es in einen Saal, wo Kaffee ausgeschenkt und Plätzchen gereicht wurden. Und alles kostenlos, noch nicht mal um eine Spende wurde gebeten.
An einem Tisch saßen Personen, die auf Wunsch für Gespräche über die Kirche zur Verfügung standen, aber sie haben sich nicht aufgedrängt. Doch ich hatte eine Menge Fragen und habe mich sehr lange mit Cheryl, einer Missionarin, unterhalten. Sie sprach unglaublich engagiert von ihrem Glauben, und erzählte mir so eindringlich, wie Jesus am Kreuz hing, auf beiden Seiten von einem Verbrecher umgeben, die ihm sagten, wenn er doch Gott wäre, warum er dann nicht einfach vom Kreuze aufstehen würde. Und möglichst sie beide noch rettete. Sie erzählte mir das so, als sei es gestern passiert und sie sei dabei gewesen. Wenn man wie ich nur die katholische Kirche in den 50ern und 60ern erlebt hat, ist man total erstaunt, wie engagiert diese Frau das lebt. Ich kannte die Kirche nur als fern und unnahbar, an einen Gott oder Jesus glauben? Naja, ich weiß nicht recht. Und sie ist so fest davon überzeugt, dass sie in den Himmel kommt, weil sie ja so fest glaubt, und dass nur die in den Himmel kommen, die auch an Jesus glauben, dass ich sie fragte, was denn mit den vielen Millionen Menschen wäre, die einer anderen Religion angehören, nicht an Jesus glauben. Sie meinte da nur, dass sie nicht urteilen könnte und wollte über andere Religionen und steigerte sich wieder in ihre Kreuzigungsgeschichte.
Damit will ich das ganze Ereignis aber nicht herabwürdigen, es war wunderbar, hat mir sehr gefallen und auch das lange Gespräch mit Cheryl hat mir sehr gut getan. Wenn sie auch nicht in einem einzigen Gespräch gegen meine jahrzehntelange Kirchenfeindlichkeit ankommen konnte.
Das Dorf Bethlehem war originalgetreu nur mit Kerzen erleuchtet und es wurde darum gebeten, keinen Blitz zu verwenden, deshalb kann ich euch nicht viele Bilder präsentieren.
 
7.12.
Ich war tanken heute, aktuell kostet das normale Super 0,56 Euro /Liter. Damit kann man leben, nicht? Ich fahre ja den ganzen Tag in Daytona herum, wenig außerhalb, aber schon die Entfernungen innerhalb der Stadt sind groß, und ich tanke pro Woche etwa für 20 Dollar. Ach, wie wünsche ich mir das zuhause.
Kennt ihr Beauty Berries? Auf Deutsch Schönfrucht. Natürlich nicht, denn diese Art kommt nur im östlichen Nordamerika vor.
http://de.wikipedia.org/wiki/Amerikanische_Sch%C3%B6nfrucht
Der Name besteht ganz zu Recht, denn die Sträucher mit den pinkfarbenen Beeren sind wirklich sehr hübsch. Auf einer meiner Ausflüge erfuhr ich, dass die Beeren essbar sind, auf einer Farm wurden winzige Gläser mit Gelee angeboten, die sauteuer waren. Da dachte ich mir, das kann ich doch auch. Die Beeren werden im Juli reif, bleiben aber monatelang hängen und so gibt es noch genug. Was es aber nicht gibt ist Gelierzucker. Ich habe den Saft also nur mit Zucker gekocht und 1 Apfel fürs Pektin und 1 Zitrone für die Säure hinzu gegeben. Kurz gesagt: es wurde nichts. Zumindest kein Gelee. Aber ein wunderbarere Sirup. Hier werden ja gerne Pfannkuchen zum Frühstück gegessen, traditionell begossen mit Maple-Sirup (Ahorn). Nur ist kaum noch ein Sirup, den man kaufen kann, wirklich aus Ahorn gemacht und wenn sehr teuer, die Sirups im Supermarkt bestehen aus Maissirup mit einer Masse von künstlichen Aromastoffen. Da ist doch mein Schönbeerensirup ganz was anderes und ich habe mir sofort gefrorene Pfannkuchen gekauft.
 
9.12. Armes Kind, armes Land
Heute Nacht wurde das fünfte Kind in ebenso vielen Wochen, die ich hier bin, angeschossen. Es schlief zuhause im Bett, 4 Jahre alt, ein Unbekannter schoss von außen mehrmals auf das Haus, das Kind wurde getroffen und kam schwerverletzt ins Krankenhaus.

Aber denkt nur nicht, dass die Menschen hier mal aufwachen. Das einzige westliche Land, in dem die Bevölkerung legal Waffen haben darf und in keinem anderen Land werden so viele Menschen durch Schusswaffen verletzt oder getötet. Das interessiert aber niemand, jeder besteht darauf, seine Waffe im Nachtisch zu haben.
 
11.12. Immer wieder
Ich schäme mich schon fast, immer wieder auf das gleiche Thema zurückzukommen. Aber es ist nun einmal das, was in den Nachrichten kommt. Bei Gainesville gestern standen einige Jugendliche an einer Bushaltestelle, als plötzlich auf sie geschossen wurde. Ein 16Jähriger starb. In Orlando gab es einen Nachbarschaftsstreit, als plötzlich Schüsse fielen und ein 15Jähriger in den Rücken getroffen wurde. Er ist vermutlich querschnittsgelähmt.
Und ich führe hier nur die Fälle auf, die Kinder und Jugendliche betreffen, von den vielen erwachsenen Opfern will ich gar nicht anfangen.
Aber ebenfalls gestern stand eine Kolumne in der Lokalzeitung, die fast wortwörtlich meine Argumente gebracht hat, gegen Schusswaffen, dass die Bevölkerung endlich aufwachen sollte, keine Waffen auf Schulgelände (was hier gerade als Gesetzesvorlage liegt) und auch mit dem Hinweis, dass in Ländern ohne freien Waffengebrauch diese Anzahl von Vorkommnissen einfach nicht existiert. Aber solche Artikel sind mehr als selten, die Masse der Bevölkerung stimmt für die Waffen.
Ach, da fällt mir noch etwas ein. Seit ein paar Tagen ist hier das Geschrei riesengroß. Plötzlich (!) kam heraus, dass die USA doch ihre Gefangen im Irak und anderswo ganz entsetzlich foltert, menschenunwürdig, eine Person wurde allein 84 mal „Waterboarding“ unterzogen. Diskussionen über Diskussionen, auch der Präsident nimmt dazu Stellung. Er war es natürlich nicht, war noch der alte. Und man hat auch festgestellt, dass alle diese Maßnahmen nichts halfen, den Terrorismus abzuwenden. Auch nicht, Osama Bin-Laden zu finden. Was unter Obama geschah. Damit hat also auch er zugegeben, diese Methoden angewendet zu haben.
So eine kluge Erkenntnis.
Komisch. Wir wussten das schon lange.
Ich fürchte, wenn ich weiter so schreibe, steht bald die Homeland Security vor der Tür.
 
12.12. Die besten Jahre
Vorbei. Aus. Ende. 4 Wochen Boot Camp sind vorbei. Wie schade. Wir liefen noch mal wie am Anfang die eine Meile und machten unsere Situps. War lustig mit der Meile. Wir rannten alle zugleich los, ich natürlich in der Pole position. Und genau wie Schuhmacher habe ich das Feld sofort angeführt. Habe mich echt gewundert, dass zunächst niemand hinter mir war. Kurz vor dem Umkehrpunkt hat mich dann aber Jessie überholt, aber er läuft außer Konkurrenz, ist ein durchtrainierter 20jähriger, von Beruf Lifeguard am Strand. Er musste vor mir am Umkehrpunkt sein zur Kontrolle. Dort ein Fiver und umkehren. Ich immer noch weit vor allen. 4 Sekunden vor dem Ziel überholt mich doch plötzlich jemand, ich habe ihn nicht kommen gehört, hätte ich doch nur mal über meine Schulter geschaut. Er war dann 2 Sekunden vor mir im Ziel und ich war sauer. Meine Zeit war 10 Minten, 46 Sekunden, der erste hatte 44 Sekunden und alle anderen doch erheblich mehr. Lustig ist, dass ich ja die Älteste bin und er der zweite nach mir, schätze ihn auf 55. Laufen scheint doch eher ein Sport für Ältere zu sein, auch beim Marathon sieht man viele, und bei meinen 100 Meilen Läufern von Mhamid waren ja auch nur Alte. Alle anderen in meiner Gruppe sind viel jünger und waren ziemlich beeindruckt von meinem Spurt. Ich auch. Laufe ja sonst am Strand für mich alleine, da hat man keinen Vergleich. Alle sagten auch sofort, du hast aber bestimmt Erfahrung mit Laufen. Ach, ich war ganz gerührt. Wo ich doch erst seit einem Jahr laufe.
Anders sah es bei den Liegestützen aus. Da braucht man Kraft, keine Ausdauer, und da mangelt es bei mir. Beim Wiegen dann waren nur kleine Differenzen zu sehen, die meisten Werte haben sich um Stellen hinter dem Komma verbessert, nur der Flüssigkeitsgehalt ist zu niedrig, ich trinke zu wenig. Alter Fehler. Aber …. mein metabolisches Alter hat sich von 47 auf 45 Jahre verbessert! Ach, was fühle ich mich so toll.
Schade nur, dass es so nicht weitergehen kann. In der nächsten Woche ist erstmal kein Bootcamp, dann kommen die Feiertage, und im Januar geht’s schon wieder heim. Und dann drei Monate in Marokko, da sind die Sportmöglichkeiten sehr begrenzt und die ganze Kondition ist wieder futsch.
Bin dann noch am Strand gejoggt und habe einfach so vor mich hin sinniert. Was geht’s mir doch so gut. Dies sind die besten Jahre meines Lebens, die ich nun durchlebe. Den Arbeitsalltag endlich hinter mir, ich kann selbstbestimmt leben, kann mir die Arbeit, die ich ja immer noch mache, selbstständig einteilen und habe das Glück, außer in Deutschland noch in zwei anderen, wunderschönen Ländern zu Hause zu sein. So gut geht es nicht jedem und ich muss mir das öfter bewusst machen. Und begrenzt ist die Zeit auch. Eines Tages fangen die Wehwehchen an, Krankheiten kommen und ich kann diese schönen Reisen nicht mehr machen. So schwer es mir gefallen ist, mich vor einem Jahr von meinen beiden Katzen zu trennen, die ich sehr geliebt habe. Aber es war die richtige Entscheidung. Jetzt kann ich noch reisen, jetzt kann ich mein Leben genießen. Wer weiß, wie lange noch.
 
13.12. Das gibt es nur in USA
Weihnachtsparade in Spruce Creek ist immer etwas besonders. Ich habe diese Fliegergemeinde in mein Herz geschlossen, seit ich im Jahr 1997 in Daytona Beach meinen Flugschein gemacht habe und dann eingeladen wurde, vier Wochen dort zu wohnen. Es war das reinste Paradies. Spruce Creek hat einen eigenen Flugplatz und Rollwege führen zu den einzelnen Häusern. Zusätzlich zur Garage haben die Villen dann noch einen Hangar fürs Flugzeug. Klar dass hier keine Sozialhilfeempfänger wohnen. Viele sind auch ehemalige Airline-Piloten. Sie können sich nun nach der Rente ganz dem guten Leben, dem Golf und ihren „Toys“, wie man hier sagt, widmen. Ihren Spielzeugen. Das kann alles sein, was Spaß macht, schöne Motorräder, herrlich restaurierte alte Fahrzeuge, Flugzeuge, ja sogar Traktoren. Die alten Herren treffen sich oft mal abends, um zusammen in Formation zu fliegen, oder um einen Hundert-Dollar-Hamburger zu essen. So nennt man es, wenn man zum nächsten Flugplatz fliegt, um dort im Restaurant mal eben einen Hamburger zu bestellen. Hab ich in meiner aktiven Zeit auch ab und zu gemacht.
In der Weihnachtszeit dann ist immer eine Parade. Jeder schmückt seine Toys weihnachtlich, sich selbst auch und dann geht die Parade übers Rollfeld. Die Zuschauer kommen in ihren Golfcarts und stehen entlang der Runway. Es gibt Hot-Dogs und Soft Drinks, und alles kostenlos. Das ist auch für Fremde eine gute Gelegenheit, sich die Fly-in mal anzusehen, denn normal ist die Gemeinde durch ein Tor gesichert und nur Bewohner und angemeldete Besucher kommen hinein.
Doch zunächst findet eine Hochzeit statt. Inmitten des Weihnachtstrubels steht Lenny vor seinem Immobilienbüro und traut mal schnell ein junges Paar. Er ist auch Notar, und die können in Florida jedes Paar trauen, das eine Heiratslizenz hat. Den Bräutigam schätze ich auf Mitte 70, die Braut etwa 25 - 30 Jahre jünger. Sie kommt aus Russland, Internet lässt rufen. Aber da sieht man doch mal, wie man auch so sein Glück machen kann, der junge Bräutigam ist bestimmt nicht arm. Das ganze dauert keine 10 Minuten, dann zieht Lenny seinen Anzug aus, wirft sich ins Weihnachtsmannkostüm und hinauf auf seinen Zweidecker, in dem ich schon mal mit ihm Aerobatic geflogen bin. Das Brautpaar setzt sich in seinen weihnachtlich geschmückten Oldtimer, die – kurze - Hochzeitsreise ist gleichzeitig Parade.
Endlich geht der Zug los. Die Strecke ist superkurz, deshalb fahren alle bis auf die Flugzeuge in Schlangenlinien. Und das Wetter ist einfach himmlisch. In der Nacht und am Morgen war es noch empfindlich kühl, aber nun scheint die Sonne und ich komme ins Schwitzen. Und ich habe so viele alte Bekannte wiedergetroffen. Vorher hätte ich mir ihre Gesichter nicht mehr vorstellen können, aber wenn sie einem dann begegnen kommt Erkennen auf. Es war so schön. Nur schade, dass die engsten Freunde nicht mehr in Spruce wohnen, es ändert sich halt alles so schnell in Amerika.
Am Nachmittag dann hole ich Georg ab. Ich habe ihn und seine Freundin Andrea schon im letzten Jahr kennen gelernt. Sie waren mit dem Segelboot von den Bahamas gekommen, als sie wegen einem Motorschaden in Ponce Inlet anlegen mussten. Der Ort gefiel ihnen so gut, dass Georg beschloss, ein Haus hier zu kaufen. Georg ist vor ein paar Tagen von den Bermudas gekommen mit seinem Boot und Andrea wird morgen mit dem Flieger nachkommen. Ich hatte in der Woche so ein hübsches neues Lokal entdeckt, auf einem Hausboot gleich hier in Port Orange am Fluss, da will ich mit Georg hin einem Hamburger essen und die schöne Aussicht genießen. Wir suchen uns einen herrlichen Platz auf dem Dock, wunderhübsch, aber sobald die Sonne untergeht wird es doch wieder ziemlich kühl.
Macht nichts, ich muss sowieso heim, um mal wieder alles aufzuschreiben, was sich so ereignet hat. Wir werden sicher wieder eine gute Zeit haben, auch der Wetterbericht hat wieder mehr Wärme angekündigt.
 
20.12 Vögel am Strand von Daytona Beach
Jeden Nachmittag ist großes Möwentreffen am Strand. Die Konzentration ist um den Frank-Rendon-Park in Daytona Beach Shores. Tausende von Möwen kommen vom Landesinneren geflogen, viele auch von der Mülldeponie, in kleinen Gruppen, unermüdlich. Ein richtiges Meeting am Strand. Sie sitzen am Boden, den Schnabel in den Wind, lassen die Wellen heranspülen, schauen nach Essbarem. Erst wenn es dunkel wird fliegen sie hinaus aufs Meer, wo sie dann auf den Wellen schwimmend schlafen.
Zunächst denkt man, es sind nur zwei Vogelarten am Strand. Die große Gruppe der Möwen, die bestimmt an die 100.000 heranreicht. Dazwischen wuseln flink die kleinen Sanderlinge herum, die nicht eine Sekunde stillstehen, immer den Sand nach kleinen Krebsen durchpicken. Ab und zu dreht ein
Braunpelikan
seine Kreise hoch oben in den Lüften und lässt sich auch mal am Strand nieder, so als sei er der König, der sein Volk beherrscht. Aber wenn man genau hinschaut sieht man die Unterschiede.
Der
Sanderling
ist klein und rundlich, hat einen braun gesprenkelten Rücken, einen leuchtend weißen Bauch und schwarze Beine. Der
Steinwälzer
sieht ähnlich aus, aber ist schlanker, der Rücken dunkler, die Beinchen rosa. Beide können kaum stillstehen und picken mit ihrem langen spitzen Schnabel im Sand herum.
Bei den Möwen wird es schon schwieriger. Ich habe drei Arten entdeckt. Die überwiegende Masse sind die im englischen „laughing gull“ genannten Möwen, die merkwürdigerweise bei uns
Aztekenmöwen
heißen, während die in Deutsch Lachmöwe genannte Art eine ganz andere ist. Kompliziert macht das Erkennen aber die Tatsache, dass es unter den Aztekenmöwen sehr viele unterschiedliche Ausprägungen gibt. Die Möwen brauchen drei Jahre bis sie erwachsen sind und wechseln in dieser Zeit ihr Aussehen und Farbe stark. Am Anfang sind sie eher braun gesprenkelt, erst ab dem dritten Jahr bekommen sie einen weißen Bauch und einen grauen Rücken. Die schwarzen Schwanzfedern schmücken weiße Punkte. Aber immer haben sie schwarze Beine und Füße. Noch verwirrender aber ist, dass die offiziellen Fotos meist das prachtvolle Sommerkleid zur Brunst tragen, dabei haben die Möwen einen schwarzen Kopf und einen roten Schnabel, während der Kopfbereich im Winter heller wird, mal ganz weiß, mal gesprenkelt, und der Schnabel schwarz wird, zuweilen bleibt nur an der Spitze ein roter Punkt.
Die zweitstärkste Gruppe sind die
Ringschnabelmöwen
. Sie sind leicht zu erkennen, obwohl die erwachsenen Tiere an Rücken, Bauch und Schwanz ähnlich wie die Aztekenmöwen gemustert sind, auch die Größe ist ähnlich. Aber der große Unterschied sind die gelben Beine und Füße und der gelbe Schnabel, der an der Spitze von einem schwarzen Ring umgeben ist. Auch hier sind die Jungtiere braun gemustert, aber immer durch Schnabel und Beine von den Aztekenmöven zu unterscheiden.
Während diese beiden Gruppen meist auf dem Sand kurz vor den Wellen stehen, sieht man vereinzelte Möwen im flachen Wasser stehen, die durch ihre Größe auffallen, sie wirken fast wie große Hühner. Es ist die
amerikanische Silbermöwe
, die ob jung oder alt leicht an ihrer herausragenden Größe und den fleischfarbenen Beinen zu erkennen ist. Die ausgewachsenen Vögel sind farblich ähnlich wie die beiden anderen Möwengruppen, grauer Rücken, weiß gepunkteter Schwanz, weißer Bauch, nur die Beine sind fleischfarben. Und merkwürdigerweise gibt es sehr wenige ausgewachsene Tiere, sondern viel mehr Juvenile, die bräunlich gesprenkelt sind.
Neben diesen drei Möwenarten gibt es noch Seeschwalben, allerdings in geringerer Anzahl. Die
Königsseeschwalbe
ist leicht an ihrem leuchtend orangefarbenen Schnabel und der wild aussehende schwarzen Haube zu erkennen und kommt in kleinen Gruppen vor. Sehr selten zu Besuch, da sie eher an der Westküste zu Hause ist, ist die
Brandseeschwalbe
. Auch sie hat die schwarze Haube und ähnliche Größe und Form wie die Königsseeschwalbe, ist aber der Schnabel ist schwarz und macht sie sehr viel unscheinbarer. Trotz der gelben Spitze.
Und dann gibt es noch einen richtigen Exoten, den
Schwarzmantel-Scherenschnabel
. Er hält sich vor allem bei Ponce Inlet, am Ausgang des Halifax River zum Atlantik auf. Ein sehr hübscher Kerl in Möwengröße, der sofort an seinem großen Schnabel in orange und schwarz zu erkennen ist, auch die Beine sind leuchtend orange.
Nur selten sieht man zwischen all diesen Strandläufern den
Schlammtreter
, er fällt schon durch sein unscheinbares Aussehen kaum auf und gehört in eine andere Kategorie. Er tritt meist einzeln auf und sucht in den flachen Wellen nach Futter. Eine absolute Ausnahme ist der
Eistaucher
. Die im Aussehen an eine Ente erinnernde Art brütet in der Tundra und im borealen Nadelwald im nördlichen Nordamerika, in Grönland und auf Island und überwintert an den Küsten Nordamerikas und Europas, kommt nur selten bis nach Florida. Es gehört schon viel Glück dazu, einen zu beobachten, wie geschickt er in die Wellen taucht, um nach Fischen zu suchen.
Und dann ist da noch mein Lieblingsvogel, der
Bootsschwanz-Grackel
. Eigentlich hat er doch als normaler Vogel nichts am Strand verloren und sollte im Landesinnern nach Beeren und Insekten suchen. Aber er, der von weitem fast wie eine schwarze Krähe aussieht, leistet sich auch gerne mal einen kleinen Fisch oder Krebs. Und erst von nahem sieht man dann das tiefblau schimmernde Gefieder. Sein Weibchen dagegen ist kleiner, rundlicher und braun.
Dann gibt es noch zwei Vogelarten, die ab und zu tagsüber kommen und da am liebsten bei den Anglern sitzen und warten, dass ein paar Bissen für sie abfallen. Das ist zum einen der
Schneereiher
, leicht an seinen schicken schwarzen Beinen mit gelben Füßen zu erkennen, auch der Schnabel ist gelb-schwarz. Der Körper ist komplett weiß und wenn es heftig windet plustert sich ein Häubchen auf, das ihm ein lustiges Aussehen verleiht. Der
Silberreiher
ist größer, hat einen gelben Schnabel und schwarze Beine und Füße. Genau wie auch der Pelikan sitzen sie geduldig bei den Anglern und hoffen auf Leckerbissen, nicht nur am Strand, sondern auch an den Flüssen und Seen.
Dies waren nun 14 verschiedene Vögel, die ich am Strand gefunden habe. Wer sich dafür interessiert und auch ohne eine Reise nach Florida mehr darüber wissen will findet diese und noch viel mehr in meiner Guidewriter app „Central Florida Guide“.
 
20.12.
Ausgangssituation:
Mir ging’s gut. Richtig gut. Hab mich wohl gefühlt, viele Aktivitäten gemacht wie Vögel beobachten oder Boot Camp. Mit hat absolut nichts gefehlt. War glücklich. Hab bewusst und gesund gegessen, das Gewicht gehalten, sogar einige Gramm verloren.
 
Aktueller Zustand:
Mir geht’s Scheiße. Futtere mich durch den Kühlschrank, fühle mich von allen verlassen und benutzt. Trau mich morgens nicht auf die Waage.
 
Dazwischen:
Vor einem Jahr das Paar A+B in Florida kennengelernt. B hat hier ein Haus gekauft, A richtet es ein. Mit A (weiblich) eine nette Zeit, etwa 4 Wochen, verbracht, durch die Thrift Stores gezogen. Mit B weniger gesprochen.
Freue mich, in diesem Jahr wieder auf die Beiden zu treffen. Mal zusammen essen, Thrift Stores und dergleichen.
Doch Ende November trennen sich A und B. A fragt mich
„wie sieht es denn bei dir aus? hast du ein zimmer frei ab 14.12?“
Jaaah? Hab ich. Ich gehe davon aus, dass A versuchen will, mit B wieder ins Reine zu kommen. Ein paar Tage stelle ich mein Zimmer gern zur Verfügung, um den beiden zu helfen. Ich würde nie davon ausgehen, dass mehr gefragt ist.
Kurz vor dem 14. ruft B an und will mit mir sprechen. Ich will freundlich sein und sage zu. Höre mir die Geschichte von B an, von A würde ich erst mehr hören, wenn sie eingetroffen ist. B möchte gern A zurück und bittet mich um Hilfe.
Ich erinnere mich an die häufigen Vorwürfe, dass ich egoistisch bin und möchte das Gegenteil beweisen. Strenge mich an, um ein guter Vermittler zu sein.
A kommt. Alles in Butter. Erzählt ihre Geschichte. Sie will von B nichts mehr wissen.
Doch warum ist sie dann nach Florida gekommen? Sicher nicht, um mich flüchtige Bekannte zu besuchen. Ich habe auch nie gesagt, dass ich gerne einen längeren Hausgast hätte. Wollte nur kurzfristig aushelfen. Es scheint aber so, dass A gerne für die kalte Winterzeit in Florida bliebe, eventuell auch in meinem Haus nach meiner Abreise. Das ist mir nicht recht. Ich treffe gerne Leute, will aber danach für mich sein.
Am zweiten Tag kommt es zum zufälligen Zusammentreffen von A und B in meiner Straße. Ich finde die Atmosphäre eher freundlich und bitte beide ins Haus auf ein Gespräch. Gebe mein bestes, um zu vermitteln, Streit zu vermeiden und eine Lösung zu suchen. Schlage einen Waffenstillstand vor, während dem wir etwas zusammen unternehmen, um die Spannung zu entschärfen. B ist relativ ruhig und für Vorschläge zugängig, A kommt immer wieder auf die gleiche Leier zurück, kein Einlenken sichtbar.
Kein Waffenstillstand, statt dessen Gespräch zwischen A und mir. Ich bin nach Ansicht von A schuld. Sie wollte doch nur Zeit mit mir verbringen und ich bin an der schlechten Stimmung schuld, weil ich mit A gesprochen habe.
Ich bringe zum Ausdruck, dass ich mich in meiner Freiheit beschnitten fühle. Und ich habe sie nie eingeladen, doch zu mir nach Florida zu kommen.
Darauf bucht A einen Flug zurück nach Deutschland. Und bleibt in ihrem Zimmer, falls sie nicht mit jemand verabredet ist.
Von B kein Laut mehr.
Bin für beide nur noch der Fußabtreter und an allem schuld. Und fühle mich mies.
Helft nur niemals anderen!
 
21.12. Familienidylle
Die Menschen haben mich enttäuscht, deshalb wende ich mich heute wieder den Tieren zu, denn sie enttäuschen mich nicht. Und gleich geht’s mir viel besser. Vor ein paar Tagen habe ich wilde Tiere in einem Park bei New Smyrna gefunden, wilde Tiere, die wir eher als nicht wild kennen. Katzen. Richtige Hauskatzen. Ich kam zu einem Parkplatz in einem Naturpark und fand ein Alugefäß am Boden. Neugierig schaute ich hinein, es war leer. Doch im Gebüsch entdeckte ich blaue Augen, die mich beobachteten. Eine wunderschöne Katze, eine, die man eher auf einer Wohnzimmercouch finden würde. Und offenbar füttert sie jemand, wie das leere Gefäß zeigte. Dennoch schien sie Hunger zu haben.
Also hab ich Katzenfutter besorgt und fuhr heute Morgen zu dem Platz zurück. Mutter und Kind warteten bereits. Die Mutter, wie schon gesagt, fast eine Rassekatze, das Kind eher räudig. Sie verzogen sich sicherheitshalber ins Gebüsch. Ich füllte die Schalen, ging ins Auto und schon kam die Kleine. Bald auch die Mutter. Es schmeckte ihnen ganz offensichtlich gut …. bis!
Der Vater kam. Ein Blick und das Weibchen verschwand. Gut gezogen. Mein Kater hat seine Schwester auch immer so angeschaut. Das Kind war schon mutiger, aber traute sich dennoch nicht. Vater Kater fraß sich voll, begleitet von vier Augen aus dem Gebüsch. Hah, ich war schlauer. Hatte noch ein zweites Schälchen. Und dann kamen auch wieder Mutter und Kind. Man macht sich ja so seine Gedanken. Wurde die schöne Katze ausgesetzt? Oder ist sie mit dem Kater davongelaufen, wurde schwanger. Soll es ja auch bei den Menschen geben.
Dann ging es weiter nach New Smyrna und in den dortigen Park. In New Smyrna wird der Strand immer schmaler, hier kann man nicht mehr mit dem Auto fahren. Aber dafür gibt es wunderschöne Strandhäuser. Man hat nicht den Fehler wie in Daytona gemacht, und den Strand mit Hochhäusern vollgeknallt, die der Gemeinde zwar viel Grundsteuer bringen, aber auch die Nachmittagsonne komplett blocken. Hier stehen noch niedrige Privathäuser auf schönen Grundstücken, und alle haben einen herrlichen Holzplankenweg hinunter zum Strand. Hier möchte man wohnen, allerdings nicht während eines Hurrikans. Merkwürdig nur, dass fast ein Drittel der Häuser ein „zu verkaufen“ Schild haben.
Auf der Hochspannungsleitung war dann ein Treffen von Vögeln. Hunderte saßen da. Eigentlich hätte ich wissen müssen, was das für Vögel sind, gibt es sie doch auch bei uns. Aber zuhause habe ich mich noch nie für Vögel interessiert. Beim Hochschauen sah ich nur kleine schwarze Vögel, keine Ahnung, was das ist. Ich machte ein Foto mit meiner eher einfachen Digitalkamera, die aber doch ein gutes Zoom hat. Und erst zuhause kam dann die Überraschung. Es waren einfach nur Staren, die eigentlich aus Europa stammen, aber 1890 hat man aus einen Zoo in New York 100 Vögel frei gelassen, die inzwischen auf etwa 100 Millionen angewachsen sind. Und erst das gezoomte Foto hat mir gezeigt, wie wunderschön dieser Star ist.
Also wieder ein guter Tag, es geht bergauf. Auch mit dem Licht, ab heute werden die Tage länger. Obwohl wir uns hier in Florida wirklich nicht beklagen müssen.
 
23.12. Glaubensbekenntnis
Als ich vor kurzem in der Kirche war und den Gang durch Bethlehem machte, sprach ich danach mit einer Missionarin. Die Art, wie sie von ihrem Glauben sprach, wie sie mit einer Inbrunst und Überzeugung sagte, wir sind alle Sünder und nur für unsere Sünden ist Jesus am Kreuz gestorben, hat mich – die ich römisch-katholisch getauft wurde, aber dann als Erwachsene aus der Kirche austrat - doch eher abgeschreckt. Auch die Story von Maria, die als Jungfrau schwanger wurde, lässt mich nicht an einen Gott glauben.
Aber wenn ich hier durch die Parks wandere, die vielen verschiedenen Tiere betrachte, sehe, wie unzählig viele Arten es gibt und jede hat ihre ganz besondere Eigenheit, die sie von anderen unterscheidet und auch ihr Überleben möglich macht, dann bin ich doch beeindruckt. Und frage mich, wer all das geschaffen hat. So muss es ja ein göttliches Wesen sein, da auch der intelligenteste Mensch so etwas nicht zustande brächte. Und auch er wurde ja in Vollkommenheit geschaffen.
Aber erklären kann ich diese Wunder der Natur nicht. Nur andachtsvoll genießen.
Der Vogel des Tages, den ich heute früh getroffen habe, ist der Rotschwanz-Bussard.
 
26.12. Zahlen
Florida steht nach neuesten Statistiken von der Bevölkerungszahl her an dritter Stelle im Land nach Kalifornien und Texas, bisher stand es auf Platz 4. Es wohnen 19 893 Millionen Menschen hier, aber immer noch hat jeder Einwohner genau doppelt so viel Platz für sich wie ein Deutscher und auch ausreichend Parkfläche. Dabei sind nicht die vielen Snow-Birds erfasst, Urlauber/Rentner, die nur für den Winter kommen (so wie ich). Der Trend ins sonnige Florida ist ungebrochen und sicher auch ein Resultat der äußerst niedrigen Immobilienpreise, die immer noch nicht die Höhe von vor der großen Krise erreicht haben.
Heute folgt Teil 2 des Truthahn Tests, Butterball gegen Publix. Der tote Vogel ist gewürzt und gebuttert, geht gleich in den Ofen. Mal sehen, welcher letztendlich schmackhafter ist.
 
28.12.
Es gibt nicht viel zu schreiben in den letzten Tagen, nichts Aufregendes passiert und alle Events hier drehen sich nur um Weihnachten, was mich nicht interessiert. Außerdem neigt sich mein Aufenthalt dem Ende zu und es gibt noch viel zu erledigen. Nach dem letzten Regen hat die Mikrowelle wieder getropft und ich muss einen Dachdecker finden, aber über die Feiertage sieht das schlecht aus. Dann bin ich gestern den ganzen Tag einem Router hinterhergelaufen. Bisher mache ich es so, wenn ich ankomme, gehe ich zu Brighthouse und bestelle einen Router mit Internet für die Zeit meines Aufenthalts. Ein Monteur kommt, bringt den Router und schließt alles an. Am Ende bringe ich den Router zurück. Nun möchte ich aber meinen eigenen Router, damit das nicht alles wieder neu montiert werden muss. Alles nicht so einfach. Best Buy hat mir da nicht sehr geholfen, aber die Dame bei Brighthouse war sehr nett und hat mir erklärt, dass ich ein D3 Modem brauche. ???? Hab in Amazon geschaut, da gibt’s Router ab 15 $, aber sind das die richtigen? Bin also zu Jan und Gabor gefahren, die wohnen 100 Meter von mir und sind gerade über Weihnachten gekommen. Jan versteht eine Menge davon und wir finden heraus, welches Modem ich brauche. Also kann ich es nun bei Amazon bestellen, kostet aber 80 $, stelle dann meinen Vertrag um auf seasonal und kann dann immer an und abschalten lassen, wenn ich hier bin. Aber was solche Erledigungen für Zeit brauchen. Es war ein so wunderbares Wetter und ich habe es nicht zum Strand geschafft. Diese 10 Wochen hier gehen vorbei wie im Fluge, ich versuche im nächsten Jahr die vollen 12 Wochen auszuschöpfen, die ich hier bleiben kann.
Der Truthahn wurde übrigens verspeist und gewonnen hat die Hausmarke von Publix. War bei gleicher Zubereitung viel saftiger.
Am Abend ging’s dann noch ins First Turn. Wenn ich hier so ein paar Dinge mit nach Hause nehmen könnte wäre das in erster Linie der Strand inklusive der Sonne, dann die Parks mit ihren Tieren, aber gleich an dritter Stelle käme First Turn. Eine so nette Kneipe, sehr gemischtes Publikum, alle Altersstufen, und man kann auch als Frau sehr gut allein hingehen. Bin extra mit Bike hingefahren zu der Bikerkneipe, habe mein Bike auch gleich neben den Harleys geparkt, wenn es auch nur ein Fahrrad war. Gestern war ich zwar nicht alleine dort, daher konnte ich auch keine neuen Bekanntschaften schließen, aber die Musik war wie immer gut. Die haben fast jeden Abend eine Lifeband da, ist einfach unglaublich, und die Preise sind sehr manierlich. Bis 19 Uhr ist Happy Hour, ein Fassbier kostet 1 $, ein Margarita 3 $, die Stammkunden bestellen ein Bucket, das ist ein Blecheimerchen gefüllt mit 6 Flaschen Bier im Eis und kostet 12 $.
 
Später
Oh Gott, was für eine Aufregung. Ich habe es wohl herausgefordert mit meiner Bemerkung, „nichts Aufregendes passiert“. Kurz nachdem der Blog online war rief Georg an. Ob ich jemand zur Hand habe mit Motorrad-Führerschein. Und zwar sofort, Notfall. Die Polizei habe ihn gestoppt ohne Führerschein und wolle das Motorrad abschleppen lassen. Es muss sofort jemand kommen und ihn und das Motorrad holen, sie gaben ihm nur 20 Minuten, um das zu regeln. War nicht möglich, das Bike vorläufig zu parken, obwohl sie direkt an einem öffentlichen Parkplatz standen.
Ich habe keinen. Da fiel mir nur Jan ein, das könnte zu ihm passen. Also hab ich „emergency“ an Jan geskypt, alles stehen und liegen lassen und bin mit dem Fahrrad zu Jan gefahren, der mir die Tür in der Unterhose aufmachte und wunders dachte, was mir passiert sei. Jan war nicht begeistert, kam er doch gerade aus dem Bett, hatte noch kein Frühstück und vor allem seit 30 Jahren kein Motorrad gefahren. Aber einen Führerschein hat er.
Also fuhren wir alle drei inklusive Gabor Richtung Ponce Inlet, ich rief Georg noch mal an, dem die Polizisten ziemlich Dampf machten und einen Abschleppwagen rufen wollten. Wir sahen dann trotz Nebel die schönen Nicht-Weihnachts-Lichter blinken auf dem mit einem Leuchtturm geschmückten Polizei-SUV von Ponce Inlet. Und der Cop hatte noch einen schönen deutschen Namen, Schleifer. Aber war okay. Was war passiert? Georg fuhr zum Segelboot auf seinem Motorrad, hatte seine Sonnenbrille hochgeschoben, weil heute ein ziemlicher Nebel ist, der die Brille beschlug. Aber in Florida braucht man zwar keinen Helm oder sonstige Sicherheitskleidung zu tragen, nur, eine Brille, egal was für eine, muss man aufsetzen. Und weil er die hochgeschoben hatte wurde er angehalten. Ich hatte mir schon Gedanken gemacht, vielleicht noch Restalkohol vom Abend zuvor, oder so. Aber das eigentliche Problem war dann nicht die Brille, sondern der Führerschein, Georg hat keine Lizenz zum Führen eines Motorrads in USA.
Und war sehr froh, als wir eintrafen. Der Polizist inspizierte sehr genau Jan`s deutschen Führerschein (inkl. Bike), und monierte seinen amerikanischen (ohne Bike), aber ließ Gnade vor Recht ergehen und er konnte fahren. Gabor fuhr den Audi zurück, hatte doch tatsächlich seinen Führerschein im Haus vergessen, aber der Polizist kam nicht auf die Idee, nachzufragen. Ich hatte sowieso nur mein Telefon dabei, hatte zu Hause wirklich alles stehen und liegen und offen gelassen. Wir dann in langsamem Konvoi zurück, denn wie gesagt, Jan saß 30 Jahre auf keinem Motorrad. Aber nun sind alle wieder heil zu Hause und heute Abend wird das Ereignis mit einem schönen Essen ad acta gelegt. Lieben Dank nochmal an Jan und Gabor. Die ganze deutsche Kolonie stand zusammen.
 
30.12 Sonne und kein Meer
Es sind einfach wunderschöne Tage, so kann man den Winter aushalten. Wärmer als im Durchschnitt, aber trotzdem kam ich nicht an den Strand, einfach viel zu viel zu tun. Am Sonntag war ich im Dschungel, richtig drin, suchte den St. Francis Wanderweg, der über 7,7 Meilen geht, es ging wirklich mitten durch den Busch oder besser Sumpf, nach etwa der Hälfte traf ich zunächst ein junges Paar, das mir entgegen kam, aber ich versäumte, sie auf den Weg anzusprechen, was ich sehr bereute, denn der Weg stand mehr und mehr unter Wasser. Dann kam ein weiteres Paar, hätte nicht gedacht, dass in dieser Wildnis doch Menschen unterwegs sind, und klar habe ich sie angesprochen. Nach ein paar Worten fragte die Frau: „Sprechen Sie deutsch“. Aha, Landsleute. Aber auch sie waren zurückgegangen, weil das Wasser zu hoch stand. Und hatten auch mit dem jungen Paar gesprochen, das ebenfalls umkehren musste. Ich lief dennoch etwa 45 Minuten weiter, bis auch ich an die Stelle kam, wo nichts mehr ging. Nach drei Stunden war ich dann am Auto zurück, sah furchtbar aus! Völlig verschlammt, ein wenig zerstochen, aber vor allem von Dornen zerkratzt. Aber guter Laune, ich liebe solche Abenteuer. Leider konnte ich keine Vögel fotografieren, die Bäume waren viel zu hoch und zu dicht belaubt.
Ich dachte, ach ich hab noch Zeit, den Hontoon Park ganz in der Nähe zu besuchen. Er liegt auf einer Insel im St. John’s River und man muss mit einer kleinen Personenfähre übersetzen. Auf dem Nachbardock lag ein Alligator, am Himmel kreisten Vögel und ich bekam endlich einen neuen Vogel für meine Sammlung, einen Cormoran. Hier gefällt es mir. Leider war die Zeit viel zu kurz, ich war um 18 Uhr zum Essen verabredet und völlig verdreckt und muffelte auch. Also nicht wie heim, eine Stunde Fahrzeit, schnell den Schlamm abgespült und nichts wie hin zum Essen mit der deutschen Gemeinde. War wieder ein schöner Abend. Aber zum Hontoon Park muss ich noch mal zurück.
Am Montag dann hauptsächlich Dinge erledigt und am Abend fing dann ein neues Boot Camp an. Zwar kann ich es nicht bis zum Ende mitmachen, muss ja leider nach Hause, aber in der kurzen Zeit zwischen den Camps und mit den Feiertagen habe ich ein Kilo zugenommen. So geht das nicht! Da muss was geschehen!1.12.
Gestern war wieder Boot-Camp. Und ich hab so ein schönes Foto von Matt, meinem Trainer, das muss ich euch einfach zeigen. Ist er nicht toll? Und war früher auch mal dick.
 
Hab mir gestern so meine Gedanken gemacht. Die Gruppe finde ich toll, vor allem das, was darüber steht, also die Herbalife Familie. Ich kann die gar nicht genug loben. Die tun echt was. Toll finde ich auch, dass die Frauen hier ohne Probleme ihre Kinder mitbringen können. Die machen einfach das Training mit, so lange sie wollen, und wenn sie keine Lust mehr haben, spielen sie zusammen. Nicht einmal sagt einer ein böses Wort, auch wenn sie mal laut sind oder durch die trainierende Gruppe laufen. Die überwiegende Anzahl der Leute ist normal gewichtig. Mal ein paar Pfund mehr, aber nicht zu viel. Dann gibt es so zwei, drei, die sind schon länger dabei, haben schon viel verloren, aber doch noch etliche Pfund drauf. Sie sind motiviert und eifrig dabei. Und dann kommt immer mal wieder jemand, meist Frauen, die wirklich erheblich übergewichtig sind, die es echt nötig haben. Sie stehen bei den meisten Übungen am Rand, machen nicht mit und tauchen beim nächstenmal nicht mehr auf.
Ja – wenn man Gewicht verlieren will, muss man schon was tun.
Ansonsten war ich wieder auf Jagd nach den schönen Tieren, hab aber nur ein paar Vögel gefunden, die nicht so aufregende Photos ergaben. Diesmal im Bulow Creek Park.
 
3.12. Thrift Store
Auch das ist wieder typisch amerikanisch. Viele Kirchen oder auch Hospize haben Thrift Stores, Läden, in denen man alles mögliche gebraucht kaufen kann. Der Anbieter muss eigentlich nur die Miete für den Laden zahlen, alles Personal besteht aus Freiwilligen, Volunteers, die hier sehr zahlreich sind, während es das bei uns ja kaum gibt. Alle Waren, in erster Linie natürlich gebrauchte Kleidung, aber auch Haushaltsgegenstände, elektrische Geräte, Fernseher, eine Orgel, Werkzeuge, Fahrräder, Rollstühle, also wirklich alles, was man so nicht mehr braucht, wird kostenlos abgegeben. Und dann dort zu einem sehr günstigen Preis verkauft. Aber auch da gibt’s Unterschiede. In manchen kostet z.B. eine Jeans um 5 – 8 $, in dem Laden vom Tierschutzverein kosten alle Hosen 2 $, im Hospiz-Store sogar alle Kleidungsstücke, ausgenommen Designerstücke, 1 $. Und die Sachen sind oft gar nicht schlecht, man muss halt immer mal wieder durchschauen. Habe neulich Markenhosen für 2 $ bekommen, heute ein wirklich hübsches T-Sirt für 1 $ und da leider meine elektrische Heckenschere kaputt ging, Überlastung, hab ich eine für 18 $ bekommen. Fand ich teuer, war aber nötig.
 
4.12. Orion Launch
Heute bin ich in aller Frühe aufgestanden, habe mir einen Becher Kaffee gekocht und bin zum Pier, um den Orion Launch zu sehen. Es hatte sich ein kleines Grüppchen Schaulustiger dort eingefunden. Zunächst sahen wir einen wirklich spektakulären Sonnenaufgang, allein dafür hat es sich schon gelohnt, heraus zu kommen. Zum Angel-Pier gehört gehört ein Restaurant, in dem die Fernseher heiß liefen und als zur vorgesehen Zeit 7:05 noch nichts in der Lust zu sehen war, konnten wir zumindest di neuesten Nachrichten verfolgen. Ein Boot war mitten in die gesperrte Zone gefahren, deshalb musste der Launch verschoben werden. Mein Nachbar meinte „ten minutes“. Wir unterhielten uns ein wenig, dann fragte er doch mal nach, woher ich denn käme, hat meinen Akzent gehört. Ich sagte, aus Deutschland. „Na, dann können wir ja auch in Deutsch weiter reden.“ Ja so geht’s. Und die Wartezeit wurde nett verkürzt. Um 7:17 war die nächste Startzeit angegeben, aber dann war zu viel Wind. Wurde wieder verschoben, und dann war plötzlich der Benzinhahn defekt und musste ausgetauscht werden. Kurz vor 10 Uhr hieß es dann, alles bis zum nächsten Tag verschoben. Ich kann ja morgen wiederkommen, aber mein netter Gesprächspartner fliegt heute noch nach Hause.
 
Gestern war ich doch ein wenig geschockt, als ich zum Einkaufen ging. Hier werden in den Läden an den Kassen oder zum Einkaufen viele alte Menschen beschäftigt. Die Sache hat eine gute und eine schlechte Seite. Viele müssen einfach bis ins hohe Alter arbeiten, da die Rente nicht reicht oder sie erst gar keine bekommen. Von Grundsicherung kann man hier nur träumen. Andere wiederum machen es auch, damit sie unter Leute kommen, nötig hätten sie es nicht unbedingt. Aber gestern fand ich die Sache doch echt schockierend, ich kam zur Kasse, eine etwa 75jährige übergewichtige Frau bediente mich, neben ihr die Sauerstoffflasche, von der ein Schlauch zu Ihrer Nase führte.
Muss ein so kranker Mensch wirklich noch arbeiten in einem Land wie Amerika? Das müsste er noch nicht mal in dem armen Marokko, da wäre seine Familie für ihn da.
 
Exkurs: Übergewicht
Hat nichts mit der Reise zu tun und muss nicht gelesen werden.
Adipositas ist in USA bekanntermaßen ein großes Thema, laut Statistiken sollen hier 35 % der Menschen „obese“ sein, wie man hier sagt (
http://www.cdc.gov/obesity/data/adult.html
). Das bedeutet einen Körpermasseindex (BMI) von 30 kg/m² und mehr. Für Deutschland habe ich einen Anteil von 21 % gefunden (
http://www.adipositas-gesellschaft.de/index.php?id=41
). Aber auch die vielen Menschen, die einen BMI zwischen 25 und 30 % haben sind nicht immer glücklich damit und viele versuchen mit mehr oder weniger Erfolg etwas dagegen zu tun.
Ich habe in meinem blog sehr enthusiastisch über das Boot Camp geschrieben und auch geschildert, wie gut ich damit zurecht komme. Durch den Kommentar einer lieben Freundin bin ich erst darauf aufmerksam geworden, dass sich Leute mit Übergewicht davon verletzt sehen. Dafür möchte ich mich entschuldigen, das wollte ich nicht. Und ich möchte euch meine eigene Story erzählen, die zeigt, dass auch ich davon betroffen bin und weiß, wie schwer der Kampf ist.
In meiner Kindheit war ich ganz normal, nicht zu dick, aber auch nie zart. Lustig ist, dass es gerade auf meiner ersten USA-Reise 1973 zusammen mit meinem Mann anders wurde. Ich habe von der ganzen Tour ein Video gemacht, das deutlich zeigt, dass wir beim Einsteigen ins Flugzeug sehr viel dünner waren als beim Aussteigen zurück zu Hause. Aber die riesigen Steaks im Mittleren Westen und die köstlichen Baked Beans waren einfach zu lecker.
Das ging eine Weile so weiter, aber es hielt sich in Grenzen. So 10 kg zu viel. Mein Mann und ich machten oft Diäten, ich erinnere mich noch gut an die Brigitte Diät, die damals neu raus kam und eigentlich auch gut gewirkt hat. Aber bei all diesen Diäten war es doch so, dass man nur recht wenig essen konnte, weniger als man eigentlich wollte, und das kann man halt nur eine Weile durchhalten. Ein Beispiel ist das gelegentliche Stück Kuchen zum Nachmittagskaffee, das man sich absolut nicht leisten konnte. Ergebnis war der bekannte Jo-Jo-Effekt, es ging immer wieder rauf und runter.
Erst viel später, als ich allein lebte, entwickelte sich ein ganz anderes Essensverhalten. Ich ernährte mich nicht mehr regelmäßig, entwickelte einen Heißhunger auf Süßigkeiten. Es gab eine Zeit, da aß ich abends statt einem vernünftigen Essen 2 Päckchen Haribo. Auch persönliche Stimmungen führten zum unmäßigen Süßigkeitengenuss. Ein großes Problem waren auch meine zahlreichen Dienstreisen. Während mein Frühstück zu Hause klar geregelt ist, es gibt 1 Brötchen und 1 Ei, konnte ich den wunderbaren Frühstücksbüffets in den Hotels nicht widerstehen. Dann ein Tag auf der Messe, wo man statt was Richtiges die Plätzchen in sich reinschaufelte, die für die Besucher dastanden. Und abends gab es dann häufig ein Büffet irgendwo auf der Messe, und wenn ich so was sehe kann ich auch nicht an mich halten. Dazu kam, dass ich vor allem in den letzten Jahren Berufstätigkeit sehr lange arbeitete um Überstunden für meine Reisen zu sammeln. Also sehr unregelmäßiges Leben und Essen und keine Zeit für Sport. Auch da kam ab und zu eine strenge Diät und ich nahm ab, aber auch wieder zu. Und vor allem war es echt so, ich durfte nur wie ein Vögelchen essen, um nicht zuzunehmen.
Der Umschwung kam nach der Rente. Zunächst war ich in Marokko, da ist sowieso alles anders. Da muss ich nicht selbst für mein Essen sorgen, da bekomme ich es vorgesetzt, es ist sehr gesund mit viel Gemüse, es gibt nicht viel Süßes in dem Land noch Zeit, irgendwann im Stillen meine (nicht vorhandenen) Haribos reinzuschaufeln. Auf den Reisen habe ich immer mein Gewicht gehalten oder sogar abgenommen. Zurück in Deutschland musste ich erst viel arbeiten, meine Bücher schreiben, aber dann am 1. September 2013 war das beendet. Und mein Gesundheitsprogramm begann. Unter anderem auch aus dem Grund, dass mein Blutdruck sehr hoch war. Und ich absolut keine Pillen nehmen wollte.
Also Ernährungsumstellung. Eigentlich wie auch schon früher gehabt. Zunächst abführen, damit der Magen leer ist, dann 2 – 3 Tage nur Pülverchen (Slim-Fast oder ähnliches), um sich von den dick machenden Nahrungsmitteln zu entfernen, und dann gemäßigt essen. Mir hat sehr eine Internetseite geholfen, wo ich aufschreiben konnte was ich täglich esse (
http://fddb.info
). Das wird sehr einfach gemacht, man gibt lediglich den Barcode an und wie viel man davon gegessen hat und die Kalorien werden automatisch errechnet. Das hat mir wirklich sehr geholfen einen Überblick über die Mengen zu bekommen, die ich essen darf ohne zuzunehmen, bzw. sogar abzunehmen.
Aber das war nur die eine Säule. Die andere war laufen. Bis dahin konnte ich nur walken. In meinem ganzen Leben konnte ich noch nie länger joggen, war sofort außer Atem. Also fing ich ganz langsam an. Ein wenig joggen, dann walken. Aber nicht so gemütlich wie die vielen Nordic Walker, die ich so durch den Taunus streichen sehe. Und es war unglaublich, ganz langsam konnte ich immer mehr joggen. Meine Laufstrecke geht über 5 km, aber es geht bergauf und bergab. Ich konnte irgendwann auf dieser Strecke alles bergab joggen, das waren 20 Minuten von 42. In Florida am ebenen Strand war es im letzten Jahr noch ebenso, 20 von 42. Aber in diesem Jahr kann ich alles am Stück joggen, schaffe die 5 km in 40 Minuten. Das ist langsam, aber immerhin. Und mein Blutdruck hat sich wesentlich verbessert, Pillen brauche ich nicht.
Nur mit diesem Laufen habe ich es geschafft, bei meinem bewussten Essen zu bleiben. Nur wenn ich fast täglich laufe halte ich mich einigermaßen an mein Essensprogramm. Aber fast noch wichtiger, durch das regelmäßige Laufen hat sich mein Grundumsatz erhöht und ich darf nun etwas größere Portionen essen. Sogar auch mal ein Stück Schokolade. Ich habe in den ersten vier Monaten seit Beginn der Umstellung 14 kg verloren, dann langsam bis heute noch mal 2 kg und bin mit meinem jetzigen Gewicht zufrieden.
Und als ich hier in Daytona dann das Boot Camp gefunden habe war ich absolut glücklich. Mehr noch als beim Laufen werde ich hier an meine Grenzen geführt und das ist toll.
Alles happy also?
Nein. Leider nicht. Auch heute noch habe ich manchmal eine Gier nach Süßigkeiten und wenn dann welche im Haus sind kann ich nicht aufhören, bis alles weg ist. Und dann umarmt man das Klo. In den Hoch-Zeiten meiner Diät hatte ich immer die köstlichen Trüffelpralinen im Haus und habe jeweils nach dem Abendessen einen Espresso mit einer Praline genommen. Wenn es so bleibt ist alles in Ordnung, aber es bleibt nicht. Es kommt immer der Tag, wo ich weich werde. Ich bin süchtig nach Süßigkeiten, bleibe es immer, und einer, der davon nicht betroffen ist, kann das nicht nachempfinden. Wie ein Alkoholiker, der immer einer bleibt, auch wenn er trocken ist.
Seit ich hier in Florida bin hatte ich die Anfälle schon einige Male. Fühle mich immer sehr mies danach, laufe dann noch mehr. Die Süßigkeiten, die ich evtl. für Nachbarn mitgebracht hatte, sind weg. In der Zeitung las ich eine Anzeige von den Anonymen Esssüchtigen. Ich bin hin gegangen. Habe noch nie so was mitgemacht. Aber das ist nichts für mich. Einerseits ist es von der Kirche, es wird sehr darauf hingewiesen, dass Gott hilft. Naja, mir nicht. Und man muss genau wie die Alkoholiker abstinent bleiben, abstinent von Zucker und Mehl. Und man bekommt einen Mentor, der einem den Rücken stärkt. Aber das ist nichts für mich. Ich weiß ja was ich essen muss um das Gewicht zu halten, ernähre mich gesund und ausgewogen. Bis die Anfälle kommen. Und dagegen hilft weder Gott noch Herbalife.
 
5.12. Fast verpasst
Pünktlich kurz vor 7 war ich auf dem Pier und geriet schon wieder in ein nettes Gespräch, diesmal auf Französisch (hab mich fast im heimatlichen Marokko gefühlt). Ein nettes Ehepaar aus Französisch-Kanada, ich unterhielt mich so eifrig mit der Dame, sie war schon in Marrakech, aber zum Glück hat ihr Mann aufgepasst und rief, da, Orion! Pünktlich wie die Maurer ist sie heute gestartet. Zu sehen als feiner Lichtstreifen am Himmel.
Ich glaube, die Verschiebung war nur wegen meinem Geburtstag, sozusagen als Geschenk für mich.
 
5.12. Geburtstag
Mein Gott, was war das für ein Geburtstag. In meinem Pass steht, es war der 67tigste, aber das muss ein Druckfehler sein. In meinem Herzen und auch von den Ereignissen her war es eher der 27stigste.
Bis zum Abend lief alles ereignislos. Meine Familie rief zwar an, aber ich hörte das Telefon nicht und ging dann zum Boot Camp. Ja, ich habs erzählt, ich gestehe es, und dann sangen alle Happy Birthday für mich. War schön. Und wieder einmal hab ich so richtig erlebt, warum ich ins Boot Camp gehe. Wenn ich alleine am Strand jogge, strenge ich mich gerade mal so viel an, wie es noch komfortabel ist. Aber im Boot Camp wird man an seine Grenzen geführt. Es geht immer weiter, auch wenn man denkt, man kann nicht mehr. Was werde ich die Leute vermissen, wenn ich wieder zuhause bin.
Dann kam ich heim, es ist ja Freitag Abend, da tönt vom First Turn immer die Musik herüber und lockt. Nur wenige von euch kennen natürlich First Turn, Brian, Andrea und Gabor wissen wovon ich rede, die anderen nicht. Es ist eine typische Biker-Bar, alles offen und am Wochenende spielt eine Band. Normal geh ich nicht hin, aber heute habe ich schließlich Geburtstag. Also geduscht und ein Herz gefasst und ab ins First Turn. Es gehört ja schon was dazu als Frau allein in so eine Kneipe zu gehen. Hab mich ganz langsam angeschlichen, von hinten ein Bier bestellt und dann immer mehr vorgewagt. Und die Band war toll. Man konnte es mal wieder kaum auf dem Sitz aushalten.
Ja, und dann die Männer. Es schlichen doch einige um mich herum. Einer fasste sich schließlich ein Herz und sprach mich an. Dann der nächste, wir wechselten ein paar Worte und er bestellte mir noch ein Bier. Die Stimmung stieg, die Band lief zur Vollform auf, ich wackelte auf meinem Sitz hin und her, und das nahm ein Dritter zum Anlass mich zum Tanz aufzufordern. Wer mich kennt weiß, dass ich absolut nicht tanze. Kann’s einfach nicht. Dazu kommt, dass ich mich dem anderen wegen dem Bier verpflichtet fühlte. Aber ich hätte schon gerne. Dann kam ein langsamer Tanz und mein Biermann forderte mich auf, und ich tanzte mit ihm und alle Zehen blieben heil.
Ist das nicht genau wie früher in der Disco? Ich hab’s genossen. Wusste zu dem Zeitpunkt noch nicht genau, wie es ausgeht, bzw. wie ich den Herrn dann wieder los werde. Der erste hatte sich ja schon verabschiedet mit den Worten, er hätte mir ja gerne einen ganz großen Geburtstagskuss gegeben, aber nun wäre ich ja mit dem anderen.
Und dann plötzlich drehte ich mich um und traute meinen Augen nicht. Ich, die ich ja niemand kenne in Port Orange und mich eigentlich völlig allein in dem Lokal fühlte, erkannte in den beiden netten Frauen, die schon eine Weile neben mir saßen, meine Nachbarin und ihre Tochter. Auch die Beiden erkannten mich erst jetzt. Das war natürlich ein großes Ereignis, hatten wir doch während meines Aufenthaltes noch nicht miteinander gesprochen, und wir quatschten wie verrückt. Und als ich mich wieder umdrehte, war mein Verehrer verschwunden.
Köstlich das ganze. Echt wie zu Teenagerzeiten. Und genau mit dem erwünschten Ende.
 
6.12. Cross Roads
Ich komme gerade zurück aus Bethlehem. Was für ein Auflauf! Menschen über Menschen, Marktstände, die Tiere laufen herum, die Kinder schreien und überall die römischen Legionäre, die den armen Einwohnern das Leben zur Hölle machen. Die Steuern müssen gezahlt werden, deshalb ist jeder in die Stadt gekommen und alle Unterkünfte sind ausgebucht.
Kommt euch das bekannt vor?
Cross Roads, eine hiesige Baptistengemeinde, baut jedes Jahr ein richtiges Bethlehem auf, mit richtigen Menschen und Tieren, auch das Kamel hat nicht gefehlt. In diesem Jahr konnte ich es mir zum erstenmal anschauen und ich war völlig beeindruckt. Zunächst einmal die Organisation. Die war perfekt, angelegt für ein Großereignis. Die Kirche hat ein großes Grundstück und viele Parkmöglichkeiten und richtig professionelle Parkwächter mit Leuchtstäben haben die vielen Besucher geleitet, am Vortag waren 1400 Leute da. Dann am Eingang musste man sich registrieren und im Kirchenraum auf seine Gruppe warten. Es wurden Lieder vorgetragen, alles sehr nett. Dann wurden jeweils Gruppen von 25 Personen aufgerufen und wir bekamen eine junge Dame als Tourguide, natürlich historisch gewandet. Und dann gings los. So richtig ins Leben. Am Stadttor haben die Legionäre erstmal ziemlich Zoff gemacht, wollten uns nicht reinlassen, haben dem Mädel ihre Schwerter an den Hals gesetzt, aber dann hat sich doch alles beruhigt und wir konnten weiter. An jedem Marktstand wurden die entsprechenden Produkte laut schreiend angepriesen, ich fühlte mich wie auf einem marokkanischen Basar. Die Schauspieler, alles freiwillige Kirchenmitglieder (die brauchen alles in allem sicher mehr als 100 Leute), waren Spitze. Vor allem ist USA ja ein multikulturelles Land, daher sahen viele Gesichter sehr original aus. Die haben so gut und authentisch gespielt, ein Kind stahl einen Apfel, ein Soldat rannte hinterher. Der Kürschner wurde von einem hinterhältigen Händler erpresst, ihm ein Schutzgeld zu zahlen, der Schreiner beklagte sich darüber, dass er so viele Kreuze anfertigen müsse, denn die Römer würden es fast zum Sport erklären, die Leute zu kreuzigen, es war richtig was los. Dann kamen die Klatschweiber, zerrissen sich das Maul über ein Pärchen, das am Nachmittag angekommen war. Nicht verheiratet, aber die Frau hochschwanger. Behauptete dennoch, noch Jungfrau zu sein. Naja. Man hatte ihnen am Stadtausgang einen Stall zugeteilt, weil alle Herbergen besetzt waren. Als wir dann endlich am Stall ankamen erschien in einem Lichtblitz der Engel Gabriel. Und vor den Toren lag das Kamel. Nur die drei Könige waren noch nicht angekommen.
Das ganze war echt super, ich war begeistert. Danach ging es in einen Saal, wo Kaffee ausgeschenkt und Plätzchen gereicht wurden. Und alles kostenlos, noch nicht mal um eine Spende wurde gebeten.
An einem Tisch saßen Personen, die auf Wunsch für Gespräche über die Kirche zur Verfügung standen, aber sie haben sich nicht aufgedrängt. Doch ich hatte eine Menge Fragen und habe mich sehr lange mit Cheryl, einer Missionarin, unterhalten. Sie sprach unglaublich engagiert von ihrem Glauben, und erzählte mir so eindringlich, wie Jesus am Kreuz hing, auf beiden Seiten von einem Verbrecher umgeben, die ihm sagten, wenn er doch Gott wäre, warum er dann nicht einfach vom Kreuze aufstehen würde. Und möglichst sie beide noch rettete. Sie erzählte mir das so, als sei es gestern passiert und sie sei dabei gewesen. Wenn man wie ich nur die katholische Kirche in den 50ern und 60ern erlebt hat, ist man total erstaunt, wie engagiert diese Frau das lebt. Ich kannte die Kirche nur als fern und unnahbar, an einen Gott oder Jesus glauben? Naja, ich weiß nicht recht. Und sie ist so fest davon überzeugt, dass sie in den Himmel kommt, weil sie ja so fest glaubt, und dass nur die in den Himmel kommen, die auch an Jesus glauben, dass ich sie fragte, was denn mit den vielen Millionen Menschen wäre, die einer anderen Religion angehören, nicht an Jesus glauben. Sie meinte da nur, dass sie nicht urteilen könnte und wollte über andere Religionen und steigerte sich wieder in ihre Kreuzigungsgeschichte.
Damit will ich das ganze Ereignis aber nicht herabwürdigen, es war wunderbar, hat mir sehr gefallen und auch das lange Gespräch mit Cheryl hat mir sehr gut getan. Wenn sie auch nicht in einem einzigen Gespräch gegen meine jahrzehntelange Kirchenfeindlichkeit ankommen konnte.
Das Dorf Bethlehem war originalgetreu nur mit Kerzen erleuchtet und es wurde darum gebeten, keinen Blitz zu verwenden, deshalb kann ich euch nicht viele Bilder präsentieren.
 
7.12.
Ich war tanken heute, aktuell kostet das normale Super 0,56 Euro /Liter. Damit kann man leben, nicht? Ich fahre ja den ganzen Tag in Daytona herum, wenig außerhalb, aber schon die Entfernungen innerhalb der Stadt sind groß, und ich tanke pro Woche etwa für 20 Dollar. Ach, wie wünsche ich mir das zuhause.
Kennt ihr Beauty Berries? Auf Deutsch Schönfrucht. Natürlich nicht, denn diese Art kommt nur im östlichen Nordamerika vor.
http://de.wikipedia.org/wiki/Amerikanische_Sch%C3%B6nfrucht
Der Name besteht ganz zu Recht, denn die Sträucher mit den pinkfarbenen Beeren sind wirklich sehr hübsch. Auf einer meiner Ausflüge erfuhr ich, dass die Beeren essbar sind, auf einer Farm wurden winzige Gläser mit Gelee angeboten, die sauteuer waren. Da dachte ich mir, das kann ich doch auch. Die Beeren werden im Juli reif, bleiben aber monatelang hängen und so gibt es noch genug. Was es aber nicht gibt ist Gelierzucker. Ich habe den Saft also nur mit Zucker gekocht und 1 Apfel fürs Pektin und 1 Zitrone für die Säure hinzu gegeben. Kurz gesagt: es wurde nichts. Zumindest kein Gelee. Aber ein wunderbarere Sirup. Hier werden ja gerne Pfannkuchen zum Frühstück gegessen, traditionell begossen mit Maple-Sirup (Ahorn). Nur ist kaum noch ein Sirup, den man kaufen kann, wirklich aus Ahorn gemacht und wenn sehr teuer, die Sirups im Supermarkt bestehen aus Maissirup mit einer Masse von künstlichen Aromastoffen. Da ist doch mein Schönbeerensirup ganz was anderes und ich habe mir sofort gefrorene Pfannkuchen gekauft.
 
9.12. Armes Kind, armes Land
Heute Nacht wurde das fünfte Kind in ebenso vielen Wochen, die ich hier bin, angeschossen. Es schlief zuhause im Bett, 4 Jahre alt, ein Unbekannter schoss von außen mehrmals auf das Haus, das Kind wurde getroffen und kam schwerverletzt ins Krankenhaus.

Aber denkt nur nicht, dass die Menschen hier mal aufwachen. Das einzige westliche Land, in dem die Bevölkerung legal Waffen haben darf und in keinem anderen Land werden so viele Menschen durch Schusswaffen verletzt oder getötet. Das interessiert aber niemand, jeder besteht darauf, seine Waffe im Nachtisch zu haben.
 
11.12. Immer wieder
Ich schäme mich schon fast, immer wieder auf das gleiche Thema zurückzukommen. Aber es ist nun einmal das, was in den Nachrichten kommt. Bei Gainesville gestern standen einige Jugendliche an einer Bushaltestelle, als plötzlich auf sie geschossen wurde. Ein 16Jähriger starb. In Orlando gab es einen Nachbarschaftsstreit, als plötzlich Schüsse fielen und ein 15Jähriger in den Rücken getroffen wurde. Er ist vermutlich querschnittsgelähmt.
Und ich führe hier nur die Fälle auf, die Kinder und Jugendliche betreffen, von den vielen erwachsenen Opfern will ich gar nicht anfangen.
Aber ebenfalls gestern stand eine Kolumne in der Lokalzeitung, die fast wortwörtlich meine Argumente gebracht hat, gegen Schusswaffen, dass die Bevölkerung endlich aufwachen sollte, keine Waffen auf Schulgelände (was hier gerade als Gesetzesvorlage liegt) und auch mit dem Hinweis, dass in Ländern ohne freien Waffengebrauch diese Anzahl von Vorkommnissen einfach nicht existiert. Aber solche Artikel sind mehr als selten, die Masse der Bevölkerung stimmt für die Waffen.
Ach, da fällt mir noch etwas ein. Seit ein paar Tagen ist hier das Geschrei riesengroß. Plötzlich (!) kam heraus, dass die USA doch ihre Gefangen im Irak und anderswo ganz entsetzlich foltert, menschenunwürdig, eine Person wurde allein 84 mal „Waterboarding“ unterzogen. Diskussionen über Diskussionen, auch der Präsident nimmt dazu Stellung. Er war es natürlich nicht, war noch der alte. Und man hat auch festgestellt, dass alle diese Maßnahmen nichts halfen, den Terrorismus abzuwenden. Auch nicht, Osama Bin-Laden zu finden. Was unter Obama geschah. Damit hat also auch er zugegeben, diese Methoden angewendet zu haben.
So eine kluge Erkenntnis.
Komisch. Wir wussten das schon lange.
Ich fürchte, wenn ich weiter so schreibe, steht bald die Homeland Security vor der Tür.
 
12.12. Die besten Jahre
Vorbei. Aus. Ende. 4 Wochen Boot Camp sind vorbei. Wie schade. Wir liefen noch mal wie am Anfang die eine Meile und machten unsere Situps. War lustig mit der Meile. Wir rannten alle zugleich los, ich natürlich in der Pole position. Und genau wie Schuhmacher habe ich das Feld sofort angeführt. Habe mich echt gewundert, dass zunächst niemand hinter mir war. Kurz vor dem Umkehrpunkt hat mich dann aber Jessie überholt, aber er läuft außer Konkurrenz, ist ein durchtrainierter 20jähriger, von Beruf Lifeguard am Strand. Er musste vor mir am Umkehrpunkt sein zur Kontrolle. Dort ein Fiver und umkehren. Ich immer noch weit vor allen. 4 Sekunden vor dem Ziel überholt mich doch plötzlich jemand, ich habe ihn nicht kommen gehört, hätte ich doch nur mal über meine Schulter geschaut. Er war dann 2 Sekunden vor mir im Ziel und ich war sauer. Meine Zeit war 10 Minten, 46 Sekunden, der erste hatte 44 Sekunden und alle anderen doch erheblich mehr. Lustig ist, dass ich ja die Älteste bin und er der zweite nach mir, schätze ihn auf 55. Laufen scheint doch eher ein Sport für Ältere zu sein, auch beim Marathon sieht man viele, und bei meinen 100 Meilen Läufern von Mhamid waren ja auch nur Alte. Alle anderen in meiner Gruppe sind viel jünger und waren ziemlich beeindruckt von meinem Spurt. Ich auch. Laufe ja sonst am Strand für mich alleine, da hat man keinen Vergleich. Alle sagten auch sofort, du hast aber bestimmt Erfahrung mit Laufen. Ach, ich war ganz gerührt. Wo ich doch erst seit einem Jahr laufe.
Anders sah es bei den Liegestützen aus. Da braucht man Kraft, keine Ausdauer, und da mangelt es bei mir. Beim Wiegen dann waren nur kleine Differenzen zu sehen, die meisten Werte haben sich um Stellen hinter dem Komma verbessert, nur der Flüssigkeitsgehalt ist zu niedrig, ich trinke zu wenig. Alter Fehler. Aber …. mein metabolisches Alter hat sich von 47 auf 45 Jahre verbessert! Ach, was fühle ich mich so toll.
Schade nur, dass es so nicht weitergehen kann. In der nächsten Woche ist erstmal kein Bootcamp, dann kommen die Feiertage, und im Januar geht’s schon wieder heim. Und dann drei Monate in Marokko, da sind die Sportmöglichkeiten sehr begrenzt und die ganze Kondition ist wieder futsch.
Bin dann noch am Strand gejoggt und habe einfach so vor mich hin sinniert. Was geht’s mir doch so gut. Dies sind die besten Jahre meines Lebens, die ich nun durchlebe. Den Arbeitsalltag endlich hinter mir, ich kann selbstbestimmt leben, kann mir die Arbeit, die ich ja immer noch mache, selbstständig einteilen und habe das Glück, außer in Deutschland noch in zwei anderen, wunderschönen Ländern zu Hause zu sein. So gut geht es nicht jedem und ich muss mir das öfter bewusst machen. Und begrenzt ist die Zeit auch. Eines Tages fangen die Wehwehchen an, Krankheiten kommen und ich kann diese schönen Reisen nicht mehr machen. So schwer es mir gefallen ist, mich vor einem Jahr von meinen beiden Katzen zu trennen, die ich sehr geliebt habe. Aber es war die richtige Entscheidung. Jetzt kann ich noch reisen, jetzt kann ich mein Leben genießen. Wer weiß, wie lange noch.
 
13.12. Das gibt es nur in USA
Weihnachtsparade in Spruce Creek ist immer etwas besonders. Ich habe diese Fliegergemeinde in mein Herz geschlossen, seit ich im Jahr 1997 in Daytona Beach meinen Flugschein gemacht habe und dann eingeladen wurde, vier Wochen dort zu wohnen. Es war das reinste Paradies. Spruce Creek hat einen eigenen Flugplatz und Rollwege führen zu den einzelnen Häusern. Zusätzlich zur Garage haben die Villen dann noch einen Hangar fürs Flugzeug. Klar dass hier keine Sozialhilfeempfänger wohnen. Viele sind auch ehemalige Airline-Piloten. Sie können sich nun nach der Rente ganz dem guten Leben, dem Golf und ihren „Toys“, wie man hier sagt, widmen. Ihren Spielzeugen. Das kann alles sein, was Spaß macht, schöne Motorräder, herrlich restaurierte alte Fahrzeuge, Flugzeuge, ja sogar Traktoren. Die alten Herren treffen sich oft mal abends, um zusammen in Formation zu fliegen, oder um einen Hundert-Dollar-Hamburger zu essen. So nennt man es, wenn man zum nächsten Flugplatz fliegt, um dort im Restaurant mal eben einen Hamburger zu bestellen. Hab ich in meiner aktiven Zeit auch ab und zu gemacht.
In der Weihnachtszeit dann ist immer eine Parade. Jeder schmückt seine Toys weihnachtlich, sich selbst auch und dann geht die Parade übers Rollfeld. Die Zuschauer kommen in ihren Golfcarts und stehen entlang der Runway. Es gibt Hot-Dogs und Soft Drinks, und alles kostenlos. Das ist auch für Fremde eine gute Gelegenheit, sich die Fly-in mal anzusehen, denn normal ist die Gemeinde durch ein Tor gesichert und nur Bewohner und angemeldete Besucher kommen hinein.
Doch zunächst findet eine Hochzeit statt. Inmitten des Weihnachtstrubels steht Lenny vor seinem Immobilienbüro und traut mal schnell ein junges Paar. Er ist auch Notar, und die können in Florida jedes Paar trauen, das eine Heiratslizenz hat. Den Bräutigam schätze ich auf Mitte 70, die Braut etwa 25 - 30 Jahre jünger. Sie kommt aus Russland, Internet lässt rufen. Aber da sieht man doch mal, wie man auch so sein Glück machen kann, der junge Bräutigam ist bestimmt nicht arm. Das ganze dauert keine 10 Minuten, dann zieht Lenny seinen Anzug aus, wirft sich ins Weihnachtsmannkostüm und hinauf auf seinen Zweidecker, in dem ich schon mal mit ihm Aerobatic geflogen bin. Das Brautpaar setzt sich in seinen weihnachtlich geschmückten Oldtimer, die – kurze - Hochzeitsreise ist gleichzeitig Parade.
Endlich geht der Zug los. Die Strecke ist superkurz, deshalb fahren alle bis auf die Flugzeuge in Schlangenlinien. Und das Wetter ist einfach himmlisch. In der Nacht und am Morgen war es noch empfindlich kühl, aber nun scheint die Sonne und ich komme ins Schwitzen. Und ich habe so viele alte Bekannte wiedergetroffen. Vorher hätte ich mir ihre Gesichter nicht mehr vorstellen können, aber wenn sie einem dann begegnen kommt Erkennen auf. Es war so schön. Nur schade, dass die engsten Freunde nicht mehr in Spruce wohnen, es ändert sich halt alles so schnell in Amerika.
Am Nachmittag dann hole ich Georg ab. Ich habe ihn und seine Freundin Andrea schon im letzten Jahr kennen gelernt. Sie waren mit dem Segelboot von den Bahamas gekommen, als sie wegen einem Motorschaden in Ponce Inlet anlegen mussten. Der Ort gefiel ihnen so gut, dass Georg beschloss, ein Haus hier zu kaufen. Georg ist vor ein paar Tagen von den Bermudas gekommen mit seinem Boot und Andrea wird morgen mit dem Flieger nachkommen. Ich hatte in der Woche so ein hübsches neues Lokal entdeckt, auf einem Hausboot gleich hier in Port Orange am Fluss, da will ich mit Georg hin einem Hamburger essen und die schöne Aussicht genießen. Wir suchen uns einen herrlichen Platz auf dem Dock, wunderhübsch, aber sobald die Sonne untergeht wird es doch wieder ziemlich kühl.
Macht nichts, ich muss sowieso heim, um mal wieder alles aufzuschreiben, was sich so ereignet hat. Wir werden sicher wieder eine gute Zeit haben, auch der Wetterbericht hat wieder mehr Wärme angekündigt.
 
20.12 Vögel am Strand von Daytona Beach
Jeden Nachmittag ist großes Möwentreffen am Strand. Die Konzentration ist um den Frank-Rendon-Park in Daytona Beach Shores. Tausende von Möwen kommen vom Landesinneren geflogen, viele auch von der Mülldeponie, in kleinen Gruppen, unermüdlich. Ein richtiges Meeting am Strand. Sie sitzen am Boden, den Schnabel in den Wind, lassen die Wellen heranspülen, schauen nach Essbarem. Erst wenn es dunkel wird fliegen sie hinaus aufs Meer, wo sie dann auf den Wellen schwimmend schlafen.
Zunächst denkt man, es sind nur zwei Vogelarten am Strand. Die große Gruppe der Möwen, die bestimmt an die 100.000 heranreicht. Dazwischen wuseln flink die kleinen Sanderlinge herum, die nicht eine Sekunde stillstehen, immer den Sand nach kleinen Krebsen durchpicken. Ab und zu dreht ein
Braunpelikan
seine Kreise hoch oben in den Lüften und lässt sich auch mal am Strand nieder, so als sei er der König, der sein Volk beherrscht. Aber wenn man genau hinschaut sieht man die Unterschiede.
Der
Sanderling
ist klein und rundlich, hat einen braun gesprenkelten Rücken, einen leuchtend weißen Bauch und schwarze Beine. Der
Steinwälzer
sieht ähnlich aus, aber ist schlanker, der Rücken dunkler, die Beinchen rosa. Beide können kaum stillstehen und picken mit ihrem langen spitzen Schnabel im Sand herum.
Bei den Möwen wird es schon schwieriger. Ich habe drei Arten entdeckt. Die überwiegende Masse sind die im englischen „laughing gull“ genannten Möwen, die merkwürdigerweise bei uns
Aztekenmöwen
heißen, während die in Deutsch Lachmöwe genannte Art eine ganz andere ist. Kompliziert macht das Erkennen aber die Tatsache, dass es unter den Aztekenmöwen sehr viele unterschiedliche Ausprägungen gibt. Die Möwen brauchen drei Jahre bis sie erwachsen sind und wechseln in dieser Zeit ihr Aussehen und Farbe stark. Am Anfang sind sie eher braun gesprenkelt, erst ab dem dritten Jahr bekommen sie einen weißen Bauch und einen grauen Rücken. Die schwarzen Schwanzfedern schmücken weiße Punkte. Aber immer haben sie schwarze Beine und Füße. Noch verwirrender aber ist, dass die offiziellen Fotos meist das prachtvolle Sommerkleid zur Brunst tragen, dabei haben die Möwen einen schwarzen Kopf und einen roten Schnabel, während der Kopfbereich im Winter heller wird, mal ganz weiß, mal gesprenkelt, und der Schnabel schwarz wird, zuweilen bleibt nur an der Spitze ein roter Punkt.
Die zweitstärkste Gruppe sind die
Ringschnabelmöwen
. Sie sind leicht zu erkennen, obwohl die erwachsenen Tiere an Rücken, Bauch und Schwanz ähnlich wie die Aztekenmöwen gemustert sind, auch die Größe ist ähnlich. Aber der große Unterschied sind die gelben Beine und Füße und der gelbe Schnabel, der an der Spitze von einem schwarzen Ring umgeben ist. Auch hier sind die Jungtiere braun gemustert, aber immer durch Schnabel und Beine von den Aztekenmöven zu unterscheiden.
Während diese beiden Gruppen meist auf dem Sand kurz vor den Wellen stehen, sieht man vereinzelte Möwen im flachen Wasser stehen, die durch ihre Größe auffallen, sie wirken fast wie große Hühner. Es ist die
amerikanische Silbermöwe
, die ob jung oder alt leicht an ihrer herausragenden Größe und den fleischfarbenen Beinen zu erkennen ist. Die ausgewachsenen Vögel sind farblich ähnlich wie die beiden anderen Möwengruppen, grauer Rücken, weiß gepunkteter Schwanz, weißer Bauch, nur die Beine sind fleischfarben. Und merkwürdigerweise gibt es sehr wenige ausgewachsene Tiere, sondern viel mehr Juvenile, die bräunlich gesprenkelt sind.
Neben diesen drei Möwenarten gibt es noch Seeschwalben, allerdings in geringerer Anzahl. Die
Königsseeschwalbe
ist leicht an ihrem leuchtend orangefarbenen Schnabel und der wild aussehende schwarzen Haube zu erkennen und kommt in kleinen Gruppen vor. Sehr selten zu Besuch, da sie eher an der Westküste zu Hause ist, ist die
Brandseeschwalbe
. Auch sie hat die schwarze Haube und ähnliche Größe und Form wie die Königsseeschwalbe, ist aber der Schnabel ist schwarz und macht sie sehr viel unscheinbarer. Trotz der gelben Spitze.
Und dann gibt es noch einen richtigen Exoten, den
Schwarzmantel-Scherenschnabel
. Er hält sich vor allem bei Ponce Inlet, am Ausgang des Halifax River zum Atlantik auf. Ein sehr hübscher Kerl in Möwengröße, der sofort an seinem großen Schnabel in orange und schwarz zu erkennen ist, auch die Beine sind leuchtend orange.
Nur selten sieht man zwischen all diesen Strandläufern den
Schlammtreter
, er fällt schon durch sein unscheinbares Aussehen kaum auf und gehört in eine andere Kategorie. Er tritt meist einzeln auf und sucht in den flachen Wellen nach Futter. Eine absolute Ausnahme ist der
Eistaucher
. Die im Aussehen an eine Ente erinnernde Art brütet in der Tundra und im borealen Nadelwald im nördlichen Nordamerika, in Grönland und auf Island und überwintert an den Küsten Nordamerikas und Europas, kommt nur selten bis nach Florida. Es gehört schon viel Glück dazu, einen zu beobachten, wie geschickt er in die Wellen taucht, um nach Fischen zu suchen.
Und dann ist da noch mein Lieblingsvogel, der
Bootsschwanz-Grackel
. Eigentlich hat er doch als normaler Vogel nichts am Strand verloren und sollte im Landesinnern nach Beeren und Insekten suchen. Aber er, der von weitem fast wie eine schwarze Krähe aussieht, leistet sich auch gerne mal einen kleinen Fisch oder Krebs. Und erst von nahem sieht man dann das tiefblau schimmernde Gefieder. Sein Weibchen dagegen ist kleiner, rundlicher und braun.
Dann gibt es noch zwei Vogelarten, die ab und zu tagsüber kommen und da am liebsten bei den Anglern sitzen und warten, dass ein paar Bissen für sie abfallen. Das ist zum einen der
Schneereiher
, leicht an seinen schicken schwarzen Beinen mit gelben Füßen zu erkennen, auch der Schnabel ist gelb-schwarz. Der Körper ist komplett weiß und wenn es heftig windet plustert sich ein Häubchen auf, das ihm ein lustiges Aussehen verleiht. Der
Silberreiher
ist größer, hat einen gelben Schnabel und schwarze Beine und Füße. Genau wie auch der Pelikan sitzen sie geduldig bei den Anglern und hoffen auf Leckerbissen, nicht nur am Strand, sondern auch an den Flüssen und Seen.
Dies waren nun 14 verschiedene Vögel, die ich am Strand gefunden habe. Wer sich dafür interessiert und auch ohne eine Reise nach Florida mehr darüber wissen will findet diese und noch viel mehr in meiner Guidewriter app „Central Florida Guide“.
 
20.12.
Ausgangssituation:
Mir ging’s gut. Richtig gut. Hab mich wohl gefühlt, viele Aktivitäten gemacht wie Vögel beobachten oder Boot Camp. Mit hat absolut nichts gefehlt. War glücklich. Hab bewusst und gesund gegessen, das Gewicht gehalten, sogar einige Gramm verloren.
 
Aktueller Zustand:
Mir geht’s Scheiße. Futtere mich durch den Kühlschrank, fühle mich von allen verlassen und benutzt. Trau mich morgens nicht auf die Waage.
 
Dazwischen:
Vor einem Jahr das Paar A+B in Florida kennengelernt. B hat hier ein Haus gekauft, A richtet es ein. Mit A (weiblich) eine nette Zeit, etwa 4 Wochen, verbracht, durch die Thrift Stores gezogen. Mit B weniger gesprochen.
Freue mich, in diesem Jahr wieder auf die Beiden zu treffen. Mal zusammen essen, Thrift Stores und dergleichen.
Doch Ende November trennen sich A und B. A fragt mich
„wie sieht es denn bei dir aus? hast du ein zimmer frei ab 14.12?“
Jaaah? Hab ich. Ich gehe davon aus, dass A versuchen will, mit B wieder ins Reine zu kommen. Ein paar Tage stelle ich mein Zimmer gern zur Verfügung, um den beiden zu helfen. Ich würde nie davon ausgehen, dass mehr gefragt ist.
Kurz vor dem 14. ruft B an und will mit mir sprechen. Ich will freundlich sein und sage zu. Höre mir die Geschichte von B an, von A würde ich erst mehr hören, wenn sie eingetroffen ist. B möchte gern A zurück und bittet mich um Hilfe.
Ich erinnere mich an die häufigen Vorwürfe, dass ich egoistisch bin und möchte das Gegenteil beweisen. Strenge mich an, um ein guter Vermittler zu sein.
A kommt. Alles in Butter. Erzählt ihre Geschichte. Sie will von B nichts mehr wissen.
Doch warum ist sie dann nach Florida gekommen? Sicher nicht, um mich flüchtige Bekannte zu besuchen. Ich habe auch nie gesagt, dass ich gerne einen längeren Hausgast hätte. Wollte nur kurzfristig aushelfen. Es scheint aber so, dass A gerne für die kalte Winterzeit in Florida bliebe, eventuell auch in meinem Haus nach meiner Abreise. Das ist mir nicht recht. Ich treffe gerne Leute, will aber danach für mich sein.
Am zweiten Tag kommt es zum zufälligen Zusammentreffen von A und B in meiner Straße. Ich finde die Atmosphäre eher freundlich und bitte beide ins Haus auf ein Gespräch. Gebe mein bestes, um zu vermitteln, Streit zu vermeiden und eine Lösung zu suchen. Schlage einen Waffenstillstand vor, während dem wir etwas zusammen unternehmen, um die Spannung zu entschärfen. B ist relativ ruhig und für Vorschläge zugängig, A kommt immer wieder auf die gleiche Leier zurück, kein Einlenken sichtbar.
Kein Waffenstillstand, statt dessen Gespräch zwischen A und mir. Ich bin nach Ansicht von A schuld. Sie wollte doch nur Zeit mit mir verbringen und ich bin an der schlechten Stimmung schuld, weil ich mit A gesprochen habe.
Ich bringe zum Ausdruck, dass ich mich in meiner Freiheit beschnitten fühle. Und ich habe sie nie eingeladen, doch zu mir nach Florida zu kommen.
Darauf bucht A einen Flug zurück nach Deutschland. Und bleibt in ihrem Zimmer, falls sie nicht mit jemand verabredet ist.
Von B kein Laut mehr.
Bin für beide nur noch der Fußabtreter und an allem schuld. Und fühle mich mies.
Helft nur niemals anderen!
 
21.12. Familienidylle
Die Menschen haben mich enttäuscht, deshalb wende ich mich heute wieder den Tieren zu, denn sie enttäuschen mich nicht. Und gleich geht’s mir viel besser. Vor ein paar Tagen habe ich wilde Tiere in einem Park bei New Smyrna gefunden, wilde Tiere, die wir eher als nicht wild kennen. Katzen. Richtige Hauskatzen. Ich kam zu einem Parkplatz in einem Naturpark und fand ein Alugefäß am Boden. Neugierig schaute ich hinein, es war leer. Doch im Gebüsch entdeckte ich blaue Augen, die mich beobachteten. Eine wunderschöne Katze, eine, die man eher auf einer Wohnzimmercouch finden würde. Und offenbar füttert sie jemand, wie das leere Gefäß zeigte. Dennoch schien sie Hunger zu haben.
Also hab ich Katzenfutter besorgt und fuhr heute Morgen zu dem Platz zurück. Mutter und Kind warteten bereits. Die Mutter, wie schon gesagt, fast eine Rassekatze, das Kind eher räudig. Sie verzogen sich sicherheitshalber ins Gebüsch. Ich füllte die Schalen, ging ins Auto und schon kam die Kleine. Bald auch die Mutter. Es schmeckte ihnen ganz offensichtlich gut …. bis!
Der Vater kam. Ein Blick und das Weibchen verschwand. Gut gezogen. Mein Kater hat seine Schwester auch immer so angeschaut. Das Kind war schon mutiger, aber traute sich dennoch nicht. Vater Kater fraß sich voll, begleitet von vier Augen aus dem Gebüsch. Hah, ich war schlauer. Hatte noch ein zweites Schälchen. Und dann kamen auch wieder Mutter und Kind. Man macht sich ja so seine Gedanken. Wurde die schöne Katze ausgesetzt? Oder ist sie mit dem Kater davongelaufen, wurde schwanger. Soll es ja auch bei den Menschen geben.
Dann ging es weiter nach New Smyrna und in den dortigen Park. In New Smyrna wird der Strand immer schmaler, hier kann man nicht mehr mit dem Auto fahren. Aber dafür gibt es wunderschöne Strandhäuser. Man hat nicht den Fehler wie in Daytona gemacht, und den Strand mit Hochhäusern vollgeknallt, die der Gemeinde zwar viel Grundsteuer bringen, aber auch die Nachmittagsonne komplett blocken. Hier stehen noch niedrige Privathäuser auf schönen Grundstücken, und alle haben einen herrlichen Holzplankenweg hinunter zum Strand. Hier möchte man wohnen, allerdings nicht während eines Hurrikans. Merkwürdig nur, dass fast ein Drittel der Häuser ein „zu verkaufen“ Schild haben.
Auf der Hochspannungsleitung war dann ein Treffen von Vögeln. Hunderte saßen da. Eigentlich hätte ich wissen müssen, was das für Vögel sind, gibt es sie doch auch bei uns. Aber zuhause habe ich mich noch nie für Vögel interessiert. Beim Hochschauen sah ich nur kleine schwarze Vögel, keine Ahnung, was das ist. Ich machte ein Foto mit meiner eher einfachen Digitalkamera, die aber doch ein gutes Zoom hat. Und erst zuhause kam dann die Überraschung. Es waren einfach nur Staren, die eigentlich aus Europa stammen, aber 1890 hat man aus einen Zoo in New York 100 Vögel frei gelassen, die inzwischen auf etwa 100 Millionen angewachsen sind. Und erst das gezoomte Foto hat mir gezeigt, wie wunderschön dieser Star ist.
Also wieder ein guter Tag, es geht bergauf. Auch mit dem Licht, ab heute werden die Tage länger. Obwohl wir uns hier in Florida wirklich nicht beklagen müssen.
 
23.12. Glaubensbekenntnis
Als ich vor kurzem in der Kirche war und den Gang durch Bethlehem machte, sprach ich danach mit einer Missionarin. Die Art, wie sie von ihrem Glauben sprach, wie sie mit einer Inbrunst und Überzeugung sagte, wir sind alle Sünder und nur für unsere Sünden ist Jesus am Kreuz gestorben, hat mich – die ich römisch-katholisch getauft wurde, aber dann als Erwachsene aus der Kirche austrat - doch eher abgeschreckt. Auch die Story von Maria, die als Jungfrau schwanger wurde, lässt mich nicht an einen Gott glauben.
Aber wenn ich hier durch die Parks wandere, die vielen verschiedenen Tiere betrachte, sehe, wie unzählig viele Arten es gibt und jede hat ihre ganz besondere Eigenheit, die sie von anderen unterscheidet und auch ihr Überleben möglich macht, dann bin ich doch beeindruckt. Und frage mich, wer all das geschaffen hat. So muss es ja ein göttliches Wesen sein, da auch der intelligenteste Mensch so etwas nicht zustande brächte. Und auch er wurde ja in Vollkommenheit geschaffen.
Aber erklären kann ich diese Wunder der Natur nicht. Nur andachtsvoll genießen.
Der Vogel des Tages, den ich heute früh getroffen habe, ist der Rotschwanz-Bussard.
 
26.12. Zahlen
Florida steht nach neuesten Statistiken von der Bevölkerungszahl her an dritter Stelle im Land nach Kalifornien und Texas, bisher stand es auf Platz 4. Es wohnen 19 893 Millionen Menschen hier, aber immer noch hat jeder Einwohner genau doppelt so viel Platz für sich wie ein Deutscher und auch ausreichend Parkfläche. Dabei sind nicht die vielen Snow-Birds erfasst, Urlauber/Rentner, die nur für den Winter kommen (so wie ich). Der Trend ins sonnige Florida ist ungebrochen und sicher auch ein Resultat der äußerst niedrigen Immobilienpreise, die immer noch nicht die Höhe von vor der großen Krise erreicht haben.
Heute folgt Teil 2 des Truthahn Tests, Butterball gegen Publix. Der tote Vogel ist gewürzt und gebuttert, geht gleich in den Ofen. Mal sehen, welcher letztendlich schmackhafter ist.
 
28.12.
Es gibt nicht viel zu schreiben in den letzten Tagen, nichts Aufregendes passiert und alle Events hier drehen sich nur um Weihnachten, was mich nicht interessiert. Außerdem neigt sich mein Aufenthalt dem Ende zu und es gibt noch viel zu erledigen. Nach dem letzten Regen hat die Mikrowelle wieder getropft und ich muss einen Dachdecker finden, aber über die Feiertage sieht das schlecht aus. Dann bin ich gestern den ganzen Tag einem Router hinterhergelaufen. Bisher mache ich es so, wenn ich ankomme, gehe ich zu Brighthouse und bestelle einen Router mit Internet für die Zeit meines Aufenthalts. Ein Monteur kommt, bringt den Router und schließt alles an. Am Ende bringe ich den Router zurück. Nun möchte ich aber meinen eigenen Router, damit das nicht alles wieder neu montiert werden muss. Alles nicht so einfach. Best Buy hat mir da nicht sehr geholfen, aber die Dame bei Brighthouse war sehr nett und hat mir erklärt, dass ich ein D3 Modem brauche. ???? Hab in Amazon geschaut, da gibt’s Router ab 15 $, aber sind das die richtigen? Bin also zu Jan und Gabor gefahren, die wohnen 100 Meter von mir und sind gerade über Weihnachten gekommen. Jan versteht eine Menge davon und wir finden heraus, welches Modem ich brauche. Also kann ich es nun bei Amazon bestellen, kostet aber 80 $, stelle dann meinen Vertrag um auf seasonal und kann dann immer an und abschalten lassen, wenn ich hier bin. Aber was solche Erledigungen für Zeit brauchen. Es war ein so wunderbares Wetter und ich habe es nicht zum Strand geschafft. Diese 10 Wochen hier gehen vorbei wie im Fluge, ich versuche im nächsten Jahr die vollen 12 Wochen auszuschöpfen, die ich hier bleiben kann.
Der Truthahn wurde übrigens verspeist und gewonnen hat die Hausmarke von Publix. War bei gleicher Zubereitung viel saftiger.
Am Abend ging’s dann noch ins First Turn. Wenn ich hier so ein paar Dinge mit nach Hause nehmen könnte wäre das in erster Linie der Strand inklusive der Sonne, dann die Parks mit ihren Tieren, aber gleich an dritter Stelle käme First Turn. Eine so nette Kneipe, sehr gemischtes Publikum, alle Altersstufen, und man kann auch als Frau sehr gut allein hingehen. Bin extra mit Bike hingefahren zu der Bikerkneipe, habe mein Bike auch gleich neben den Harleys geparkt, wenn es auch nur ein Fahrrad war. Gestern war ich zwar nicht alleine dort, daher konnte ich auch keine neuen Bekanntschaften schließen, aber die Musik war wie immer gut. Die haben fast jeden Abend eine Lifeband da, ist einfach unglaublich, und die Preise sind sehr manierlich. Bis 19 Uhr ist Happy Hour, ein Fassbier kostet 1 $, ein Margarita 3 $, die Stammkunden bestellen ein Bucket, das ist ein Blecheimerchen gefüllt mit 6 Flaschen Bier im Eis und kostet 12 $.
 
Später
Oh Gott, was für eine Aufregung. Ich habe es wohl herausgefordert mit meiner Bemerkung, „nichts Aufregendes passiert“. Kurz nachdem der Blog online war rief Georg an. Ob ich jemand zur Hand habe mit Motorrad-Führerschein. Und zwar sofort, Notfall. Die Polizei habe ihn gestoppt ohne Führerschein und wolle das Motorrad abschleppen lassen. Es muss sofort jemand kommen und ihn und das Motorrad holen, sie gaben ihm nur 20 Minuten, um das zu regeln. War nicht möglich, das Bike vorläufig zu parken, obwohl sie direkt an einem öffentlichen Parkplatz standen.
Ich habe keinen. Da fiel mir nur Jan ein, das könnte zu ihm passen. Also hab ich „emergency“ an Jan geskypt, alles stehen und liegen lassen und bin mit dem Fahrrad zu Jan gefahren, der mir die Tür in der Unterhose aufmachte und wunders dachte, was mir passiert sei. Jan war nicht begeistert, kam er doch gerade aus dem Bett, hatte noch kein Frühstück und vor allem seit 30 Jahren kein Motorrad gefahren. Aber einen Führerschein hat er.
Also fuhren wir alle drei inklusive Gabor Richtung Ponce Inlet, ich rief Georg noch mal an, dem die Polizisten ziemlich Dampf machten und einen Abschleppwagen rufen wollten. Wir sahen dann trotz Nebel die schönen Nicht-Weihnachts-Lichter blinken auf dem mit einem Leuchtturm geschmückten Polizei-SUV von Ponce Inlet. Und der Cop hatte noch einen schönen deutschen Namen, Schleifer. Aber war okay. Was war passiert? Georg fuhr zum Segelboot auf seinem Motorrad, hatte seine Sonnenbrille hochgeschoben, weil heute ein ziemlicher Nebel ist, der die Brille beschlug. Aber in Florida braucht man zwar keinen Helm oder sonstige Sicherheitskleidung zu tragen, nur, eine Brille, egal was für eine, muss man aufsetzen. Und weil er die hochgeschoben hatte wurde er angehalten. Ich hatte mir schon Gedanken gemacht, vielleicht noch Restalkohol vom Abend zuvor, oder so. Aber das eigentliche Problem war dann nicht die Brille, sondern der Führerschein, Georg hat keine Lizenz zum Führen eines Motorrads in USA.
Und war sehr froh, als wir eintrafen. Der Polizist inspizierte sehr genau Jan`s deutschen Führerschein (inkl. Bike), und monierte seinen amerikanischen (ohne Bike), aber ließ Gnade vor Recht ergehen und er konnte fahren. Gabor fuhr den Audi zurück, hatte doch tatsächlich seinen Führerschein im Haus vergessen, aber der Polizist kam nicht auf die Idee, nachzufragen. Ich hatte sowieso nur mein Telefon dabei, hatte zu Hause wirklich alles stehen und liegen und offen gelassen. Wir dann in langsamem Konvoi zurück, denn wie gesagt, Jan saß 30 Jahre auf keinem Motorrad. Aber nun sind alle wieder heil zu Hause und heute Abend wird das Ereignis mit einem schönen Essen ad acta gelegt. Lieben Dank nochmal an Jan und Gabor. Die ganze deutsche Kolonie stand zusammen.
 
30.12 Sonne und kein Meer
Es sind einfach wunderschöne Tage, so kann man den Winter aushalten. Wärmer als im Durchschnitt, aber trotzdem kam ich nicht an den Strand, einfach viel zu viel zu tun. Am Sonntag war ich im Dschungel, richtig drin, suchte den St. Francis Wanderweg, der über 7,7 Meilen geht, es ging wirklich mitten durch den Busch oder besser Sumpf, nach etwa der Hälfte traf ich zunächst ein junges Paar, das mir entgegen kam, aber ich versäumte, sie auf den Weg anzusprechen, was ich sehr bereute, denn der Weg stand mehr und mehr unter Wasser. Dann kam ein weiteres Paar, hätte nicht gedacht, dass in dieser Wildnis doch Menschen unterwegs sind, und klar habe ich sie angesprochen. Nach ein paar Worten fragte die Frau: „Sprechen Sie deutsch“. Aha, Landsleute. Aber auch sie waren zurückgegangen, weil das Wasser zu hoch stand. Und hatten auch mit dem jungen Paar gesprochen, das ebenfalls umkehren musste. Ich lief dennoch etwa 45 Minuten weiter, bis auch ich an die Stelle kam, wo nichts mehr ging. Nach drei Stunden war ich dann am Auto zurück, sah furchtbar aus! Völlig verschlammt, ein wenig zerstochen, aber vor allem von Dornen zerkratzt. Aber guter Laune, ich liebe solche Abenteuer. Leider konnte ich keine Vögel fotografieren, die Bäume waren viel zu hoch und zu dicht belaubt.
Ich dachte, ach ich hab noch Zeit, den Hontoon Park ganz in der Nähe zu besuchen. Er liegt auf einer Insel im St. John’s River und man muss mit einer kleinen Personenfähre übersetzen. Auf dem Nachbardock lag ein Alligator, am Himmel kreisten Vögel und ich bekam endlich einen neuen Vogel für meine Sammlung, einen Cormoran. Hier gefällt es mir. Leider war die Zeit viel zu kurz, ich war um 18 Uhr zum Essen verabredet und völlig verdreckt und muffelte auch. Also nicht wie heim, eine Stunde Fahrzeit, schnell den Schlamm abgespült und nichts wie hin zum Essen mit der deutschen Gemeinde. War wieder ein schöner Abend. Aber zum Hontoon Park muss ich noch mal zurück.
Am Montag dann hauptsächlich Dinge erledigt und am Abend fing dann ein neues Boot Camp an. Zwar kann ich es nicht bis zum Ende mitmachen, muss ja leider nach Hause, aber in der kurzen Zeit zwischen den Camps und mit den Feiertagen habe ich ein Kilo zugenommen. So geht das nicht! Da muss was geschehen!1.12.
Gestern war wieder Boot-Camp. Und ich hab so ein schönes Foto von Matt, meinem Trainer, das muss ich euch einfach zeigen. Ist er nicht toll? Und war früher auch mal dick.
 
Hab mir gestern so meine Gedanken gemacht. Die Gruppe finde ich toll, vor allem das, was darüber steht, also die Herbalife Familie. Ich kann die gar nicht genug loben. Die tun echt was. Toll finde ich auch, dass die Frauen hier ohne Probleme ihre Kinder mitbringen können. Die machen einfach das Training mit, so lange sie wollen, und wenn sie keine Lust mehr haben, spielen sie zusammen. Nicht einmal sagt einer ein böses Wort, auch wenn sie mal laut sind oder durch die trainierende Gruppe laufen. Die überwiegende Anzahl der Leute ist normal gewichtig. Mal ein paar Pfund mehr, aber nicht zu viel. Dann gibt es so zwei, drei, die sind schon länger dabei, haben schon viel verloren, aber doch noch etliche Pfund drauf. Sie sind motiviert und eifrig dabei. Und dann kommt immer mal wieder jemand, meist Frauen, die wirklich erheblich übergewichtig sind, die es echt nötig haben. Sie stehen bei den meisten Übungen am Rand, machen nicht mit und tauchen beim nächstenmal nicht mehr auf.
Ja – wenn man Gewicht verlieren will, muss man schon was tun.
Ansonsten war ich wieder auf Jagd nach den schönen Tieren, hab aber nur ein paar Vögel gefunden, die nicht so aufregende Photos ergaben. Diesmal im Bulow Creek Park.
 
3.12. Thrift Store
Auch das ist wieder typisch amerikanisch. Viele Kirchen oder auch Hospize haben Thrift Stores, Läden, in denen man alles mögliche gebraucht kaufen kann. Der Anbieter muss eigentlich nur die Miete für den Laden zahlen, alles Personal besteht aus Freiwilligen, Volunteers, die hier sehr zahlreich sind, während es das bei uns ja kaum gibt. Alle Waren, in erster Linie natürlich gebrauchte Kleidung, aber auch Haushaltsgegenstände, elektrische Geräte, Fernseher, eine Orgel, Werkzeuge, Fahrräder, Rollstühle, also wirklich alles, was man so nicht mehr braucht, wird kostenlos abgegeben. Und dann dort zu einem sehr günstigen Preis verkauft. Aber auch da gibt’s Unterschiede. In manchen kostet z.B. eine Jeans um 5 – 8 $, in dem Laden vom Tierschutzverein kosten alle Hosen 2 $, im Hospiz-Store sogar alle Kleidungsstücke, ausgenommen Designerstücke, 1 $. Und die Sachen sind oft gar nicht schlecht, man muss halt immer mal wieder durchschauen. Habe neulich Markenhosen für 2 $ bekommen, heute ein wirklich hübsches T-Sirt für 1 $ und da leider meine elektrische Heckenschere kaputt ging, Überlastung, hab ich eine für 18 $ bekommen. Fand ich teuer, war aber nötig.
 
4.12. Orion Launch
Heute bin ich in aller Frühe aufgestanden, habe mir einen Becher Kaffee gekocht und bin zum Pier, um den Orion Launch zu sehen. Es hatte sich ein kleines Grüppchen Schaulustiger dort eingefunden. Zunächst sahen wir einen wirklich spektakulären Sonnenaufgang, allein dafür hat es sich schon gelohnt, heraus zu kommen. Zum Angel-Pier gehört gehört ein Restaurant, in dem die Fernseher heiß liefen und als zur vorgesehen Zeit 7:05 noch nichts in der Lust zu sehen war, konnten wir zumindest di neuesten Nachrichten verfolgen. Ein Boot war mitten in die gesperrte Zone gefahren, deshalb musste der Launch verschoben werden. Mein Nachbar meinte „ten minutes“. Wir unterhielten uns ein wenig, dann fragte er doch mal nach, woher ich denn käme, hat meinen Akzent gehört. Ich sagte, aus Deutschland. „Na, dann können wir ja auch in Deutsch weiter reden.“ Ja so geht’s. Und die Wartezeit wurde nett verkürzt. Um 7:17 war die nächste Startzeit angegeben, aber dann war zu viel Wind. Wurde wieder verschoben, und dann war plötzlich der Benzinhahn defekt und musste ausgetauscht werden. Kurz vor 10 Uhr hieß es dann, alles bis zum nächsten Tag verschoben. Ich kann ja morgen wiederkommen, aber mein netter Gesprächspartner fliegt heute noch nach Hause.
 
Gestern war ich doch ein wenig geschockt, als ich zum Einkaufen ging. Hier werden in den Läden an den Kassen oder zum Einkaufen viele alte Menschen beschäftigt. Die Sache hat eine gute und eine schlechte Seite. Viele müssen einfach bis ins hohe Alter arbeiten, da die Rente nicht reicht oder sie erst gar keine bekommen. Von Grundsicherung kann man hier nur träumen. Andere wiederum machen es auch, damit sie unter Leute kommen, nötig hätten sie es nicht unbedingt. Aber gestern fand ich die Sache doch echt schockierend, ich kam zur Kasse, eine etwa 75jährige übergewichtige Frau bediente mich, neben ihr die Sauerstoffflasche, von der ein Schlauch zu Ihrer Nase führte.
Muss ein so kranker Mensch wirklich noch arbeiten in einem Land wie Amerika? Das müsste er noch nicht mal in dem armen Marokko, da wäre seine Familie für ihn da.
 
Exkurs: Übergewicht
Hat nichts mit der Reise zu tun und muss nicht gelesen werden.
Adipositas ist in USA bekanntermaßen ein großes Thema, laut Statistiken sollen hier 35 % der Menschen „obese“ sein, wie man hier sagt (
http://www.cdc.gov/obesity/data/adult.html
). Das bedeutet einen Körpermasseindex (BMI) von 30 kg/m² und mehr. Für Deutschland habe ich einen Anteil von 21 % gefunden (
http://www.adipositas-gesellschaft.de/index.php?id=41
). Aber auch die vielen Menschen, die einen BMI zwischen 25 und 30 % haben sind nicht immer glücklich damit und viele versuchen mit mehr oder weniger Erfolg etwas dagegen zu tun.
Ich habe in meinem blog sehr enthusiastisch über das Boot Camp geschrieben und auch geschildert, wie gut ich damit zurecht komme. Durch den Kommentar einer lieben Freundin bin ich erst darauf aufmerksam geworden, dass sich Leute mit Übergewicht davon verletzt sehen. Dafür möchte ich mich entschuldigen, das wollte ich nicht. Und ich möchte euch meine eigene Story erzählen, die zeigt, dass auch ich davon betroffen bin und weiß, wie schwer der Kampf ist.
In meiner Kindheit war ich ganz normal, nicht zu dick, aber auch nie zart. Lustig ist, dass es gerade auf meiner ersten USA-Reise 1973 zusammen mit meinem Mann anders wurde. Ich habe von der ganzen Tour ein Video gemacht, das deutlich zeigt, dass wir beim Einsteigen ins Flugzeug sehr viel dünner waren als beim Aussteigen zurück zu Hause. Aber die riesigen Steaks im Mittleren Westen und die köstlichen Baked Beans waren einfach zu lecker.
Das ging eine Weile so weiter, aber es hielt sich in Grenzen. So 10 kg zu viel. Mein Mann und ich machten oft Diäten, ich erinnere mich noch gut an die Brigitte Diät, die damals neu raus kam und eigentlich auch gut gewirkt hat. Aber bei all diesen Diäten war es doch so, dass man nur recht wenig essen konnte, weniger als man eigentlich wollte, und das kann man halt nur eine Weile durchhalten. Ein Beispiel ist das gelegentliche Stück Kuchen zum Nachmittagskaffee, das man sich absolut nicht leisten konnte. Ergebnis war der bekannte Jo-Jo-Effekt, es ging immer wieder rauf und runter.
Erst viel später, als ich allein lebte, entwickelte sich ein ganz anderes Essensverhalten. Ich ernährte mich nicht mehr regelmäßig, entwickelte einen Heißhunger auf Süßigkeiten. Es gab eine Zeit, da aß ich abends statt einem vernünftigen Essen 2 Päckchen Haribo. Auch persönliche Stimmungen führten zum unmäßigen Süßigkeitengenuss. Ein großes Problem waren auch meine zahlreichen Dienstreisen. Während mein Frühstück zu Hause klar geregelt ist, es gibt 1 Brötchen und 1 Ei, konnte ich den wunderbaren Frühstücksbüffets in den Hotels nicht widerstehen. Dann ein Tag auf der Messe, wo man statt was Richtiges die Plätzchen in sich reinschaufelte, die für die Besucher dastanden. Und abends gab es dann häufig ein Büffet irgendwo auf der Messe, und wenn ich so was sehe kann ich auch nicht an mich halten. Dazu kam, dass ich vor allem in den letzten Jahren Berufstätigkeit sehr lange arbeitete um Überstunden für meine Reisen zu sammeln. Also sehr unregelmäßiges Leben und Essen und keine Zeit für Sport. Auch da kam ab und zu eine strenge Diät und ich nahm ab, aber auch wieder zu. Und vor allem war es echt so, ich durfte nur wie ein Vögelchen essen, um nicht zuzunehmen.
Der Umschwung kam nach der Rente. Zunächst war ich in Marokko, da ist sowieso alles anders. Da muss ich nicht selbst für mein Essen sorgen, da bekomme ich es vorgesetzt, es ist sehr gesund mit viel Gemüse, es gibt nicht viel Süßes in dem Land noch Zeit, irgendwann im Stillen meine (nicht vorhandenen) Haribos reinzuschaufeln. Auf den Reisen habe ich immer mein Gewicht gehalten oder sogar abgenommen. Zurück in Deutschland musste ich erst viel arbeiten, meine Bücher schreiben, aber dann am 1. September 2013 war das beendet. Und mein Gesundheitsprogramm begann. Unter anderem auch aus dem Grund, dass mein Blutdruck sehr hoch war. Und ich absolut keine Pillen nehmen wollte.
Also Ernährungsumstellung. Eigentlich wie auch schon früher gehabt. Zunächst abführen, damit der Magen leer ist, dann 2 – 3 Tage nur Pülverchen (Slim-Fast oder ähnliches), um sich von den dick machenden Nahrungsmitteln zu entfernen, und dann gemäßigt essen. Mir hat sehr eine Internetseite geholfen, wo ich aufschreiben konnte was ich täglich esse (
http://fddb.info
). Das wird sehr einfach gemacht, man gibt lediglich den Barcode an und wie viel man davon gegessen hat und die Kalorien werden automatisch errechnet. Das hat mir wirklich sehr geholfen einen Überblick über die Mengen zu bekommen, die ich essen darf ohne zuzunehmen, bzw. sogar abzunehmen.
Aber das war nur die eine Säule. Die andere war laufen. Bis dahin konnte ich nur walken. In meinem ganzen Leben konnte ich noch nie länger joggen, war sofort außer Atem. Also fing ich ganz langsam an. Ein wenig joggen, dann walken. Aber nicht so gemütlich wie die vielen Nordic Walker, die ich so durch den Taunus streichen sehe. Und es war unglaublich, ganz langsam konnte ich immer mehr joggen. Meine Laufstrecke geht über 5 km, aber es geht bergauf und bergab. Ich konnte irgendwann auf dieser Strecke alles bergab joggen, das waren 20 Minuten von 42. In Florida am ebenen Strand war es im letzten Jahr noch ebenso, 20 von 42. Aber in diesem Jahr kann ich alles am Stück joggen, schaffe die 5 km in 40 Minuten. Das ist langsam, aber immerhin. Und mein Blutdruck hat sich wesentlich verbessert, Pillen brauche ich nicht.
Nur mit diesem Laufen habe ich es geschafft, bei meinem bewussten Essen zu bleiben. Nur wenn ich fast täglich laufe halte ich mich einigermaßen an mein Essensprogramm. Aber fast noch wichtiger, durch das regelmäßige Laufen hat sich mein Grundumsatz erhöht und ich darf nun etwas größere Portionen essen. Sogar auch mal ein Stück Schokolade. Ich habe in den ersten vier Monaten seit Beginn der Umstellung 14 kg verloren, dann langsam bis heute noch mal 2 kg und bin mit meinem jetzigen Gewicht zufrieden.
Und als ich hier in Daytona dann das Boot Camp gefunden habe war ich absolut glücklich. Mehr noch als beim Laufen werde ich hier an meine Grenzen geführt und das ist toll.
Alles happy also?
Nein. Leider nicht. Auch heute noch habe ich manchmal eine Gier nach Süßigkeiten und wenn dann welche im Haus sind kann ich nicht aufhören, bis alles weg ist. Und dann umarmt man das Klo. In den Hoch-Zeiten meiner Diät hatte ich immer die köstlichen Trüffelpralinen im Haus und habe jeweils nach dem Abendessen einen Espresso mit einer Praline genommen. Wenn es so bleibt ist alles in Ordnung, aber es bleibt nicht. Es kommt immer der Tag, wo ich weich werde. Ich bin süchtig nach Süßigkeiten, bleibe es immer, und einer, der davon nicht betroffen ist, kann das nicht nachempfinden. Wie ein Alkoholiker, der immer einer bleibt, auch wenn er trocken ist.
Seit ich hier in Florida bin hatte ich die Anfälle schon einige Male. Fühle mich immer sehr mies danach, laufe dann noch mehr. Die Süßigkeiten, die ich evtl. für Nachbarn mitgebracht hatte, sind weg. In der Zeitung las ich eine Anzeige von den Anonymen Esssüchtigen. Ich bin hin gegangen. Habe noch nie so was mitgemacht. Aber das ist nichts für mich. Einerseits ist es von der Kirche, es wird sehr darauf hingewiesen, dass Gott hilft. Naja, mir nicht. Und man muss genau wie die Alkoholiker abstinent bleiben, abstinent von Zucker und Mehl. Und man bekommt einen Mentor, der einem den Rücken stärkt. Aber das ist nichts für mich. Ich weiß ja was ich essen muss um das Gewicht zu halten, ernähre mich gesund und ausgewogen. Bis die Anfälle kommen. Und dagegen hilft weder Gott noch Herbalife.
 
5.12. Fast verpasst
Pünktlich kurz vor 7 war ich auf dem Pier und geriet schon wieder in ein nettes Gespräch, diesmal auf Französisch (hab mich fast im heimatlichen Marokko gefühlt). Ein nettes Ehepaar aus Französisch-Kanada, ich unterhielt mich so eifrig mit der Dame, sie war schon in Marrakech, aber zum Glück hat ihr Mann aufgepasst und rief, da, Orion! Pünktlich wie die Maurer ist sie heute gestartet. Zu sehen als feiner Lichtstreifen am Himmel.
Ich glaube, die Verschiebung war nur wegen meinem Geburtstag, sozusagen als Geschenk für mich.
 
5.12. Geburtstag
Mein Gott, was war das für ein Geburtstag. In meinem Pass steht, es war der 67tigste, aber das muss ein Druckfehler sein. In meinem Herzen und auch von den Ereignissen her war es eher der 27stigste.
Bis zum Abend lief alles ereignislos. Meine Familie rief zwar an, aber ich hörte das Telefon nicht und ging dann zum Boot Camp. Ja, ich habs erzählt, ich gestehe es, und dann sangen alle Happy Birthday für mich. War schön. Und wieder einmal hab ich so richtig erlebt, warum ich ins Boot Camp gehe. Wenn ich alleine am Strand jogge, strenge ich mich gerade mal so viel an, wie es noch komfortabel ist. Aber im Boot Camp wird man an seine Grenzen geführt. Es geht immer weiter, auch wenn man denkt, man kann nicht mehr. Was werde ich die Leute vermissen, wenn ich wieder zuhause bin.
Dann kam ich heim, es ist ja Freitag Abend, da tönt vom First Turn immer die Musik herüber und lockt. Nur wenige von euch kennen natürlich First Turn, Brian, Andrea und Gabor wissen wovon ich rede, die anderen nicht. Es ist eine typische Biker-Bar, alles offen und am Wochenende spielt eine Band. Normal geh ich nicht hin, aber heute habe ich schließlich Geburtstag. Also geduscht und ein Herz gefasst und ab ins First Turn. Es gehört ja schon was dazu als Frau allein in so eine Kneipe zu gehen. Hab mich ganz langsam angeschlichen, von hinten ein Bier bestellt und dann immer mehr vorgewagt. Und die Band war toll. Man konnte es mal wieder kaum auf dem Sitz aushalten.
Ja, und dann die Männer. Es schlichen doch einige um mich herum. Einer fasste sich schließlich ein Herz und sprach mich an. Dann der nächste, wir wechselten ein paar Worte und er bestellte mir noch ein Bier. Die Stimmung stieg, die Band lief zur Vollform auf, ich wackelte auf meinem Sitz hin und her, und das nahm ein Dritter zum Anlass mich zum Tanz aufzufordern. Wer mich kennt weiß, dass ich absolut nicht tanze. Kann’s einfach nicht. Dazu kommt, dass ich mich dem anderen wegen dem Bier verpflichtet fühlte. Aber ich hätte schon gerne. Dann kam ein langsamer Tanz und mein Biermann forderte mich auf, und ich tanzte mit ihm und alle Zehen blieben heil.
Ist das nicht genau wie früher in der Disco? Ich hab’s genossen. Wusste zu dem Zeitpunkt noch nicht genau, wie es ausgeht, bzw. wie ich den Herrn dann wieder los werde. Der erste hatte sich ja schon verabschiedet mit den Worten, er hätte mir ja gerne einen ganz großen Geburtstagskuss gegeben, aber nun wäre ich ja mit dem anderen.
Und dann plötzlich drehte ich mich um und traute meinen Augen nicht. Ich, die ich ja niemand kenne in Port Orange und mich eigentlich völlig allein in dem Lokal fühlte, erkannte in den beiden netten Frauen, die schon eine Weile neben mir saßen, meine Nachbarin und ihre Tochter. Auch die Beiden erkannten mich erst jetzt. Das war natürlich ein großes Ereignis, hatten wir doch während meines Aufenthaltes noch nicht miteinander gesprochen, und wir quatschten wie verrückt. Und als ich mich wieder umdrehte, war mein Verehrer verschwunden.
Köstlich das ganze. Echt wie zu Teenagerzeiten. Und genau mit dem erwünschten Ende.
 
6.12. Cross Roads
Ich komme gerade zurück aus Bethlehem. Was für ein Auflauf! Menschen über Menschen, Marktstände, die Tiere laufen herum, die Kinder schreien und überall die römischen Legionäre, die den armen Einwohnern das Leben zur Hölle machen. Die Steuern müssen gezahlt werden, deshalb ist jeder in die Stadt gekommen und alle Unterkünfte sind ausgebucht.
Kommt euch das bekannt vor?
Cross Roads, eine hiesige Baptistengemeinde, baut jedes Jahr ein richtiges Bethlehem auf, mit richtigen Menschen und Tieren, auch das Kamel hat nicht gefehlt. In diesem Jahr konnte ich es mir zum erstenmal anschauen und ich war völlig beeindruckt. Zunächst einmal die Organisation. Die war perfekt, angelegt für ein Großereignis. Die Kirche hat ein großes Grundstück und viele Parkmöglichkeiten und richtig professionelle Parkwächter mit Leuchtstäben haben die vielen Besucher geleitet, am Vortag waren 1400 Leute da. Dann am Eingang musste man sich registrieren und im Kirchenraum auf seine Gruppe warten. Es wurden Lieder vorgetragen, alles sehr nett. Dann wurden jeweils Gruppen von 25 Personen aufgerufen und wir bekamen eine junge Dame als Tourguide, natürlich historisch gewandet. Und dann gings los. So richtig ins Leben. Am Stadttor haben die Legionäre erstmal ziemlich Zoff gemacht, wollten uns nicht reinlassen, haben dem Mädel ihre Schwerter an den Hals gesetzt, aber dann hat sich doch alles beruhigt und wir konnten weiter. An jedem Marktstand wurden die entsprechenden Produkte laut schreiend angepriesen, ich fühlte mich wie auf einem marokkanischen Basar. Die Schauspieler, alles freiwillige Kirchenmitglieder (die brauchen alles in allem sicher mehr als 100 Leute), waren Spitze. Vor allem ist USA ja ein multikulturelles Land, daher sahen viele Gesichter sehr original aus. Die haben so gut und authentisch gespielt, ein Kind stahl einen Apfel, ein Soldat rannte hinterher. Der Kürschner wurde von einem hinterhältigen Händler erpresst, ihm ein Schutzgeld zu zahlen, der Schreiner beklagte sich darüber, dass er so viele Kreuze anfertigen müsse, denn die Römer würden es fast zum Sport erklären, die Leute zu kreuzigen, es war richtig was los. Dann kamen die Klatschweiber, zerrissen sich das Maul über ein Pärchen, das am Nachmittag angekommen war. Nicht verheiratet, aber die Frau hochschwanger. Behauptete dennoch, noch Jungfrau zu sein. Naja. Man hatte ihnen am Stadtausgang einen Stall zugeteilt, weil alle Herbergen besetzt waren. Als wir dann endlich am Stall ankamen erschien in einem Lichtblitz der Engel Gabriel. Und vor den Toren lag das Kamel. Nur die drei Könige waren noch nicht angekommen.
Das ganze war echt super, ich war begeistert. Danach ging es in einen Saal, wo Kaffee ausgeschenkt und Plätzchen gereicht wurden. Und alles kostenlos, noch nicht mal um eine Spende wurde gebeten.
An einem Tisch saßen Personen, die auf Wunsch für Gespräche über die Kirche zur Verfügung standen, aber sie haben sich nicht aufgedrängt. Doch ich hatte eine Menge Fragen und habe mich sehr lange mit Cheryl, einer Missionarin, unterhalten. Sie sprach unglaublich engagiert von ihrem Glauben, und erzählte mir so eindringlich, wie Jesus am Kreuz hing, auf beiden Seiten von einem Verbrecher umgeben, die ihm sagten, wenn er doch Gott wäre, warum er dann nicht einfach vom Kreuze aufstehen würde. Und möglichst sie beide noch rettete. Sie erzählte mir das so, als sei es gestern passiert und sie sei dabei gewesen. Wenn man wie ich nur die katholische Kirche in den 50ern und 60ern erlebt hat, ist man total erstaunt, wie engagiert diese Frau das lebt. Ich kannte die Kirche nur als fern und unnahbar, an einen Gott oder Jesus glauben? Naja, ich weiß nicht recht. Und sie ist so fest davon überzeugt, dass sie in den Himmel kommt, weil sie ja so fest glaubt, und dass nur die in den Himmel kommen, die auch an Jesus glauben, dass ich sie fragte, was denn mit den vielen Millionen Menschen wäre, die einer anderen Religion angehören, nicht an Jesus glauben. Sie meinte da nur, dass sie nicht urteilen könnte und wollte über andere Religionen und steigerte sich wieder in ihre Kreuzigungsgeschichte.
Damit will ich das ganze Ereignis aber nicht herabwürdigen, es war wunderbar, hat mir sehr gefallen und auch das lange Gespräch mit Cheryl hat mir sehr gut getan. Wenn sie auch nicht in einem einzigen Gespräch gegen meine jahrzehntelange Kirchenfeindlichkeit ankommen konnte.
Das Dorf Bethlehem war originalgetreu nur mit Kerzen erleuchtet und es wurde darum gebeten, keinen Blitz zu verwenden, deshalb kann ich euch nicht viele Bilder präsentieren.
 
7.12.
Ich war tanken heute, aktuell kostet das normale Super 0,56 Euro /Liter. Damit kann man leben, nicht? Ich fahre ja den ganzen Tag in Daytona herum, wenig außerhalb, aber schon die Entfernungen innerhalb der Stadt sind groß, und ich tanke pro Woche etwa für 20 Dollar. Ach, wie wünsche ich mir das zuhause.
Kennt ihr Beauty Berries? Auf Deutsch Schönfrucht. Natürlich nicht, denn diese Art kommt nur im östlichen Nordamerika vor.
http://de.wikipedia.org/wiki/Amerikanische_Sch%C3%B6nfrucht
Der Name besteht ganz zu Recht, denn die Sträucher mit den pinkfarbenen Beeren sind wirklich sehr hübsch. Auf einer meiner Ausflüge erfuhr ich, dass die Beeren essbar sind, auf einer Farm wurden winzige Gläser mit Gelee angeboten, die sauteuer waren. Da dachte ich mir, das kann ich doch auch. Die Beeren werden im Juli reif, bleiben aber monatelang hängen und so gibt es noch genug. Was es aber nicht gibt ist Gelierzucker. Ich habe den Saft also nur mit Zucker gekocht und 1 Apfel fürs Pektin und 1 Zitrone für die Säure hinzu gegeben. Kurz gesagt: es wurde nichts. Zumindest kein Gelee. Aber ein wunderbarere Sirup. Hier werden ja gerne Pfannkuchen zum Frühstück gegessen, traditionell begossen mit Maple-Sirup (Ahorn). Nur ist kaum noch ein Sirup, den man kaufen kann, wirklich aus Ahorn gemacht und wenn sehr teuer, die Sirups im Supermarkt bestehen aus Maissirup mit einer Masse von künstlichen Aromastoffen. Da ist doch mein Schönbeerensirup ganz was anderes und ich habe mir sofort gefrorene Pfannkuchen gekauft.
 
9.12. Armes Kind, armes Land
Heute Nacht wurde das fünfte Kind in ebenso vielen Wochen, die ich hier bin, angeschossen. Es schlief zuhause im Bett, 4 Jahre alt, ein Unbekannter schoss von außen mehrmals auf das Haus, das Kind wurde getroffen und kam schwerverletzt ins Krankenhaus.

Aber denkt nur nicht, dass die Menschen hier mal aufwachen. Das einzige westliche Land, in dem die Bevölkerung legal Waffen haben darf und in keinem anderen Land werden so viele Menschen durch Schusswaffen verletzt oder getötet. Das interessiert aber niemand, jeder besteht darauf, seine Waffe im Nachtisch zu haben.
 
11.12. Immer wieder
Ich schäme mich schon fast, immer wieder auf das gleiche Thema zurückzukommen. Aber es ist nun einmal das, was in den Nachrichten kommt. Bei Gainesville gestern standen einige Jugendliche an einer Bushaltestelle, als plötzlich auf sie geschossen wurde. Ein 16Jähriger starb. In Orlando gab es einen Nachbarschaftsstreit, als plötzlich Schüsse fielen und ein 15Jähriger in den Rücken getroffen wurde. Er ist vermutlich querschnittsgelähmt.
Und ich führe hier nur die Fälle auf, die Kinder und Jugendliche betreffen, von den vielen erwachsenen Opfern will ich gar nicht anfangen.
Aber ebenfalls gestern stand eine Kolumne in der Lokalzeitung, die fast wortwörtlich meine Argumente gebracht hat, gegen Schusswaffen, dass die Bevölkerung endlich aufwachen sollte, keine Waffen auf Schulgelände (was hier gerade als Gesetzesvorlage liegt) und auch mit dem Hinweis, dass in Ländern ohne freien Waffengebrauch diese Anzahl von Vorkommnissen einfach nicht existiert. Aber solche Artikel sind mehr als selten, die Masse der Bevölkerung stimmt für die Waffen.
Ach, da fällt mir noch etwas ein. Seit ein paar Tagen ist hier das Geschrei riesengroß. Plötzlich (!) kam heraus, dass die USA doch ihre Gefangen im Irak und anderswo ganz entsetzlich foltert, menschenunwürdig, eine Person wurde allein 84 mal „Waterboarding“ unterzogen. Diskussionen über Diskussionen, auch der Präsident nimmt dazu Stellung. Er war es natürlich nicht, war noch der alte. Und man hat auch festgestellt, dass alle diese Maßnahmen nichts halfen, den Terrorismus abzuwenden. Auch nicht, Osama Bin-Laden zu finden. Was unter Obama geschah. Damit hat also auch er zugegeben, diese Methoden angewendet zu haben.
So eine kluge Erkenntnis.
Komisch. Wir wussten das schon lange.
Ich fürchte, wenn ich weiter so schreibe, steht bald die Homeland Security vor der Tür.
 
12.12. Die besten Jahre
Vorbei. Aus. Ende. 4 Wochen Boot Camp sind vorbei. Wie schade. Wir liefen noch mal wie am Anfang die eine Meile und machten unsere Situps. War lustig mit der Meile. Wir rannten alle zugleich los, ich natürlich in der Pole position. Und genau wie Schuhmacher habe ich das Feld sofort angeführt. Habe mich echt gewundert, dass zunächst niemand hinter mir war. Kurz vor dem Umkehrpunkt hat mich dann aber Jessie überholt, aber er läuft außer Konkurrenz, ist ein durchtrainierter 20jähriger, von Beruf Lifeguard am Strand. Er musste vor mir am Umkehrpunkt sein zur Kontrolle. Dort ein Fiver und umkehren. Ich immer noch weit vor allen. 4 Sekunden vor dem Ziel überholt mich doch plötzlich jemand, ich habe ihn nicht kommen gehört, hätte ich doch nur mal über meine Schulter geschaut. Er war dann 2 Sekunden vor mir im Ziel und ich war sauer. Meine Zeit war 10 Minten, 46 Sekunden, der erste hatte 44 Sekunden und alle anderen doch erheblich mehr. Lustig ist, dass ich ja die Älteste bin und er der zweite nach mir, schätze ihn auf 55. Laufen scheint doch eher ein Sport für Ältere zu sein, auch beim Marathon sieht man viele, und bei meinen 100 Meilen Läufern von Mhamid waren ja auch nur Alte. Alle anderen in meiner Gruppe sind viel jünger und waren ziemlich beeindruckt von meinem Spurt. Ich auch. Laufe ja sonst am Strand für mich alleine, da hat man keinen Vergleich. Alle sagten auch sofort, du hast aber bestimmt Erfahrung mit Laufen. Ach, ich war ganz gerührt. Wo ich doch erst seit einem Jahr laufe.
Anders sah es bei den Liegestützen aus. Da braucht man Kraft, keine Ausdauer, und da mangelt es bei mir. Beim Wiegen dann waren nur kleine Differenzen zu sehen, die meisten Werte haben sich um Stellen hinter dem Komma verbessert, nur der Flüssigkeitsgehalt ist zu niedrig, ich trinke zu wenig. Alter Fehler. Aber …. mein metabolisches Alter hat sich von 47 auf 45 Jahre verbessert! Ach, was fühle ich mich so toll.
Schade nur, dass es so nicht weitergehen kann. In der nächsten Woche ist erstmal kein Bootcamp, dann kommen die Feiertage, und im Januar geht’s schon wieder heim. Und dann drei Monate in Marokko, da sind die Sportmöglichkeiten sehr begrenzt und die ganze Kondition ist wieder futsch.
Bin dann noch am Strand gejoggt und habe einfach so vor mich hin sinniert. Was geht’s mir doch so gut. Dies sind die besten Jahre meines Lebens, die ich nun durchlebe. Den Arbeitsalltag endlich hinter mir, ich kann selbstbestimmt leben, kann mir die Arbeit, die ich ja immer noch mache, selbstständig einteilen und habe das Glück, außer in Deutschland noch in zwei anderen, wunderschönen Ländern zu Hause zu sein. So gut geht es nicht jedem und ich muss mir das öfter bewusst machen. Und begrenzt ist die Zeit auch. Eines Tages fangen die Wehwehchen an, Krankheiten kommen und ich kann diese schönen Reisen nicht mehr machen. So schwer es mir gefallen ist, mich vor einem Jahr von meinen beiden Katzen zu trennen, die ich sehr geliebt habe. Aber es war die richtige Entscheidung. Jetzt kann ich noch reisen, jetzt kann ich mein Leben genießen. Wer weiß, wie lange noch.
 
13.12. Das gibt es nur in USA
Weihnachtsparade in Spruce Creek ist immer etwas besonders. Ich habe diese Fliegergemeinde in mein Herz geschlossen, seit ich im Jahr 1997 in Daytona Beach meinen Flugschein gemacht habe und dann eingeladen wurde, vier Wochen dort zu wohnen. Es war das reinste Paradies. Spruce Creek hat einen eigenen Flugplatz und Rollwege führen zu den einzelnen Häusern. Zusätzlich zur Garage haben die Villen dann noch einen Hangar fürs Flugzeug. Klar dass hier keine Sozialhilfeempfänger wohnen. Viele sind auch ehemalige Airline-Piloten. Sie können sich nun nach der Rente ganz dem guten Leben, dem Golf und ihren „Toys“, wie man hier sagt, widmen. Ihren Spielzeugen. Das kann alles sein, was Spaß macht, schöne Motorräder, herrlich restaurierte alte Fahrzeuge, Flugzeuge, ja sogar Traktoren. Die alten Herren treffen sich oft mal abends, um zusammen in Formation zu fliegen, oder um einen Hundert-Dollar-Hamburger zu essen. So nennt man es, wenn man zum nächsten Flugplatz fliegt, um dort im Restaurant mal eben einen Hamburger zu bestellen. Hab ich in meiner aktiven Zeit auch ab und zu gemacht.
In der Weihnachtszeit dann ist immer eine Parade. Jeder schmückt seine Toys weihnachtlich, sich selbst auch und dann geht die Parade übers Rollfeld. Die Zuschauer kommen in ihren Golfcarts und stehen entlang der Runway. Es gibt Hot-Dogs und Soft Drinks, und alles kostenlos. Das ist auch für Fremde eine gute Gelegenheit, sich die Fly-in mal anzusehen, denn normal ist die Gemeinde durch ein Tor gesichert und nur Bewohner und angemeldete Besucher kommen hinein.
Doch zunächst findet eine Hochzeit statt. Inmitten des Weihnachtstrubels steht Lenny vor seinem Immobilienbüro und traut mal schnell ein junges Paar. Er ist auch Notar, und die können in Florida jedes Paar trauen, das eine Heiratslizenz hat. Den Bräutigam schätze ich auf Mitte 70, die Braut etwa 25 - 30 Jahre jünger. Sie kommt aus Russland, Internet lässt rufen. Aber da sieht man doch mal, wie man auch so sein Glück machen kann, der junge Bräutigam ist bestimmt nicht arm. Das ganze dauert keine 10 Minuten, dann zieht Lenny seinen Anzug aus, wirft sich ins Weihnachtsmannkostüm und hinauf auf seinen Zweidecker, in dem ich schon mal mit ihm Aerobatic geflogen bin. Das Brautpaar setzt sich in seinen weihnachtlich geschmückten Oldtimer, die – kurze - Hochzeitsreise ist gleichzeitig Parade.
Endlich geht der Zug los. Die Strecke ist superkurz, deshalb fahren alle bis auf die Flugzeuge in Schlangenlinien. Und das Wetter ist einfach himmlisch. In der Nacht und am Morgen war es noch empfindlich kühl, aber nun scheint die Sonne und ich komme ins Schwitzen. Und ich habe so viele alte Bekannte wiedergetroffen. Vorher hätte ich mir ihre Gesichter nicht mehr vorstellen können, aber wenn sie einem dann begegnen kommt Erkennen auf. Es war so schön. Nur schade, dass die engsten Freunde nicht mehr in Spruce wohnen, es ändert sich halt alles so schnell in Amerika.
Am Nachmittag dann hole ich Georg ab. Ich habe ihn und seine Freundin Andrea schon im letzten Jahr kennen gelernt. Sie waren mit dem Segelboot von den Bahamas gekommen, als sie wegen einem Motorschaden in Ponce Inlet anlegen mussten. Der Ort gefiel ihnen so gut, dass Georg beschloss, ein Haus hier zu kaufen. Georg ist vor ein paar Tagen von den Bermudas gekommen mit seinem Boot und Andrea wird morgen mit dem Flieger nachkommen. Ich hatte in der Woche so ein hübsches neues Lokal entdeckt, auf einem Hausboot gleich hier in Port Orange am Fluss, da will ich mit Georg hin einem Hamburger essen und die schöne Aussicht genießen. Wir suchen uns einen herrlichen Platz auf dem Dock, wunderhübsch, aber sobald die Sonne untergeht wird es doch wieder ziemlich kühl.
Macht nichts, ich muss sowieso heim, um mal wieder alles aufzuschreiben, was sich so ereignet hat. Wir werden sicher wieder eine gute Zeit haben, auch der Wetterbericht hat wieder mehr Wärme angekündigt.
 
20.12 Vögel am Strand von Daytona Beach
Jeden Nachmittag ist großes Möwentreffen am Strand. Die Konzentration ist um den Frank-Rendon-Park in Daytona Beach Shores. Tausende von Möwen kommen vom Landesinneren geflogen, viele auch von der Mülldeponie, in kleinen Gruppen, unermüdlich. Ein richtiges Meeting am Strand. Sie sitzen am Boden, den Schnabel in den Wind, lassen die Wellen heranspülen, schauen nach Essbarem. Erst wenn es dunkel wird fliegen sie hinaus aufs Meer, wo sie dann auf den Wellen schwimmend schlafen.
Zunächst denkt man, es sind nur zwei Vogelarten am Strand. Die große Gruppe der Möwen, die bestimmt an die 100.000 heranreicht. Dazwischen wuseln flink die kleinen Sanderlinge herum, die nicht eine Sekunde stillstehen, immer den Sand nach kleinen Krebsen durchpicken. Ab und zu dreht ein
Braunpelikan
seine Kreise hoch oben in den Lüften und lässt sich auch mal am Strand nieder, so als sei er der König, der sein Volk beherrscht. Aber wenn man genau hinschaut sieht man die Unterschiede.
Der
Sanderling
ist klein und rundlich, hat einen braun gesprenkelten Rücken, einen leuchtend weißen Bauch und schwarze Beine. Der
Steinwälzer
sieht ähnlich aus, aber ist schlanker, der Rücken dunkler, die Beinchen rosa. Beide können kaum stillstehen und picken mit ihrem langen spitzen Schnabel im Sand herum.
Bei den Möwen wird es schon schwieriger. Ich habe drei Arten entdeckt. Die überwiegende Masse sind die im englischen „laughing gull“ genannten Möwen, die merkwürdigerweise bei uns
Aztekenmöwen
heißen, während die in Deutsch Lachmöwe genannte Art eine ganz andere ist. Kompliziert macht das Erkennen aber die Tatsache, dass es unter den Aztekenmöwen sehr viele unterschiedliche Ausprägungen gibt. Die Möwen brauchen drei Jahre bis sie erwachsen sind und wechseln in dieser Zeit ihr Aussehen und Farbe stark. Am Anfang sind sie eher braun gesprenkelt, erst ab dem dritten Jahr bekommen sie einen weißen Bauch und einen grauen Rücken. Die schwarzen Schwanzfedern schmücken weiße Punkte. Aber immer haben sie schwarze Beine und Füße. Noch verwirrender aber ist, dass die offiziellen Fotos meist das prachtvolle Sommerkleid zur Brunst tragen, dabei haben die Möwen einen schwarzen Kopf und einen roten Schnabel, während der Kopfbereich im Winter heller wird, mal ganz weiß, mal gesprenkelt, und der Schnabel schwarz wird, zuweilen bleibt nur an der Spitze ein roter Punkt.
Die zweitstärkste Gruppe sind die
Ringschnabelmöwen
. Sie sind leicht zu erkennen, obwohl die erwachsenen Tiere an Rücken, Bauch und Schwanz ähnlich wie die Aztekenmöwen gemustert sind, auch die Größe ist ähnlich. Aber der große Unterschied sind die gelben Beine und Füße und der gelbe Schnabel, der an der Spitze von einem schwarzen Ring umgeben ist. Auch hier sind die Jungtiere braun gemustert, aber immer durch Schnabel und Beine von den Aztekenmöven zu unterscheiden.
Während diese beiden Gruppen meist auf dem Sand kurz vor den Wellen stehen, sieht man vereinzelte Möwen im flachen Wasser stehen, die durch ihre Größe auffallen, sie wirken fast wie große Hühner. Es ist die
amerikanische Silbermöwe
, die ob jung oder alt leicht an ihrer herausragenden Größe und den fleischfarbenen Beinen zu erkennen ist. Die ausgewachsenen Vögel sind farblich ähnlich wie die beiden anderen Möwengruppen, grauer Rücken, weiß gepunkteter Schwanz, weißer Bauch, nur die Beine sind fleischfarben. Und merkwürdigerweise gibt es sehr wenige ausgewachsene Tiere, sondern viel mehr Juvenile, die bräunlich gesprenkelt sind.
Neben diesen drei Möwenarten gibt es noch Seeschwalben, allerdings in geringerer Anzahl. Die
Königsseeschwalbe
ist leicht an ihrem leuchtend orangefarbenen Schnabel und der wild aussehende schwarzen Haube zu erkennen und kommt in kleinen Gruppen vor. Sehr selten zu Besuch, da sie eher an der Westküste zu Hause ist, ist die
Brandseeschwalbe
. Auch sie hat die schwarze Haube und ähnliche Größe und Form wie die Königsseeschwalbe, ist aber der Schnabel ist schwarz und macht sie sehr viel unscheinbarer. Trotz der gelben Spitze.
Und dann gibt es noch einen richtigen Exoten, den
Schwarzmantel-Scherenschnabel
. Er hält sich vor allem bei Ponce Inlet, am Ausgang des Halifax River zum Atlantik auf. Ein sehr hübscher Kerl in Möwengröße, der sofort an seinem großen Schnabel in orange und schwarz zu erkennen ist, auch die Beine sind leuchtend orange.
Nur selten sieht man zwischen all diesen Strandläufern den
Schlammtreter
, er fällt schon durch sein unscheinbares Aussehen kaum auf und gehört in eine andere Kategorie. Er tritt meist einzeln auf und sucht in den flachen Wellen nach Futter. Eine absolute Ausnahme ist der
Eistaucher
. Die im Aussehen an eine Ente erinnernde Art brütet in der Tundra und im borealen Nadelwald im nördlichen Nordamerika, in Grönland und auf Island und überwintert an den Küsten Nordamerikas und Europas, kommt nur selten bis nach Florida. Es gehört schon viel Glück dazu, einen zu beobachten, wie geschickt er in die Wellen taucht, um nach Fischen zu suchen.
Und dann ist da noch mein Lieblingsvogel, der
Bootsschwanz-Grackel
. Eigentlich hat er doch als normaler Vogel nichts am Strand verloren und sollte im Landesinnern nach Beeren und Insekten suchen. Aber er, der von weitem fast wie eine schwarze Krähe aussieht, leistet sich auch gerne mal einen kleinen Fisch oder Krebs. Und erst von nahem sieht man dann das tiefblau schimmernde Gefieder. Sein Weibchen dagegen ist kleiner, rundlicher und braun.
Dann gibt es noch zwei Vogelarten, die ab und zu tagsüber kommen und da am liebsten bei den Anglern sitzen und warten, dass ein paar Bissen für sie abfallen. Das ist zum einen der
Schneereiher
, leicht an seinen schicken schwarzen Beinen mit gelben Füßen zu erkennen, auch der Schnabel ist gelb-schwarz. Der Körper ist komplett weiß und wenn es heftig windet plustert sich ein Häubchen auf, das ihm ein lustiges Aussehen verleiht. Der
Silberreiher
ist größer, hat einen gelben Schnabel und schwarze Beine und Füße. Genau wie auch der Pelikan sitzen sie geduldig bei den Anglern und hoffen auf Leckerbissen, nicht nur am Strand, sondern auch an den Flüssen und Seen.
Dies waren nun 14 verschiedene Vögel, die ich am Strand gefunden habe. Wer sich dafür interessiert und auch ohne eine Reise nach Florida mehr darüber wissen will findet diese und noch viel mehr in meiner Guidewriter app „Central Florida Guide“.
 
20.12.
Ausgangssituation:
Mir ging’s gut. Richtig gut. Hab mich wohl gefühlt, viele Aktivitäten gemacht wie Vögel beobachten oder Boot Camp. Mit hat absolut nichts gefehlt. War glücklich. Hab bewusst und gesund gegessen, das Gewicht gehalten, sogar einige Gramm verloren.
 
Aktueller Zustand:
Mir geht’s Scheiße. Futtere mich durch den Kühlschrank, fühle mich von allen verlassen und benutzt. Trau mich morgens nicht auf die Waage.
 
Dazwischen:
Vor einem Jahr das Paar A+B in Florida kennengelernt. B hat hier ein Haus gekauft, A richtet es ein. Mit A (weiblich) eine nette Zeit, etwa 4 Wochen, verbracht, durch die Thrift Stores gezogen. Mit B weniger gesprochen.
Freue mich, in diesem Jahr wieder auf die Beiden zu treffen. Mal zusammen essen, Thrift Stores und dergleichen.
Doch Ende November trennen sich A und B. A fragt mich
„wie sieht es denn bei dir aus? hast du ein zimmer frei ab 14.12?“
Jaaah? Hab ich. Ich gehe davon aus, dass A versuchen will, mit B wieder ins Reine zu kommen. Ein paar Tage stelle ich mein Zimmer gern zur Verfügung, um den beiden zu helfen. Ich würde nie davon ausgehen, dass mehr gefragt ist.
Kurz vor dem 14. ruft B an und will mit mir sprechen. Ich will freundlich sein und sage zu. Höre mir die Geschichte von B an, von A würde ich erst mehr hören, wenn sie eingetroffen ist. B möchte gern A zurück und bittet mich um Hilfe.
Ich erinnere mich an die häufigen Vorwürfe, dass ich egoistisch bin und möchte das Gegenteil beweisen. Strenge mich an, um ein guter Vermittler zu sein.
A kommt. Alles in Butter. Erzählt ihre Geschichte. Sie will von B nichts mehr wissen.
Doch warum ist sie dann nach Florida gekommen? Sicher nicht, um mich flüchtige Bekannte zu besuchen. Ich habe auch nie gesagt, dass ich gerne einen längeren Hausgast hätte. Wollte nur kurzfristig aushelfen. Es scheint aber so, dass A gerne für die kalte Winterzeit in Florida bliebe, eventuell auch in meinem Haus nach meiner Abreise. Das ist mir nicht recht. Ich treffe gerne Leute, will aber danach für mich sein.
Am zweiten Tag kommt es zum zufälligen Zusammentreffen von A und B in meiner Straße. Ich finde die Atmosphäre eher freundlich und bitte beide ins Haus auf ein Gespräch. Gebe mein bestes, um zu vermitteln, Streit zu vermeiden und eine Lösung zu suchen. Schlage einen Waffenstillstand vor, während dem wir etwas zusammen unternehmen, um die Spannung zu entschärfen. B ist relativ ruhig und für Vorschläge zugängig, A kommt immer wieder auf die gleiche Leier zurück, kein Einlenken sichtbar.
Kein Waffenstillstand, statt dessen Gespräch zwischen A und mir. Ich bin nach Ansicht von A schuld. Sie wollte doch nur Zeit mit mir verbringen und ich bin an der schlechten Stimmung schuld, weil ich mit A gesprochen habe.
Ich bringe zum Ausdruck, dass ich mich in meiner Freiheit beschnitten fühle. Und ich habe sie nie eingeladen, doch zu mir nach Florida zu kommen.
Darauf bucht A einen Flug zurück nach Deutschland. Und bleibt in ihrem Zimmer, falls sie nicht mit jemand verabredet ist.
Von B kein Laut mehr.
Bin für beide nur noch der Fußabtreter und an allem schuld. Und fühle mich mies.
Helft nur niemals anderen!
 
21.12. Familienidylle
Die Menschen haben mich enttäuscht, deshalb wende ich mich heute wieder den Tieren zu, denn sie enttäuschen mich nicht. Und gleich geht’s mir viel besser. Vor ein paar Tagen habe ich wilde Tiere in einem Park bei New Smyrna gefunden, wilde Tiere, die wir eher als nicht wild kennen. Katzen. Richtige Hauskatzen. Ich kam zu einem Parkplatz in einem Naturpark und fand ein Alugefäß am Boden. Neugierig schaute ich hinein, es war leer. Doch im Gebüsch entdeckte ich blaue Augen, die mich beobachteten. Eine wunderschöne Katze, eine, die man eher auf einer Wohnzimmercouch finden würde. Und offenbar füttert sie jemand, wie das leere Gefäß zeigte. Dennoch schien sie Hunger zu haben.
Also hab ich Katzenfutter besorgt und fuhr heute Morgen zu dem Platz zurück. Mutter und Kind warteten bereits. Die Mutter, wie schon gesagt, fast eine Rassekatze, das Kind eher räudig. Sie verzogen sich sicherheitshalber ins Gebüsch. Ich füllte die Schalen, ging ins Auto und schon kam die Kleine. Bald auch die Mutter. Es schmeckte ihnen ganz offensichtlich gut …. bis!
Der Vater kam. Ein Blick und das Weibchen verschwand. Gut gezogen. Mein Kater hat seine Schwester auch immer so angeschaut. Das Kind war schon mutiger, aber traute sich dennoch nicht. Vater Kater fraß sich voll, begleitet von vier Augen aus dem Gebüsch. Hah, ich war schlauer. Hatte noch ein zweites Schälchen. Und dann kamen auch wieder Mutter und Kind. Man macht sich ja so seine Gedanken. Wurde die schöne Katze ausgesetzt? Oder ist sie mit dem Kater davongelaufen, wurde schwanger. Soll es ja auch bei den Menschen geben.
Dann ging es weiter nach New Smyrna und in den dortigen Park. In New Smyrna wird der Strand immer schmaler, hier kann man nicht mehr mit dem Auto fahren. Aber dafür gibt es wunderschöne Strandhäuser. Man hat nicht den Fehler wie in Daytona gemacht, und den Strand mit Hochhäusern vollgeknallt, die der Gemeinde zwar viel Grundsteuer bringen, aber auch die Nachmittagsonne komplett blocken. Hier stehen noch niedrige Privathäuser auf schönen Grundstücken, und alle haben einen herrlichen Holzplankenweg hinunter zum Strand. Hier möchte man wohnen, allerdings nicht während eines Hurrikans. Merkwürdig nur, dass fast ein Drittel der Häuser ein „zu verkaufen“ Schild haben.
Auf der Hochspannungsleitung war dann ein Treffen von Vögeln. Hunderte saßen da. Eigentlich hätte ich wissen müssen, was das für Vögel sind, gibt es sie doch auch bei uns. Aber zuhause habe ich mich noch nie für Vögel interessiert. Beim Hochschauen sah ich nur kleine schwarze Vögel, keine Ahnung, was das ist. Ich machte ein Foto mit meiner eher einfachen Digitalkamera, die aber doch ein gutes Zoom hat. Und erst zuhause kam dann die Überraschung. Es waren einfach nur Staren, die eigentlich aus Europa stammen, aber 1890 hat man aus einen Zoo in New York 100 Vögel frei gelassen, die inzwischen auf etwa 100 Millionen angewachsen sind. Und erst das gezoomte Foto hat mir gezeigt, wie wunderschön dieser Star ist.
Also wieder ein guter Tag, es geht bergauf. Auch mit dem Licht, ab heute werden die Tage länger. Obwohl wir uns hier in Florida wirklich nicht beklagen müssen.
 
23.12. Glaubensbekenntnis
Als ich vor kurzem in der Kirche war und den Gang durch Bethlehem machte, sprach ich danach mit einer Missionarin. Die Art, wie sie von ihrem Glauben sprach, wie sie mit einer Inbrunst und Überzeugung sagte, wir sind alle Sünder und nur für unsere Sünden ist Jesus am Kreuz gestorben, hat mich – die ich römisch-katholisch getauft wurde, aber dann als Erwachsene aus der Kirche austrat - doch eher abgeschreckt. Auch die Story von Maria, die als Jungfrau schwanger wurde, lässt mich nicht an einen Gott glauben.
Aber wenn ich hier durch die Parks wandere, die vielen verschiedenen Tiere betrachte, sehe, wie unzählig viele Arten es gibt und jede hat ihre ganz besondere Eigenheit, die sie von anderen unterscheidet und auch ihr Überleben möglich macht, dann bin ich doch beeindruckt. Und frage mich, wer all das geschaffen hat. So muss es ja ein göttliches Wesen sein, da auch der intelligenteste Mensch so etwas nicht zustande brächte. Und auch er wurde ja in Vollkommenheit geschaffen.
Aber erklären kann ich diese Wunder der Natur nicht. Nur andachtsvoll genießen.
Der Vogel des Tages, den ich heute früh getroffen habe, ist der Rotschwanz-Bussard.
 
26.12. Zahlen
Florida steht nach neuesten Statistiken von der Bevölkerungszahl her an dritter Stelle im Land nach Kalifornien und Texas, bisher stand es auf Platz 4. Es wohnen 19 893 Millionen Menschen hier, aber immer noch hat jeder Einwohner genau doppelt so viel Platz für sich wie ein Deutscher und auch ausreichend Parkfläche. Dabei sind nicht die vielen Snow-Birds erfasst, Urlauber/Rentner, die nur für den Winter kommen (so wie ich). Der Trend ins sonnige Florida ist ungebrochen und sicher auch ein Resultat der äußerst niedrigen Immobilienpreise, die immer noch nicht die Höhe von vor der großen Krise erreicht haben.
Heute folgt Teil 2 des Truthahn Tests, Butterball gegen Publix. Der tote Vogel ist gewürzt und gebuttert, geht gleich in den Ofen. Mal sehen, welcher letztendlich schmackhafter ist.
 
28.12.
Es gibt nicht viel zu schreiben in den letzten Tagen, nichts Aufregendes passiert und alle Events hier drehen sich nur um Weihnachten, was mich nicht interessiert. Außerdem neigt sich mein Aufenthalt dem Ende zu und es gibt noch viel zu erledigen. Nach dem letzten Regen hat die Mikrowelle wieder getropft und ich muss einen Dachdecker finden, aber über die Feiertage sieht das schlecht aus. Dann bin ich gestern den ganzen Tag einem Router hinterhergelaufen. Bisher mache ich es so, wenn ich ankomme, gehe ich zu Brighthouse und bestelle einen Router mit Internet für die Zeit meines Aufenthalts. Ein Monteur kommt, bringt den Router und schließt alles an. Am Ende bringe ich den Router zurück. Nun möchte ich aber meinen eigenen Router, damit das nicht alles wieder neu montiert werden muss. Alles nicht so einfach. Best Buy hat mir da nicht sehr geholfen, aber die Dame bei Brighthouse war sehr nett und hat mir erklärt, dass ich ein D3 Modem brauche. ???? Hab in Amazon geschaut, da gibt’s Router ab 15 $, aber sind das die richtigen? Bin also zu Jan und Gabor gefahren, die wohnen 100 Meter von mir und sind gerade über Weihnachten gekommen. Jan versteht eine Menge davon und wir finden heraus, welches Modem ich brauche. Also kann ich es nun bei Amazon bestellen, kostet aber 80 $, stelle dann meinen Vertrag um auf seasonal und kann dann immer an und abschalten lassen, wenn ich hier bin. Aber was solche Erledigungen für Zeit brauchen. Es war ein so wunderbares Wetter und ich habe es nicht zum Strand geschafft. Diese 10 Wochen hier gehen vorbei wie im Fluge, ich versuche im nächsten Jahr die vollen 12 Wochen auszuschöpfen, die ich hier bleiben kann.
Der Truthahn wurde übrigens verspeist und gewonnen hat die Hausmarke von Publix. War bei gleicher Zubereitung viel saftiger.
Am Abend ging’s dann noch ins First Turn. Wenn ich hier so ein paar Dinge mit nach Hause nehmen könnte wäre das in erster Linie der Strand inklusive der Sonne, dann die Parks mit ihren Tieren, aber gleich an dritter Stelle käme First Turn. Eine so nette Kneipe, sehr gemischtes Publikum, alle Altersstufen, und man kann auch als Frau sehr gut allein hingehen. Bin extra mit Bike hingefahren zu der Bikerkneipe, habe mein Bike auch gleich neben den Harleys geparkt, wenn es auch nur ein Fahrrad war. Gestern war ich zwar nicht alleine dort, daher konnte ich auch keine neuen Bekanntschaften schließen, aber die Musik war wie immer gut. Die haben fast jeden Abend eine Lifeband da, ist einfach unglaublich, und die Preise sind sehr manierlich. Bis 19 Uhr ist Happy Hour, ein Fassbier kostet 1 $, ein Margarita 3 $, die Stammkunden bestellen ein Bucket, das ist ein Blecheimerchen gefüllt mit 6 Flaschen Bier im Eis und kostet 12 $.
 
Später
Oh Gott, was für eine Aufregung. Ich habe es wohl herausgefordert mit meiner Bemerkung, „nichts Aufregendes passiert“. Kurz nachdem der Blog online war rief Georg an. Ob ich jemand zur Hand habe mit Motorrad-Führerschein. Und zwar sofort, Notfall. Die Polizei habe ihn gestoppt ohne Führerschein und wolle das Motorrad abschleppen lassen. Es muss sofort jemand kommen und ihn und das Motorrad holen, sie gaben ihm nur 20 Minuten, um das zu regeln. War nicht möglich, das Bike vorläufig zu parken, obwohl sie direkt an einem öffentlichen Parkplatz standen.
Ich habe keinen. Da fiel mir nur Jan ein, das könnte zu ihm passen. Also hab ich „emergency“ an Jan geskypt, alles stehen und liegen lassen und bin mit dem Fahrrad zu Jan gefahren, der mir die Tür in der Unterhose aufmachte und wunders dachte, was mir passiert sei. Jan war nicht begeistert, kam er doch gerade aus dem Bett, hatte noch kein Frühstück und vor allem seit 30 Jahren kein Motorrad gefahren. Aber einen Führerschein hat er.
Also fuhren wir alle drei inklusive Gabor Richtung Ponce Inlet, ich rief Georg noch mal an, dem die Polizisten ziemlich Dampf machten und einen Abschleppwagen rufen wollten. Wir sahen dann trotz Nebel die schönen Nicht-Weihnachts-Lichter blinken auf dem mit einem Leuchtturm geschmückten Polizei-SUV von Ponce Inlet. Und der Cop hatte noch einen schönen deutschen Namen, Schleifer. Aber war okay. Was war passiert? Georg fuhr zum Segelboot auf seinem Motorrad, hatte seine Sonnenbrille hochgeschoben, weil heute ein ziemlicher Nebel ist, der die Brille beschlug. Aber in Florida braucht man zwar keinen Helm oder sonstige Sicherheitskleidung zu tragen, nur, eine Brille, egal was für eine, muss man aufsetzen. Und weil er die hochgeschoben hatte wurde er angehalten. Ich hatte mir schon Gedanken gemacht, vielleicht noch Restalkohol vom Abend zuvor, oder so. Aber das eigentliche Problem war dann nicht die Brille, sondern der Führerschein, Georg hat keine Lizenz zum Führen eines Motorrads in USA.
Und war sehr froh, als wir eintrafen. Der Polizist inspizierte sehr genau Jan`s deutschen Führerschein (inkl. Bike), und monierte seinen amerikanischen (ohne Bike), aber ließ Gnade vor Recht ergehen und er konnte fahren. Gabor fuhr den Audi zurück, hatte doch tatsächlich seinen Führerschein im Haus vergessen, aber der Polizist kam nicht auf die Idee, nachzufragen. Ich hatte sowieso nur mein Telefon dabei, hatte zu Hause wirklich alles stehen und liegen und offen gelassen. Wir dann in langsamem Konvoi zurück, denn wie gesagt, Jan saß 30 Jahre auf keinem Motorrad. Aber nun sind alle wieder heil zu Hause und heute Abend wird das Ereignis mit einem schönen Essen ad acta gelegt. Lieben Dank nochmal an Jan und Gabor. Die ganze deutsche Kolonie stand zusammen.
 
30.12 Sonne und kein Meer
Es sind einfach wunderschöne Tage, so kann man den Winter aushalten. Wärmer als im Durchschnitt, aber trotzdem kam ich nicht an den Strand, einfach viel zu viel zu tun. Am Sonntag war ich im Dschungel, richtig drin, suchte den St. Francis Wanderweg, der über 7,7 Meilen geht, es ging wirklich mitten durch den Busch oder besser Sumpf, nach etwa der Hälfte traf ich zunächst ein junges Paar, das mir entgegen kam, aber ich versäumte, sie auf den Weg anzusprechen, was ich sehr bereute, denn der Weg stand mehr und mehr unter Wasser. Dann kam ein weiteres Paar, hätte nicht gedacht, dass in dieser Wildnis doch Menschen unterwegs sind, und klar habe ich sie angesprochen. Nach ein paar Worten fragte die Frau: „Sprechen Sie deutsch“. Aha, Landsleute. Aber auch sie waren zurückgegangen, weil das Wasser zu hoch stand. Und hatten auch mit dem jungen Paar gesprochen, das ebenfalls umkehren musste. Ich lief dennoch etwa 45 Minuten weiter, bis auch ich an die Stelle kam, wo nichts mehr ging. Nach drei Stunden war ich dann am Auto zurück, sah furchtbar aus! Völlig verschlammt, ein wenig zerstochen, aber vor allem von Dornen zerkratzt. Aber guter Laune, ich liebe solche Abenteuer. Leider konnte ich keine Vögel fotografieren, die Bäume waren viel zu hoch und zu dicht belaubt.
Ich dachte, ach ich hab noch Zeit, den Hontoon Park ganz in der Nähe zu besuchen. Er liegt auf einer Insel im St. John’s River und man muss mit einer kleinen Personenfähre übersetzen. Auf dem Nachbardock lag ein Alligator, am Himmel kreisten Vögel und ich bekam endlich einen neuen Vogel für meine Sammlung, einen Cormoran. Hier gefällt es mir. Leider war die Zeit viel zu kurz, ich war um 18 Uhr zum Essen verabredet und völlig verdreckt und muffelte auch. Also nicht wie heim, eine Stunde Fahrzeit, schnell den Schlamm abgespült und nichts wie hin zum Essen mit der deutschen Gemeinde. War wieder ein schöner Abend. Aber zum Hontoon Park muss ich noch mal zurück.
Am Montag dann hauptsächlich Dinge erledigt und am Abend fing dann ein neues Boot Camp an. Zwar kann ich es nicht bis zum Ende mitmachen, muss ja leider nach Hause, aber in der kurzen Zeit zwischen den Camps und mit den Feiertagen habe ich ein Kilo zugenommen. So geht das nicht! Da muss was geschehen!


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