Zusammenfassung November 2014 - Floridablog - Central Florida

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Zusammenfassung November 2014

Herausgegeben von Edith in Reisen · 30/11/2014 20:17:00
Tags: Florida
3.11.
Keine Menschen mehr nötig
Ich weiß ja echt nicht, wohin das noch führen soll. Bin heute von Frankfurt nach Atlanta geflogen. Die gewohnte Polizeikontrolle im Flughafen wurde nun durch Automaten ersetzt. Dann kam ich nach Atlanta. Selbst die US-Einreiseprozedur geht nun automatisch, allerdings nur, wenn man bereits einmal mit dem Esta eingereist ist. Man führt den Pass ein, die Fingerabdrücke werden verglichen und man wird dann noch fotografiert. Alles automatisch. Konnte nicht ins Cockpit sehen und weiß daher nicht, ob wenigstens der Pilot noch keine Maschine war. Eine positive Entwicklung aber doch: nachdem Delta schon seit etlichen Jahren die alkoholischen Getränke nur gegen Geld abgegeben hat, waren sie heute wieder kostenlos.
 
4.11. Der erste Tag in Florida.
In Deutschland begann das schlechte Wetter schon, mir aufs Gemüt zu schlagen. So gerne ich immer durch meinen Taunus gejoggt bin, so sehr hat die diesige, graue Witterung und das kalte Wetter in mir den Wunsch geweckt, mich zuhause einzuigeln. Und das will ich ja nicht, will ja aktiv sein und für meine Gesundheit sorgen. Hier in Florida erwarten mich Sonne und 24 Grad, da steigt meine Stimmung. Ab morgen soll es zwar runtergehen auf knapp 20 Grad und ein wenig Regen, aber das ist ja immer noch ganz gut für November.
Mein erster Tag ist voll gestopft mit Arbeit. Das Haus, das seit 8 Monaten leer steht, ist natürlich völlig verdreckt, zudem war mein Gärtner mehr als unzuverlässig und es sieht furchtbar aus. Aber zuerst muss ich die Zeitung bestellen. Schon wieder ein Automat am Telefon. Man lässt mich ewig warten und ich beschließe, hinzufahren. Dann brauche ich Internet im Haus. Und entscheide mich wieder für Brighthouse, ist immer noch das billigste, 25 $ pro Monat. Morgen kommt ein Installateur und schließt den Router an, am letzten Tag bringe ich ihn dann wieder zurück. Und das letzte Ziel auf meiner morgendlichen Tour ist natürlich Aldi, hier kaufe ich so richtig ein, denn Aldi liegt doch etliche Kilometer von meinem Haus entfernt.
Dann geht’s zum Strand. Es ist Ebbe und ich habe jede Menge Platz zum joggen. Ich staune, meine Kondition ist viel besser als im letzten Jahr, ich jogge 3 Meilen in 40 Minuten ohne walken dazwischen.
Doch nun hab ich Hunger. Ich habe bei Aldi Steaks gekauft, die brate ich und mache dazu Gemüse mit ein wenig Butter. Absolut köstlich, das Fleisch ist wunderbar. Kräftiger Geschmack, aber doch zart, so etwas bekomme ich zuhause nicht. Zum Glück ist es eine Großpackung, also wird es die kommenden Tage Steak geben. Es gibt Schlimmeres.
Ich nehme mir vor, an
Thanksgiving
mal richtig amerikanisch zu kochen, einen ganzen Butterball Turkey ganz für mich allein. Meine Schulkameradin Rita, die in den 1960ern einen Amerikaner geheiratet hat, hatte mich einmal dazu eingeladen und es hat toll geschmeckt. Das will ich nun nachmachen. Ich esse gerne auch kaltes Truthahnfleisch, damit kann man schöne Varianten machen und es reicht für einige Zeit. Aber wenn jemand zu Thanksgiving in Daytona Beach ist, nichts wie her.
Den Tag beschließe ich mit Gartenarbeit. Morgen wird Gartenabfall abgeholt, also will ich die erste Tonne voll machen. Es werden sicher noch sehr viele, so wie der Garten aussieht. Und hier wächst ja auch alles immer sehr schnell. Ich glaube, mein Nachbar Gene atmet richtig auf, dass ich da bin und es bald wieder zivilisiert aussehen wird.
 
5.11. Jetlag
Um 4:30 Uhr stehe ich auf. Kann einfach noch nicht länger schlafen, der Jetlag dauert bei mir meist eine Woche. Ich frühstücke gemütlich, meine Zeitung ist bereits da. Gestern war Wahl in Florida, der Republikaner Rick Scott hat gewonnen. Überhaupt sind die Reps auf dem Vormarsch. Zur Abstimmung stand auch die Frage, ob Marihuana als Heilmittel erlaubt sein soll. 60 % Ja-Stimmen wären nötig gewesen, aber es gab nur 58 % dafür.
Dann kommt der Mann von Brighthouse. Er installiert mir den Router, kostet pro Monat 25 $, geht noch. Alle anderen Varianten wären teurer gewesen. Das war’s für heute, keine Highlights mehr. Wetter war gut, warm, kein Wind, am Strand mit meinen neuen Fila-Schuhen für gut 20 Euro gejoggt.
 
6.11.
Besser war’s heute noch nicht. Um 3 Uhr aufgewacht, um 4.30 wieder beim Frühstück. Aber die Lektüre der Zeitung hat mir doch etliches gebracht, heute und die nächsten Tage ist volles Programm. Übrigens habe ich einen sehr guten Freund hier. Schon am 1. Tag hat er mich sofort wiedererkannt und begrüßt, der rote Kater. Er kommt immer für ein paar Streicheleinheiten vorbei. Es sind insgesamt drei wilde Katzen in meiner Straße, aber nur der rote Kater kommt zu mir. Fressen will er nichts, nur schmusen. Das Fressen der Nachbarin ist offensichtlich besser oder er ist ein guter Jäger. Die Schale Katzenfutter, die ich hinstelle, wird dann erst nachts von den Waschbären geleert. Nur wollen die nicht schmusen.
Der erste Programmpunkt heute ist der Farmers Market. So etwas gab es bisher nur in Daytona, nun auch in Port Orange. Das muss ich mir anschauen. Aber ich bin doch etwas enttäuscht. Farmprodukte gibt es kaum, dafür einen guten Musiker, die amerikanische Version einer Gulaschkanone und einige Stände mit allerlei Dingen, die man nicht unbedingt braucht. Ein Bauer ist da mit superdicken Eiern, die würde ich gerne haben, aber er verkauft sie nur 20-Stückweise. Ich vertröste ihn auf nächste Woche, habe ja noch genug zuhause.
Dann geht’s zur Eröffnung der Volusia Mall, die ist zwar nicht neu, sondern feiert schon ihren 40sten Geburtstag, aber sie wurde neu renoviert. Deshalb gibt es heute feierliche Eröffnung mit Frühstück. Ich bin dort und werde von einer Reporterin des News Journal interviewed, mal sehen, ob ich es morgen lesen kann. Das Frühstück ist bescheiden und auch die Mall hat sich nicht wirklich verändert.
Zuhause gibt es eine Variante meines Steakfleisches vom Aldi. Heute in Scheiben geschnitten, mit Zwiebeln, Brokkoli und Möhren gebraten und mit Sojasauce gewürzt, eher noch köstlicher als gestern. Dazu brauche ich weder Nudeln noch Kartoffeln, habe genug Kohlehydrate durch das schlechte Frühstück. Warum nur muss ich immer zugreifen, wenn es etwas umsonst gibt? Auch wenn es schrecklich schmeckt.
Dann aber zum Strand, wenigstens den Sport brauche ich heute, wenn auch ein wenig abgekürzt, denn um 16 Uhr will ich ja zur Eröffnung der Volusia County Fair da sein.
Und die war wie immer. Ein großer Vergnügungspark, für nur 15 $ kauft man ein Bändchen und kann sich dann auf allen Fahrgeschäften vergnügen. Teuer finde ich dagegen die Essensangebote und fett dazu. Kein Wunder, dass die meisten Leute, die hier herumlaufen, zu dick sind. Ich schaue mir die Seelöwenshow an, die ist nett. Und auch das irre Tier-Rennen, wo etwa ein Schwein, eine Ziege, ein Truthahn und eine Gans um die Wette rennen. Dazu gibt’s Musik und als ich aufbreche staune ich, wie viele Fahrzeuge inzwischen hier stehen. Am Eröffnungstag ist freier Eintritt, wohl deshalb. Es ist eine richtige Bauernausstellung, die hier ihre besten Tiere präsentieren, die dann auch prämiert werden. Auch in Florida gezogene Zierpflanzen sind ausgestellt.
Auf dem Heimweg besuche ich noch Jerry, der mitten im Wald in einem selbst gebauten Dome-Haus wohnt, alles aus Holz. So etwas sieht man nicht oft. Er hat ein Grundstück von 10 acre, keine Ahnung, was das bei uns wäre, aber mit seinem supermodernen Sitzmäher braucht er 5 Stunden, um sein Grundstück zu mähen. Und er kann nie in Urlaub fahren, weil er für seine Katze keinen Sitter bekommt, niemand möchte gerne so einsam im Wald wohnen. Ich auch nicht.
 
7.11. Reporter berichten immer die Wahrheit
Heute bis 5.30 Uhr geschlafen, was für ein Fortschritt! Lese natürlich zum Frühstück wieder das News Journal und schaue, ob mein Name erwähnt ist. Ja, ist er. Aber mein Zitat über meine Bewertung der Mall ist frei aus der Luft gegriffen, eine nette Fantasie hat die junge Dame.
Übrigens muss ich mal ein Lob auf die Thrift Shops aussprechen. Die gibt es hier an jeder Straßenecke. Diese Läden werden meist von Kirchen betrieben, man gibt seinen alten Kram dorthin und er wird dann für einen guten Zweck verkauft. Man kann manchmal richtige Schnäppchen ergattern. Ich habe eine Krups-Kaffeemaschine, die Kaffee, Espresso und Dampf machen kann. Leider ging mir bereits im letzten Jahr die Kanne kaputt und ich musste eine neue Maschine kaufen. Gestern fand ich im Thrift Shop genau die richtige Größe, für nur 1 $ läuft die Maschine wieder und ich kann meinen leckeren Milchkaffee zubereiten.
Heute soll ja der Wetterumschwung kommen. Die Sonne scheint weiterhin, aber es windet, und daher ist es auch etwas kühler. Aber immer noch sehr nett.
 
8.11. Strandgut
Dauernd wird Regen angekündigt, aber noch immer ist es sonnig und warm. Bin deshalb mal gleich nach dem Frühstück zum Strand, damit ich den Lauf hinter mir habe, bevor es regnet. Im Meer muss ein richtiges Ungeheuer zugange sein, wenn ich so seine Essensreste sehe, die heute früh an den Strand gespült wurden. Der Kopf eines Delfins und der magere Rest eines Alligators. Ich glaube, ich gehe lieber nicht schwimmen.
Sehr viel schöner ist es dagegen am Nachmittag in meinem Garten. Ich habe hinter dem Haus einen kleinen, wilden, ungepflegten Teich. Und dort hat sich eine niedliche Entenfamilie angesiedelt, mit 5 Jungen. Sie haben überhaupt keine Angst vor mir, lassen sich nicht stören beim Putzen und dann wird den Kleinen noch das Schwimmen beigebracht. Niedlich.
Um 18 Uhr steht ein Open Air Kino in Ormond auf dem Programm, dort will ich mich mit einem Bekannten treffen. Aber schon so gegen 16 Uhr kommen die ersten dunklen Wolken, das sieht schlecht aus fürs Kino. Ich fahre zwar trotzdem nach Ormond und verlebe einen preiswerten Abend. Für 1,39 $ bekommen wir zwei Kaffee bei McDonald und sitzen etliche Stunden bei einem netten Gespräch. Kein Kino, draußen regnets.
 
9.11. Regen
Es hat die ganze Nacht durchgeregnet, ich höre immer wieder wie die Tropfen aufs Aluminiumdach prasseln. Ich beschließe, mich zu Hause einzuigeln und mein spannendes Buch zu lesen. Ich lese am liebsten Krimis, in diesem Fall einen alten von Sue Crafton. Kaum zu glauben, wie kriminalistische Untersuchungen laufen konnten in Zeiten, bevor es Handies gab.
 
10.11.
Was für ein Tag! Nachdem mich der Regen gestern doch etwas deprimiert hat und der heutige Tag sogar noch schlimmer ist, es gab bisher noch keine Minute ohne Regen, habe ich beschlossen, etwas dagegen zu tun. Und mich mit jemand zu treffen, an den ich durch eine Dating-Website geriet. Unglaublich. Einfach toll. Wir trafen uns gegen Mittag im Starbucks, redeten und redeten, fanden unheimlich viel gemeinsames und ebenso viel trennendes. Ein toller Typ, obwohl in meinem Alter ist er immer noch der Hippie geblieben und hatte trotzdem immer gute Jobs. War zum Beispiel mal Psychologe bei der New Yorker Polizei, Flight Attendant bei Delta und Coach für Beziehungsfragen. Trug zu seinen Jeans T-Shirt, Socken und Turnschuhe im bunten Batikmuster, wie es in den 60ern üblich war. Also wirklich genau mein Typ. Gestern hatte ich einen Bewegungsmelder gekauft, den ich aber nicht montieren konnte, also lud ich ihn ein, mir doch bei der Montage zu helfen (sprich: es ihn machen zu lassen). Das klappte und zum Dank lud ich ihn zu selbst gemachter Pizza ein. Eben ging David, aber dazwischen lagen 5 Stunden intensive Gespräche. Er ist übrigens Buddhist, war sowohl bereits mit einer Chinesin als auch mit einer Thailänderin verheiratet und hat 6 Kinder. Und den Regen vergisst man bei dem vielen Reden ganz, es schüttet auch jetzt noch ohne Unterlass.
Noch etwas Aufregendes ist geschehen. Ich war ja vorgestern mit einem Bekannten auf einen Kaffee im McDonalds. Und der sagte mir gerade, dass dieser McDonalds mit einer Schusswaffe überfallen wurde. Das hätte ja auch uns treffen können. Ohgottogott.
 
11.11. Überfall
Endlich wieder Sonne! Da bin ich doch gleich ein ganz anderer Mensch. Und kann wieder raus gehen, um meinen roten Kater zu begrüßen. Ist immer lustig, er kommt, lässt sich von allen Seiten kraulen, wälzt sich über den Boden, während seine Kumpane von einiger Entfernung eifersüchtig zuschauen. Wälzen sich auch auf dem Boden, trauen sich aber nicht, bis zu mir zu kommen.
Die Zeitung zum Frühstück gibt mir auch die näheren Umstände des McDonalds – Überfalls. Es war ein Insider-Job. Ich war ja am Samstagabend dort, und eigentlich sollte es da schon stattfinden. Wurde dann aber auf Sonntag um Mitternacht verschoben. Von den 5 Mitarbeitern ging einer schon früher, zog sich eine Maske um und kam mit einer Waffe zurück als das Restaurant schloss. Eine Mitarbeiterin hatte eine Tür offen gelassen. Der Räuber fesselte zwei der Mitarbeiter und sandte die Managerin und eine Mitarbeiterin hinaus, stahl das Geld und verschwand. Nur – die Managerin erkannte seine Stimme und rief ihn beim Namen. Als die Polizei kam, den Täter fand und sich das Überwachungsvideo ansah, stellten sie fest, dass die eine Mitarbeiterin kurz vor dem Überfall mit ihrem Handy textete, sie prüfte das Handy und fand heraus, dass die beiden den Überfall abgesprochen hatten. Also, kein Kunde in Gefahr, keiner verletzt, stümperhafte Täter gefasst.
Heute ist Veteran’s Day. Eine große Festivität hier, in jedem Ort wird irgendetwas offizielles veranstaltet. Kein Wunder, wenn man so viele jungen Männer in den Tod schickt, muss man ja irgendetwas Feierliches unternehmen, damit noch weitere folgen. Ich hab mir ein paar der Reden und feierlichen Acts in Ponce Inlet angeschaut, aber konnte es doch nicht bis zum Schluss aushalten.
 
13.11. Florida – pro und contra
Ich habe ja nun mal mein kleines Haus und bin daher verpflichtet, auch her zu kommen. Nach dem Rechten zu sehen, es in Schuss zu halten. Aber gekauft habe ich es in einer anderen Zeit, unter anderen Voraussetzungen. Einerseits kam ich her zum Fliegen, was ich nicht mehr tue. Andererseits gefielen mir das Land und seine Bewohner, es war die Clinton Ära. Doch seitdem hat sich viel geändert und ich überlege oft, ob ich es auch weiterhin behalte.
Pro
Schön ist hier vor allem das Klima. Richtige Kälte gibt es kaum, und wenn dann nur für ein paar Tage. Winterjacken sind fast unbekannt, die Sonne scheint an mehr als 300 Tagen im Jahr. Dann der Strand. Er ist nur wenige Minuten von meinem Heim entfernt, ich bin täglich dort, um zu joggen und die frische Meerluft zu genießen. Herrlich ist das ungezwungene Outfit. Hier kann man sich kleiden, ganz wie man will. Am Dienstag war ich erst joggen, dann in der gleichen Turnhose zum Veteran’s Day in Ponce Inlet, wo feierlich der Gefallenen und Versehrten gedacht wurde, dann zum Publix Supermarkt, wo ich dem Japaner zugeschaut habe, der kunstvoll sein Sushi wickelt, vor der Tür in der warmen Sonne einen kostenlosen Kaffee getrunken, der immer bereit steht, am Higi Blutdruck und Gewicht geprüft, dann zum Home Depot, um ein paar Pflanzen fürs Haus zu kaufen, alles ohne mich umzuziehen. Und keinem fällt’s auf. Und überall kann man direkt davor parken. Die für mich wichtige Bücherei hat täglich geöffnet, auch die Zeitung liegt selbst am Sonntag vor der Tür. Die Natur ist wunderbar, reich an Pflanzen und Tieren, beginnt gleich in meinem Vorgarten, ich liebe die Naturparks, von denen es etliche gleich in der Nähe gibt und meine Unterkunft bietet den Vorteil, dass ich alles da habe, was ich brauche, ob es die für Floridas Klima richtige Kleidung ist oder der Strandstuhl.
Contra
Zunächst die von Jahr zu Jahr steigenden Flugpreise, die vor allem in den Schulferien für eine Familie nicht mehr zu bezahlen sind. Dann die lästigen Sicherheitskontrollen. Schon vor der Reise muss man das kostenpflichtige ESTA machen, muss vorher der Fluggesellschaft Passdaten und Adresse in USA angeben, wird fotografiert, alle Fingerabdrücke genommen, das ist schon erniedrigend.
Dann vor allem das politische System. Dieses Land hat mal für Freiheit und Demokratie gestanden, davon ist nicht mehr viel übrig. Hier hat nur der das Sagen, der das meiste Geld hat. Die großen Konzerne dominieren alles. Auch uns. Schrecklich war die Zeit der Bush-Ära, wo sich die Bevölkerung in zwei Lager geteilt hat und wo man sehr vorsichtig sein musste, wie man sich äußert. Doch auch Obama hat nicht die Hoffnungen erfüllt, die ich in ihn gesetzt hatte. Die sinnvolle Krankenversicherung hat er nur mit Mühe durchbekommen, aber sie wird ganz sicher unter dem nächsten Präsident, der sicher ein Republikaner ist, wieder abgeschafft werden. Und militärisch hat er sich ganz sicher nicht seinen Friedensnobelpreis verdient. Er hat den Druck so sehr erhöht, dass erst dadurch die Radikalisierung der Islamisten ausgelöst wurde. Hier war neulich ein Bericht in der Zeitung, wonach fast alle maßgeblichen Mitglieder der Führung des IS in dem grausamen US-Gefängnis im Irak saßen. Sie sind so unmenschlich gefoltert worden, dass dies die Grausamkeit des IS erst geschaffen hat.
Doch genau wie im politischen Bereich dreht sich die Spirale der Gewalt auch im persönlichen immer höher. Das Schusswaffenproblem ist riesig, wird immer schlimmer. Was ist das für eine Freiheit, eine Schusswaffe im Haus haben zu dürfen? In dem relativ kleinen Volusia County, in dem ich hier lebe, ist täglich ein Bericht in den News, wo es eine Schießerei gegeben hat. Manchmal auch mehrere pro Tag. Es sind einfach zu viele Schießeisen im Umlauf. Gerade gestern erst hat ein 9jähriges Mädchen auf ihren 8jährigen Bruder geschossen, zum Glück lebt er noch, ist aber verletzt im Krankenhaus. Die Waffe lag zu Hause rum. Vor einer Woche hat ein 30jähriger Sohn, der bisher absolut unauffällig war und ein gutes Verhältnis zu seinen Eltern gehabt hat, diese erschossen. Den Vater mit 6 Schüssen, davon 3 in den Kopf, die Mutter mit 3, davon einer von hinten. Als er nach 8 Tagen 800 Meilen entfernt wegen eines Verkehrsdelikts gestoppt werden sollte, schoss er sich in den Kopf. Mit einer Pistole. Die Eltern hatte er mit einem Gewehr erschossen. Warum, wieso, keiner weiß es.
Dann so etwas Banales wie den Lebensmitteleinkauf. Ich ernähre mich gesund, esse viel Gemüse. Gemüse ist hier sehr, sehr teuer. Egal was, Kartoffeln, Zuccini, Tomaten, mindestens dreimal so teuer als bei uns. Selbst bei Aldi. Wenn eine junge Mutter ihre Familie verpflegen will kommt sie mit McDonalds und Co. bzw. mit Fertiggerichten finanziell viel besser hin als mit frischen Zutaten selbst zu kochen. Wer wundert sich da noch, dass es hier so viele Fette gibt.
 
14.11. Florida – Fazit
Alle die aufgezählten Pros kann ich direkt spüren, die warme Sonne auf meiner Haut, der herrliche Strand für meinen Morgenlauf, einfach das ganze helle, fröhliche Klima um mich im Gegensatz zum winterlichen, nasskalten Grau in Deutschland wirkt sich direkt auf mein Befinden aus. Es ist auch ein wichtiger Punkt für mich, dass ich jederzeit in den Wagen springen, zu meinen Erledigungen fahren und direkt vor dem Haus parken kann. Will ich von Taunusstein aus etwas in Wiesbaden besorgen muss ich immer vorher sorgfältig planen, wo ich das Fahrzeug abstelle und dann noch weite Strecken laufen. Parkhäuser sind horrend teuer, Parkuhren auch und haben noch den Nachteil, dass ich ja vorher nicht weiß, wie viel Zeit ich benötige. Kostenfreie Parkmöglichkeiten sind in der Innenstadt nicht mehr vorhanden. Hier geht alles schnell, unkompliziert und locker. Kein Geschäft, keine Behörde ohne eigenen kostenlosen Parkplatz.
Alle die Contras spielen sich mehr in meinem Kopf ab. Sobald ich die Einreiseprozedur hinter mir habe bekomme ich die eigentliche Überwachung aller Personen ja nicht mehr mit. Mit den Schusswaffen komme ich auch nicht in Berührung, weil ich in einer ruhigen Umgebung wohne und abends nicht viel ausgehe. Die außenpolitische Sache berührt mich ja auch nur in meinen Gedanken, und das auch zu Hause, dort stehen wir genauso unter dem Einfluss der Handlungen der USA.
Also bleibt alles wie gehabt, das Haus ist da und wird genutzt und ich freue mich schon darauf, auch den nächsten Winter hier zu verbringen. Entscheidung vorläufig aufgeschoben.
 
14.11. Sorgen eines Hausbesitzers
In Florida ist eins wichtig: und das ist, dass der Rasen ordentlich geschnitten wird. Ich muss also in meiner Abwesenheit dafür sorgen, dass dies fein säuberlich geschieht. Aber in den wenigen Jahren meiner Florida-Residenz habe ich da doch schon etliches erlebt. Der erste Gärtner war Mike. Er war dazu noch ein netter Nachbar und Freund, Alkoholiker zwar, aber ein Freundlicher. Wenn ich vorbei kam fragte er immer: Want a cool one? Es lief auch in meiner Abwesenheit ganz gut, ich zahlte im Voraus, doch eines Tages schrieb mein Nachbar, Mike sei nicht mehr da. Sozusagen über Nacht weg. Was war geschehen?
Sein Schwiegervater, in dessen Haus er mit seiner Frau wohnte, um sich um die alten Leute zu kümmern, hatte ohne Wissen der Familie eine Hypothek aufgenommen und das Geld verspielt. Und über Nacht warf die Bank alle raus, als nicht mehr gezahlt werden konnte. Die Alten mussten ins Heim, Mike und Frau zogen nach Norden, wo ihre erwachsenen Kinder leben.
Also musste ein neuer Gärtner her. Auch Jerry lebte in der Nachbarschaft und kümmerte sich eine ganze Weile sehr gut um mein Grundstück. Er war schon über 70 und depressiv, das führte dazu, dass er eines Tages den Job hinschmiss. Auf Anraten seines Arztes holte er sich einen Hund ins Haus, der ihm auch einige Jahre über seine Depression hinweghalf. Doch eines Tages kam die Polizei auf den Ruf eines Nachbarn, der einen Schuss gehört hatte. Jerry hatte zunächst den Hund mit einem Messer getötet, dann sich selbst mit einer Flinte in den Kopf geschossen, er lebte noch ein paar Tage, kam aber nicht mehr zu sich. (Mal wieder das Schusswaffenproblem in USA)
Ich hatte ja inzwischen einen neuen Gärtner, Michael. Auch er schon älter, lebte von einer sehr kleinen Rente und brauchte den Zuverdienst dringend. Doch als ich im letzten Jahr herkam war er gerade ein paar Tage vorher gestorben, seine Gesundheit war schon eine Weile sehr schlecht, wenn wir das auch nicht erwartet hätten.
Ich fand auf Empfehlung aus der Nachbarschaft Rob, ein jüngerer Mann mit drei Kindern. Der Anblick seines Hauses und seines Autos zeigte, dass er dringend einen Zuverdienst brauchte. Ich gab ihm entgegen dem Rat meines Nachbarn Gene eine Chance. Aber leider behielt Gene recht. Auch Rob bezahlte ich im Voraus, erhielt aber lediglich Fotos von meinem Nachbar von dem unordentlichen Garten, wo das Gras wild wuchs. Rob bemühte sich kaum, auf heftiges Drängen meinerseits schickte er mal Frau und halbwüchsigen Sohn zum mähen. Mit Müh und Not konnte ich die Nachbarschaft so lange hinhalten, bis ich selbst vor Ort war.
Und heute nun kam Frank! Ein Profi. Der Sohn holte sofort den Kantenschneider, bereinigte die Grenzen des Rasens, Vater Frank fuhr auf dem Sitzmäher, der Sohn trimmte dann die Ecken, wo der Mäher nicht hinkam und die beiden mühten sich redlich. Danach noch mit dem Gebläse alles schön sauber gemacht, ja, so soll es sein.
Das schönste an der Geschichte: sie sind auch nicht teurer als die Amateure aus der Nachbarschaft.
 
15.11. Einmal einen Stingray streicheln
Das Marine Science Center in Ponce Inlet, Florida, ist ein Hospital für kranke Seevögel und alle Tiere, die über seine Schwelle gebracht werden, es besteht seit 10 Jahren. Sie werden gesund gepflegt und falls möglich wieder in die Freiheit entlassen. Im November findet dort immer ein Tag der offenen Tür statt, wirklich sehenswert. Einige der Vögel, die nicht mehr in Freiheit leben können, kann man ganz nah anschauen, wie den Rotschwanzbussard. Als er aus dem Ei geschlüpft war bemerkte seine Mutter, dass er auf einem Auge blind ist und warf ihn aus dem Nest, er hätte keine Überlebenschance. Zum Glück wurde er gefunden und lebt schon 10 Jahre im Center. Dann konnten wir einer OP an einer Schildkröte zuschauen. Die größte Gefahr für die Seetiere ist der Abfall, den die Menschen einfach ins Meer werfen. So haben die Tiere immer wieder Haken oder Plastikteile im Körper, was sich für sie tödlich auswirkt. Interessant auch, dass viele Bussards an Bleivergiftung sterben, denn sie fressen auch tote Tiere, die geschossen wurden und feinverteilte Reste der Bleikugeln im Kadaver haben.
Aber das schönste waren die kuhnasigen Stingrays, die wir streicheln konnten. Diese kleinen Burschen sind ganz gewitzt, schwimmen immer am Rand des Beckens entlang und lassen sich total gern anfassen. Manchmal spucken sie, doch sie beißen nicht, obwohl sie mit
ihren
Zahnplatten
so feste Nahrung wie
Venusmuscheln, Krabben und
Austern zerquetschen können
.
Fühlt sich ein wenig klitschig an, fast wie ein Pilzhut.
In den Ferien gibt es dort Sommercamps für Kinder, wie gerne würde ich meine Enkelin mal dorthin schicken. Sie würde nicht nur viel über die Natur lernen, sondern auch ihr Englisch verbessern.
 
16.11. Privater Naturpark
Ich wusste es ja schon immer, mein Garten ist ein richtiger Naturpark. Heute sah ich in angegebener Reihenfolge zunächst einen Blauhäher, wirklich wunderschön. Dann haben sich wieder die Schildkröten auf meinem Rasen gesonnt, aber sie sind sehr scheu und gleiten sofort ins Wasser, wenn sie mich sehen. Trotzdem habe ich sie erwischt. Nicht jedoch den Silberreiher. Aber eben kam der Clou. Eigentlich ein ganz unspektakulärer Spatz, dachte ich, aber google belehrte mich, dass dieser Florida Heuschrecken Spatz eben nur in Florida vorkommt, vom Aussterben bedroht ist und nur ganz selten zu sehen ist.
Und das alles an nur einem Tag. Wen ich gar nicht erst erwähnen will, weil sie immer da sind, sind die Grauhörnchen und die winzigen Leguane. Und die Raubvögel, die in der Luft soaren, ohne dass ich sie identifizieren kann.
Ansonsten war es wieder ein wunderbarer Tag, warm und sonnig. Im Fernsehen reden sie mal wieder von einer Kaltfront, die rollt hier regelmäßig durch und die machen einen unglaublichen Wind darüber. Gegen Deutschland ist das nichts. Seit ich hier bin kommt regelmäßig fünf Tage warmes Wetter und zwei Tage Kaltfront. Damit kann man leben.
 
19.11. Wetter und so
Das Wetter ist doch das merkwürdigste Phänomen hier. Obwohl in Daytona täglich irgendwelche Überfälle und Schießereien passieren, die ganze Nachrichtensendungen füllen können, ist doch das Thema Nummer 1 immer das Wetter. Und ganz besonders heute. Seit ich hier bin rollt in regelmäßigem Abstand eine zweitägige Kältewelle übers Land, gefolgt von fünf schönen Tagen. Diesmal war es ganz extrem. Noch am Montag war es richtig schön warm mit 25 Grad, heute Nacht war es knapp über dem Gefrierpunkt, zum Wochenende sind wieder über 20 Grad gemeldet. Heute berichten die Reporter unentwegt über die Kälte, stehen an Schulbushaltestellen, um zu sehen, ob die Schulkinder warm eingepackt sind, die Unterkünfte für die Obdachlosen wurden geöffnet. Wenn man dagegen den hohen Schnee sieht, der im Mittleren Westen liegt, ist das hier gar nichts, aber die Floridianer sind es halt nicht gewöhnt. Hab auch gestern meine frisch gepflanzte Minze abgedeckt. Aber das schlimmste ist, dass wegen der Kälte meine für heute geplante Kanutour abgesagt wurde, und es gibt keinen neuen Termin für dieses Jahr.
Nächste Woche Donnerstag ist Thanksgiving, hier ein noch größerer Feiertag als Weihnachten. Verständlich und richtig, dass die Geschäfte geschlossen sind, damit jeder mit der Familie feiern kann. Aber – kaum zu glauben – um 18 Uhr, sobald der letzte Brocken verspeist ist, öffnen sie. Und haben dann (falls gewünscht vom Inhaber) die ganze Nacht bis zum Abend des nächsten Tages geöffnet, der berühmte Black Friday, der hier bei Verwaltungen arbeitsfrei ist und deshalb der größte Einkaufstag des Jahres so kurz vor Weihnachten.
Auf meinem kleinen Notebook habe ich ausprobiert, wie gut man deutsches Fernsehen über Internet sehen kann und bin begeistert. ARD und ZDF senden sogar live und dann gibt’s ja noch die Mediathek. Also bin ich los zu Best Buy, um mir einen Smart TV zu kaufen wie ich ihn auch zu Hause habe, mit vollwertigem Internet-Zugang. Habe mir einen schönen Philips-TV zu einem guten Preis gekauft, bin heim und hab’s installiert. Und dann kam die große Enttäuschung. Ja, mit dem Internet ist er über Wifi verbunden, aber es gibt keinen Browser, der es ermöglicht, jede beliebige Internetseite zu öffnen, sondern nur Zugang zu bestimmten Apps wie Facebook, Youtube, Netflix oder so. Damit kann ich nichts anfangen. Habe ihn also sofort zurückgebracht und bis dahin zumindest noch gedacht, es läge an meinem billigen Modell. Aber nein, der Mitarbeiter sagte, in USA seien alle Smart-TV so, keiner hat einen Browser. Sehr ärgerlich und sehr rückständig. Er meinte die meisten Amerikaner würden die Technik nicht verstehen, daher würde es nicht angeboten. Nun, in Deutschland haben wir die gleichen Marken, es wäre also möglich. High-Tech-USA! Nun muss ich also weiterhin auf meinem winzigen Bildschirm fernsehen, schade. Aber hab Geld gespart.
 
Noch 19.11, Boot-Camp
Da mein Kanutrip wegen Kälte ausgefallen ist habe ich nach anderen Veranstaltungen gesucht, natürlich nur nach kostenlosen. Und fand den Hinweis auf ein Boot-Camp. Das kenne ich eigentlich nur als Bezeichnung für ein Camp, in dem schwer erziehbaren Jugendlichen ein wenig Benimm eingeprügelt wird. Da aber dabei stand „Full Circle Nutrition“ hab ich es als nicht ganz so schlimm angesehen. Es stellte sich heraus, dass es von Herbalife ist, die bieten ein Diätprodukt, mit dem nicht nur das Fett dahin schmelzen kann, sondern auch die Finanzen. Aber das Boot-Camp ist frei, und zunächst wurden meine Körperdaten gemessen, man schätzte mein metabolisches Alter auf 47, das ist doch was!
Ich habe mir dann abends mein neues Fitness-Outfit eingepackt, mit dem ich am Strand laufe, Hose bis zum Knie, Shirt mit ganz kurzen Armen, Tasche, Handtuch und was man so braucht.
Komme dann also hin, 18 Uhr, 10 °C. Als erstes sagte man mir, dass ich mein Auto umparken muss. Hatte mich schon gewundert, dass ich so ganz allein auf dem großen Parkplatz stand. Dann wurde ich aufs Klo geschickt zum Umziehen. Und dann vor die Tür, auf ebendiesen Parkplatz, mit meinem dünnen Zeug, direkt an der vielbefahrenen US 1, bei 10 Grad! Klitzkleine Matte, und dann gings los. Erstmal um den Block gerannt, und dann Boden-Übungen. Die waren zwar mehr oder weniger normal, aber die Location fand ich doch mehr als merkwürdig. Und vor allem die Kälte. Ich war absolut nicht dafür angezogen, dachte doch, das findet in der Halle statt. Nun bin ich mal gespannt, ob ich eine Erkältung bekomme. Gehe auf jeden Fall am Freitag wieder hin, der Kurs ist Montag, Mittwoch und Freitag. Bis jetzt hat man mir noch kein Herbalife angedreht.
 
20.11. Schon wieder Schießerei
Ich sprach ja schon von den vielen Schießereien hier, die täglich passieren, ohne dass ich es erwähne. Aber als ich heute aufwachte und die News anschaltete war ein Riesenaufstand, Pressekonferenz bereits 6 Uhr morgens. Um 0:30 Uhr, als sich noch etwa 300 fleißige Studenten in der Universitätsbibliothek von Tallahassee befanden, kam es zu einer Schießerei. Die Polizei war sehr schnell am Ort, konnte den Täter stellen, er schoss auf die Polizisten, wonach er dann von diesen erschossen wurde. Drei Studenten sind im Krankenhaus, zum Glück keiner tot, mehrere Studenten gering verletzt.
Noch 20.11.
Omigod, was geht’s mir schlecht! Heute früh habe es noch geschafft, zum Strand zu gehen und zu joggen. Aber nun tut mir jeder einzelne Muskel weh, ich sage nur: Boot-Camp! Heute haben wir übrigens 19 Grad. Da bleib ich einfach mal auf dem Sofa und lese. Faye Kellerman.
 
21.11.
Auszug aus den heutigen Nachrichten, alle Orte in der Nähe, aber nicht meine Stadt:
Ocala: Zwei Jungs, 14 und 17, spielten mit einer Waffe, wobei sich ein Schuss löste und der 14jährige starb. Das war bereits am 29.10., nun entschied ein Richter mitgeteilt, dass der 17jährige wegen der Sache nicht belangt wird, nur wegen unerlaubtem Waffenbesitz.
Deleon Springs, 10.11.14: Ein 20jähriger Angestellter eines Ladens bekam Besuch von einem 23jährigen Bekannten. Er holte den Revolver, der im Laden als Schutz vor Überfällen aufbewahrt wird, hervor und schoss, angeblich unabsichtlich, dem Freund in die Schulter. Dieser wurde per Hubschrauber ins Krankhaus gebracht und befindet sich noch immer in Lebensgefahr.
 
21.11. Busy, busy …
Was für ein Tag! Von Anfang bis Ende voll ausgefüllt. Heute fand die „Farm-Tour“ statt, ausgesuchte Farmen in Zentral-Florida konnten besucht werden; es war ein Rundweg vorgegeben, aber man musste selbst hinfahren. Ich habe mir vier Stellen ausgesucht, wobei aber nur zwei wirklich Farmen waren. Das erste Ziel war der Tiger Bay Nationalpark. Dort waren verschiedene Stände aufgebaut, wo die Ranger jeweils alles rund um den Wald und die Vegetation erklärten, man konnte sogar einen jungen Pinien-Setzling mitnehmen. Leider nichts für mich, musste vor Jahren meine zwei großen Pinienbäume umhauen lassen, weil der Nachbar Angst, dass sie während eines Hurricans auf sein Haus fallen. Aber die Flyer mit der Beschreibung der Wanderwege habe ich mitgenommen, das muss ich bald mal machen.
Dann ging es zum Barberville Pionier Settlement. Hier hat man ein altes Dorf aufgebaut, damit die Kinder sehen, wie das Leben früher war. Sieben Schulklassen liefen auf dem Gelände herum und unsere Gruppe auch noch. War aber ganz nett. Dann zur ersten Farm, die mich aber eher enttäuscht hat, es gab nicht sehr viel zu sehen. Die zweite war schon sehr viel besser, größer und vor allem sehr anderes als unsere Farmen. Hier wurde nicht in normale Erde gepflanzt, sondern der Boden war mit Plastikplanen bedeckt, von Erde sah man nichts, stattdessen waren an Pfählen Styroportöpfe aufgehängt, in denen von Erdbeeren bis zu Salat, Tomaten, Kräutern, Bohnen wirklich alles wuchs. Die Erdbeeren waren jetzt im November gerade am Blühen, ich weiß nicht, die wievielte Ernte für dieses Jahr. Und ich bekam auch meine frischen Kräuter für den Truthahn.
Dann bekam ich Hunger und wollte in so einen richtig alten Diner gehen. Ganz einfach, weil ja weit draußen auf dem Lande. Er hatte zwar geöffnet, aber keinen Strom, man konnte keine Gäste empfangen. Aber Take-away, also ließ ich mir ein schönes Spare Rib Sandwhich machen. Es liegt mir noch immer im Magen!
Die Farm Tour war damit vorbei, aber ich war genau vor meinem Lieblingspark angekommen, dem Lake Woodruff Nationalpark. Den liebe ich einfach und gehe bei jedem Florida-Aufenthalt mindestens einmal dort hin, denn dort findet man Alligatoren. Der Park ist ganz offen, kein Zaun drumherum, keine Aufpasser, kein Eintrittsgeld. Und wer zum ersten Mal da ist sieht vielleicht absolut keinen Alligator. Denn diese Viecher wissen sich sehr gut zu tarnen. Aber ich habe inzwischen ein Auge dafür und weiß auch, an welchen Ecken sie am liebsten auf eine knackige Beute lauern. Zwei hab ich gefunden. Und ein Gürteltier. Und natürlich wieder alle möglichen Vögel. Und Schildkröten.
Dann heim, kurz ausgeruht, und nichts wie hin zum Boot Camp. Langsam dämmert mir, woher der Name kommt. Es erinnert ein wenig an militärisches Training, ist genauso anstrengend. Zum Glück ist der Trainer aber lieb, er sagt nichts, wenn man ein wenig moderater mitturnt. Wenn ich mich so umsehe dann bin ich vielleicht nicht die Dickste, aber ganz bestimmt die Älteste, und da kann man doch ganz stolz sein, wenn man einigermaßen mitkommt.
So, und nun zuhause noch blog geschrieben, ich bin am Ende!
 
23.11. Publix und Turkey
Publix ist hier der beste Supermarkt, teurer zwar als andere, aber sehr gut sortiert und ein Japaner, der immer frisches Sushi macht. Ein Laden wurde nun vollständig renoviert und wiedereröffnet, natürlich mit guten Angeboten. Deshalb bin ich heute dorthin. So viel Personal hab ich mein Lebtag nicht gesehen in einem Supermarkt. Etwa 4 Leute zur Begrüßung, an jeder Reihe 2 – 3 Leute zum Helfen, an jeder Kasse drei, einer zum Empfang, einer zum Kassieren, einer zum Einpacken, bestimmt 60 Leute in dem Laden. Man wollte mir die Sachen zum Auto bringen, aber so alt bin ich ja noch nicht.
Und ein Turkey für die Hälfte. Nun habe ich zwei, einen guten Butterball Turkey zu 15 $, den ich bis Weihnachten aufhebe, und einen Publix Turkey zu 7,50 $, gleiches Gewicht. Bin mal gespannt, ob es einen Geschmacksunterschied gibt. Der neu gekaufte Thanksgiving Turkey wird ab heute aufgetaut, er braucht dazu drei Tage, und dann wird er noch einen Tag mariniert. Wenn er fertig gebraten ist mach ich ein Foto.
 
23.11. Deland Fall Festival of the Arts
Ach, das war doch mal wieder ein Tag! Zuerst hatte ich gar keine rechte Lust, bis nach Deland zu fahren. Aber dann riss ich mich doch von der Couch hoch und fuhr die ca. 50 km. Und es hat sich voll gelohnt. Deland ist ja ein hübsches Städtchen mit nur 23.000 Einwohnern, ganz unüblich in USA hat es ein nettes Zentrum mit einer Geschäftsstraße, die eingerahmt ist von wunderbaren alten Häusern, und dort gibt es jede Menge Boutiquen und kleine Restaurants. In der zweiten Novemberhälfte findet Samstag und Sonntag das Kunstfestival statt, und deshalb fuhr ich also hin. Das Wetter war so an der Grenze, schwül-warmer Rekord nach dem Kälterekord nur einige Tage zuvor. Aber es blieb trocken.
In der Hauptstraße waren Buden aufgebaut, dort zeigten Künstler und Kunsthandwerker ihre beachtlichen Produkte. Anders als bei uns gab es nur wenige Essensbuden, im Gegensatz zu uns aber massenweise Parkplätze, ich fand einen Platz 20 Meter von der Action, wo gäbe es das in Wiesbaden? Aber es kommen halt auch nur sehr viel weniger Menschen, schade eigentlich, denn was gezeigt wurde war echt toll. Als weiteren Pluspunkt empfand ich, dass es an vielen Stellen offenes Wifi gab, und mittendrin rief mich sogar Zoe an, sie hatte nämlich gerade ihren Geburtstag gefeiert.
Im Athens Theater wurden den ganzen Tag über Performances gezeigt, ich erlebte Bauchtanz, Ballett und Kinderchor, und auf zwei Bühnen in der Stadt spielten Bands. Sehr verwunderlich, dass das Publikum hauptsächlich in mittleren Jahren war, denn Deland ist eine Stadt mit einer sehr berühmten Universität, der Stetson University. Aber von den Studenten sah ich keinen einzigen, dabei war die Band, die ich am Nachmittag fand einfach grandios. Wahnsinn was die für eine Stimmung erzeugten und sogar ein kleines Grüppchen Fans anzog. Ich dachte nur immer, whow, die sind sehr viel besser als die Gruppen, die ich in Wiesbaden so erlebe, sogar besser als Basement de luxe (dies nur für Insider). Aber heute habe ich Trae Pierce and the T-Stone Band gegoogelt und muss natürlich sagen, dass er mit seiner Band schon ein paar Klassen über Mallet steht. Er gewann vier Grammy Awards, drei Dove Awards und 2010 kam er in die Alabama Hall of Fame.
Ein toller Typ. Fünf Farbige und drei Weiße auf der Bühne, aber nicht nur dort. Trae kam runter ins Publikum, schüttelte jedem die Hand, und selbst die älteste Oma musste irgendwie mit ihren Beinen zucken. Das war Musik, das war Show. Lustig für mich Deutsche war aber, dass er sogar die Nationalhymne spielte, alle aufstanden und die Hand aufs Herz legten (nein, ich nicht!).
Hier Links zu Trae Pierce
http://www.sonicbids.com/band/traepiercethetstoneband/
http://youtu.be/SR-x7sIUjVI
Und ein paar Fotos
 
26.11. Wetter Update
Das Wetter scheint zur Zeit ja überall verrückt zu spielen. In Marokko waren starke Unwetter, zahlreiche Menschen starben, viele Brücken sind zerstört und es ist noch kein Ende abzusehen. Aber auch in Florida ist es extrem. Innerhalb dieses Monats hatten wir zunächst eine Rekordkälte für die Jahreszeit, am 24.11. dann eine Rekordhitze, es war zudem schwül wie im Sommer, und nun noch einen Rekordregen. Gestern hat es ohne Unterbrechung geregnet und ziemlich heftig. Daytona hat über 6 inches Regen bekommen, auch das wieder ein Rekord. Und hier gibt’s keine Kanalisation, hier steht das Wasser oft auf der Straße. Ich habe in meiner Hütte einen Vorraum, da regnet es immer bei starkem Regen durch, so auch diesmal. Der Dachdecker hat schon alles versucht, aber nichts hilft. Und in dem Raum stehen Waschmaschine und Trockner, ist also nicht so ideal. Aber gestern Abend plötzlich trau ich meinen Augen nicht. Unter der Mikrowelle alles nass. Nun muss man wissen, dass ich eine Kochinsel habe, unten der Herd, darüber ein Aufbau mit Mikrowelle, darüber dann gleich die Decke. Man kann also nichts sehen. Hab dann den Dunstfilter aufgemacht und es tröpfelte. Aber heute morgen geht die Mikrowelle noch, zum Glück. Es regnet zwar immer noch, aber nicht mehr so heftig wie gestern, es scheint nur bei sehr starkem Regen etwas durchzukommen. Ist halt wirklich eine alte Hütte hier, es braucht mich echt keiner zu beneiden.
Morgen ist also der große Tag, Thanksgiving. Deshalb hab ich heute mal meinen Turkey aus dem Kühlschrank geholt, wo er seit 3 Tagen vor sich hintaut. Sieht gut aus. Früher hat man Truthähne ja gefüllt, aber alle raten heutzutage davon ab. Grund ist, dass durch die Füllung nicht genug Hitze in den Innenraum kommt und sich Salmonellen bilden können. Zudem ist dieser ganze Turkey ja nur für meine Person, es wird also kein ausladendes Menü geben, sondern nur das geröstete Federvieh, Erbsen und Püree aus Süßkartoffeln. Ich habe innen und außen alles mit einer Paste aus Salz, frischem Rosmarin und Zitronenschale abgerieben, nun muss er weiter ruhen.
Es ist nun 10 Uhr am Morgen, um 13 Uhr hab ich einen Termin mit meinem Personal Trainer zum Laufen, aber es regnet immer noch, bitte drückt mir die Daumen, dass es bald aufhört.
 
26.11. Deutscher unter Mordverdacht
Oh, oh, nun hat es einen Deutschen getroffen. Er steht nun im Mittelpunkt der News und der Sprecher sagte so richtig gehässig, Pascal wird sein Heimatland nie wieder sehen, wird lebenslänglich hinter Gittern sein oder hingerichtet. Wie heißt es bei uns? Unschuldig, bis das Gegenteil bewiesen ist?
Was ist geschehen? Der 19 jährige Pascal Kaufmann heiratete erst am 17.11.14 eine junge Amerikanerin mit dreijähriger Tochter. Genau eine Woche darauf kam die Kleine mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus und starb kurz danach. Kaufmann wird beschuldigt, diesen Tod verursacht zu haben. Mehr ist noch nicht bekannt.
 
Boot Camp
Ich hab mal wieder Asphalt geküsst. Kam gerade vom Boot Camp zurück. Bin total begeistert. Es ist richtig, richtig anstrengend, aber macht Spaß. Spaß deshalb, weil die Trainer toll sind und vor allem auch, weil alles kostenlos ist. Das gibt es so schnell sicher nicht mehr. Aber ganz von vorne: Ich verbringe zur Zeit den kalten Herbst im sonnigen Florida. Und damit es mir nicht langweilig wird suche ich alle möglichen Aktivitäten, aber nur solche, die kostenlos sind. So fand ich die Anzeige von dem Boot Camp, hatte absolut keine Ahnung, was das ist. Full Circle Nutrition nennt sich die Gruppe, die das anbietet. Auch hier erstmal absolut keine Ahnung. Dann erfuhr ich, dass Herbalife dahinter steckt, ein Schlankheitsprogramm, das hier gerade sehr beliebt ist. Verschiedene Drinks und andere Produkte werden angeboten, die eine ausgewogene Ernährung ermöglichen sollen. Aber nicht nur das. Man legt ganz großen Wert auf das entsprechende sportliche Training. Und hat sich entschieden, das Boot Camp kostenlos anzubieten, um allen Mitgliedern eine Möglichkeit zum Training zu geben, anderswo kostet das leicht 180 $ pro 4-Wochen-Kurs. Und die Jungs und Mädchen geben sich richtig Mühe, es ist eine richtige Familie entstanden. Jeden Tag irgendwelche Aktivitäten, normal Boot Camp dreimal die Woche, morgens vor der Arbeit und am Abend. Aber morgen an Thanksgiving ein extra Training um 7:30 Uhr, danach Frühstück. Und am Freitag fällt das Training aus, dafür am Abend Thanksgiving Dinner, jeder bringt was Gesundes mit.
Am Samstag Vormittag dann Training direkt am Beach, ich habe es noch nicht mitgemacht, freue mich aber darauf.
Und wo findet das ganze statt? Man glaubt es kaum. Auf dem großen Parkplatz vor dem Haus direkt an der Bundesstrasse US 1. Einfach so auf dem Asphalt. Und kein Mensch stört sich daran. Die Übungen sind sehr anstrengend, zum Beispiel fangen wir erstmal mit 50 Hampelmännern an, dann 25 andere (Name vergessen), dann wieder 50, wieder 25. Dann rennen wir um den Platz. Das Programm danach ist immer anders, irgendwann muss ich wohl von der Ambulanz nach Hause gefahren werden, es geht echt an Grenzen.
Und natürlich wurde jeder Teilnehmer zuvor gewogen, gemessen, Körperfett usw., 1 Meile mussten wir laufen, alles wird aufgeschrieben und nach 4 Wochen soll dann hoffentlich eine Verbesserung eintreten. Die meisten nehmen dazu natürlich die Shakes von Herbalife, ich aber nicht, ich habe eigentlich nichts abzunehmen und ernähre mich ja ausgewogen. Es gibt aber auch keinerlei Zwang auf mich, doch was zu kaufen. Ist einfach nur toll. Ich fühle mich aufgehoben und werde es in Taunusstein vermissen.
 
27.11. Thanksgiving
Gleich am Morgen ging’s zum Boot Camp. Ausnahmsweise am Morgen, wegen dem Feiertag, damit wir uns noch mal so richtig auspowern, bevor wir uns den Magen voll schlagen. Ich bewundere die Leute. Wir hatten heute drei Trainer gleichzeitig, sie beginnen zwar immer gleich mit den unzähligen Hampelmännern, aber danach kommt jeweils ein anderes Programm, sie sind total engagiert und immer gut drauf. Gestern Abend waren 10 Stationen aufgebaut, die wir nacheinander abarbeiten mussten, immer auf dem blanken Asphalt. Aber der war ja nach 36 Stunden heftigen Dauerregen blitzeblank. Heute Morgen konnte ich aber mal schnell ein paar Fotos machen, denn es war ja hell im Gegensatz zum Abendtraining. Einen richtig guten Eindruck bekommt man aber nicht, denn ich kann ja nicht lange fotografieren.
Als ich dann um 9 Uhr heimkam musste zunächst der Truthahn in den Ofen, er braucht ja fast 4 Stunden. Danach Wäsche gewaschen und die Terrasse geputzt, die von dem Regen ziemlich schmutzig war. Aber dann wurde gefeiert. Ich habe mich ja voll auf den amerikanischen Hauptfeiertag eingeschworen und wollte genau so feiern wie die Leute hier, minus meine Familie. Ich hätte jemand einladen können, aber an so einem Tag wollte ich nicht Halbfremde um mich herum haben und habe es so richtig feierlich und absichtlich nur für mich gemacht. Zunächst zur Einstimmung einen Caipirinha - dazu gesalzene Nüsschen - auf der nun sauberen Terrasse, dann endlich Truthahn. Ich hab’s ganz puristisch gemacht, nur Erbsen mit Minze und Püree aus Süßkartoffeln. Aber es war supergut, der Schenkel ganz saftig. Der Vorteil, wenn man so ein Viech alleine isst: es gibt keinen Streit darüber, wer einen Schenkel bekommt. Es war wirklich fantastisch, hat sehr gut geschmeckt, aber wenn ich mir ansehe, wie viel Fleisch nun noch übrig ist, dann brauche ich mir die nächsten Tage keinen Kopf zu machen, was ich einkaufen soll.
Ja, und dann – nach einem Verdauungsschläfchen -, ging mir das mit dem Black Friday durch den Kopf. Das wollte ich mir doch mal ansehen. Das arme Verkaufspersonal muss ja bereits am Nachmittag die liebe Familie verlassen und zur Arbeitsstelle rasen, der Freitag nach Thanksgiving ist nun mal der verkaufsstärkste des Jahres und beginnt nun schon am Donnerstag um 17 Uhr. Ich bin zur Plaza mit Best Buy (Elektronik), Sports Authority und Barnes & Noble (Bücher). Vor dem Buchladen keiner, vor dem Sportladen 17 wartende Personen und vor Best Buy etwa 200 in einer wohlgeordneten Schlange. Ich brauchte ja nichts, also ging ich erstmal zum Sportladen. Aus irgendeinem Grund ließ er die Leute vor verschlossener Tür warten. Dann eben nicht. Best Buy dagegen öffnete pünktlich und ließ immer einen Schub von Menschen hinein. Dennoch ging es recht schnell und ich konnte auch rein. Muss man ja mal gesehen haben. Die Angebote waren schon toll, im Flur die großen Kartons aufgebaut, 1 Minute nach 5 kam schon der erste mit einem riesigen TV wieder raus.
Aber die Armen, die nach ihm kamen. Es waren so lange Schlangen, dass eine Angestellte ein großes Schild hochhielt „end of line“, damit man erkennen konnte, wo man sich einreiht. War schon unglaublich, schlimmer als die Eröffnung eines Media Marktes bei uns. Aber auch hier: ausreichend Parkplätze!
Dann in die Mall. Nur JCPenny hatte schon um 17 Uhr auf, die anderen erst um 18 Uhr und so ging ich halt dorthin, denn es war noch keine 6. Fand ein warmes Outfit für meinen Sport und dann die Schlange. Sie sah lange nicht so schlimm aus wie bei Best Buy, aber es war die Hölle. Ging einfach nicht vorwärts. Ich dachte nur immer, ach, wenn die doch das Kassenpersonal bei Aldi schulen lassen würden. Aber ein Problem scheint auch zu sein, dass die meisten mit Kreditkarte zahlen und an einem solchen Abend, wo das ganze Land einkauft, sind die Leitungen einfach überlastet. Ich schätze, es waren mindestens 30 Minuten Wartezeit, aber sie wurden verkürzt durch nette Gespräche mit den anderen Frauen. Da ich Sportsachen hatte kamen wir auf mein Workout zu sprechen, die Dame fragte, wo ich denn sei, und natürlich kannte und schätzte sie mein Boot Camp. Gleich konnten wir uns über die Mitarbeiter austauschen, ach, der eine, der hat doch so schöne Augen. Haha. Das ist Matt, mein persönlicher Couch. Aber auch John ist toll. Ein großer schlanker, sehr sportlicher Mann. Ich hatte es für Marketinggerede gehalten, als er sagte, er hätte über 20 Kilo abgenommen. Aber er zeigte mir Fotos, vorher, nachher und ich war perplex.
 
29.11.
Mein schönstes Erlebnis heute war die Begegnung mit der Eule. Ein Riesen-Vogel. Ich hätte ihn nicht gesehen, wenn er nicht gerade zu einem Baum geflogen wäre. Nun sitzt der Streifenkauz aber hoch oben und schaut mich mit seinen großen dunklen Augen an. Die Art wird bis 55 cm lang und das ist er auch, der stolze Kerl, hat keine Angst vor mir. Obwohl er nicht unbedingt selten ist, ist es doch schwierig, den Nachtjäger am Tage zu sehen und zu fotografieren. Damit ist mein Tag gerettet. Auch das Wetter ist sehr schön und ich habe schon am Morgen meinen Strandlauf gemacht.
Gestern Abend war das Thanksgiving-Essen bei meiner Sportgruppe. Mal wieder einfach super. Während mein eigenes Turkey-Essen ja eher spartanisch war, hatte ich hier Gelegenheit, das ganze Ausmaß eines solchen Mahles kennen zu lernen. Neben Truthahnfleisch satt gab es die unterschiedlichsten Beilagen, jeder hatte etwas mitgebracht. Interessant fand ich das Püree von Süßkartoffeln überbacken mit Marshmellows. Auch die anderen Beilagen waren sehr typisch, und alle sehr kalorienreich. Ich hatte extra für die gesundheitsbewussten Leute meine Karottenrohkost mit Cranberries und Cashews gemacht, aber irgendwie traf das doch nicht ganz so den Geschmack. Und erst das Nachtischbuffet, es war einfach grandios. Danach müssen wir doppelt so viel trainieren.
Dazu gab es noch Entertainment. Eine Sängerin mit Gitarre und eine Tänzerin, die mit einem leuchtenden Hula Hoop Reifen tanzte, beides sehr schön und professionell. Sehr typisch war aber auch, dass die ganze Veranstaltung nach nicht mal zwei Stunden vorbei war, jeder ging heim. Komisch. Wir hätten sicher noch Stunden gesessen und geredet.
Und abends hat es dann geschneit in Daytona Beach!
Hier fängt ja nun langsam die Einstimmung auf Weihnachten an, die irgendwie noch völlig an mir vorbei geht. Das Anzünden des Weihnachtsbaumes wurde groß gefeiert mit einem Strandlauf in Kostümen, Schnee und Musik. Irgendwie nichts für mich, ich bin lieber heimgefahren.
 
30.11. Typisch amerikanisch?
„Go ahead, sweety.“ Wo in Deutschland würde man so etwa zu einer Dame sagen, die das sechste Lebensjahrzehnt schon erreicht hat. Selbst die Kassiererin spricht mich mit „Honey“ an. So etwas gibt’s nur hier in USA.
Auch nur hier gibt es die lebenden Reklametafeln. Sie stehen vorwiegend am Wochenende an großen Kreuzungen, sind oft lustig kostümiert und schwenken ihre Tafeln so, dass die vorbeifahrenden Autofahrer die Angebote lesen können.
Das Thema Schusswaffen ist natürlich weiterhin aktuell. Daher ist natürlich auch ein beliebtes Wochenendhobby der Besuch des Schießstandes. In den vier Wochen, die ich hier bin, sind im Verbreitungsgebiet 4 Kinder unter 12 aus dem unterschiedlichsten Gründen angeschossen worden. Ein 12Jähriger, der mit einer Spielzeugpistole herumfuchtelte, ist von der Polizei erschossen worden (Warnschüsse kennen die hier nicht). Und wer nun denkt, es wird langsam darüber diskutiert, die Schusswaffen zu reduzieren, den muss ich enttäuschen. Stattdessen wird ein Gesetz diskutiert, Schusswaffen auch an Schulen zu erlauben. Da war das Gesetz, das letzte Woche herauskam, ja noch harmlos. Es erlaubt Reklame innerhalb des Schulgeländes.
Hier geht wirklich nur noch um die Industrie, nicht mehr um Menschen. Und ich bekomme Panik, wenn ich an die laufenden Freihandelsgespräche mit den USA denke.


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