Ich will hier nicht weg! - Floridablog - Central Florida

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Ich will hier nicht weg!

Herausgegeben von Edith in Reisen · 4/1/2015 15:22:00
Tags: Florida
Das Leben ist einfach schön hier. Langeweile kenne ich nicht, das Wetter ist meistens toll, jede Menge zu tun, nette Leute, herrliche Natur, was will ich mehr.
Als ich 1996 zum erstenmal nach Florida kam tat ich das, um meinen Flugschein zu machen. In meinen Augen war Florida ein Land für Rentner, voller alter, langweiliger Leute, aber die Aussicht, in einem fremden Land etwas zu tun, hier eben den Flugschein, fand ich viel interessanter, als dies zuhause zu tun. So kann man gut Land und Leute kennenlernen, besser als in einem Urlaub. Die ersten Jahre war ich auch völlig ausgelastet mit Flugschule, später mit den berühmten „100-Dollar-Hamburger“ Flügen. Das bedeutet man fliegt zu einem Flugplatz in der Nähe, isst dort einen Hamburger und das kommt dann auf etwa 100 Dollar für den Ausflug. Machte alles richtig Spaß und ich traf auch eine Menge netter Leute. War eine wirklich schöne Zeit. Kurz vor dem Ende dieser Zeit, was ich allerdings damals nicht wusste, wurde mir dann ein kleiner, alter Trailer zum Kauf angeboten, also ein Heim in einem beweglichen Haus, was aber fest auf seinem eigenen Land verankert ist. Und nun ist dies seit 13 Jahren schon mein Heim in Florida. Nur, im gleichen Jahr, in dem ich den Trailer kaufte, hörte ich auf zu fliegen und verlagerte meine Zeit und Aktivitäten wieder mehr nach Marokko.
Da sich in Florida vieles schnell ändert, änderten sich auch die Leben meiner Freunde und bald war kein einziger mehr da. Da ich nicht mehr flog lernte ich auch dadurch keine neuen Leute mehr kennen. Und bei einem Urlaub von drei Wochen pro Jahr im Land ist es auch schwer, neue Freundschaften zu schließen. Ich behielt aber mein Haus, obwohl ich weit mehr in Marokko präsent war, weil einerseits die schlimme Immobilienkrise den Wert des Trailers quasi auf Null setzte und ich auch dachte, wenn ich in Rente bin, ja dann verbringe ich mehr Zeit in Florida. Die Aussicht auf das schöne Wetter war verlockend, aber ich habe doch gefürchtet, dass ich mich zu Tode langweile. In Marokko ist immer was zu tun, da recherchiere ich für meine Bücher, besuche Freunde, aber hier ist nichts.
Dachte ich.
Im letzten Jahr war ich dann zum erstenmal sechs Wochen am Stück hier und die Zeit verging wie im Fluge. Erst wenn man länger hier ist kann man sich in Aktivitäten einbinden und auch Freundschaften pflegen. Ich schwor mir, in diesem Jahr bleibst du länger. Der Knackpunkt ist einfach der Preis des Mietwagens, denn ohne Fahrzeug geht hier einfach nichts. Aber ich habe mir die 10 Wochen in diesem Jahr irgendwie aus dem Rippen gepresst und muss sagen, die 10 Wochen sind einfach zu kurz. Und langweilig? Nicht die Spur. Ich bin hier sehr viel mehr beschäftigt als in meinem kleinen Taunusstein, auch das viel größere Wiesbaden könnte es mit dem Angebot von Daytona Beach nicht aufnehmen. Als erste Aktion hier in der Stadt bestelle ich mir immer die Lokalzeitung, Anruf, sobald ich im Land bin und am nächsten Morgen um fünf ist die Zeitung bereits da. Und dann durchforste ich sie nach Aktivitäten, die mich interessieren, allerdings nur den kostenlosen, denn man muss ja sparen, das Leben hier ist teuer genug. Mich interessiert vor allem die Natur, da gibt’s die Happy Wanderers, die Wanderungen anbieten, es gibt die Audibon Society, die interessante Führungen in der Natur anbietet und auch die verschiedenen Parks haben oft Veranstaltungen. Oft ist es so, dass ich Terminprobleme habe, dass zu viele Veranstaltungen am gleichen Tag stattfinden. Und als alte Reisebuchautorin kann ich auch nicht anders, als mein Umfeld zu recherchieren, obwohl das keinen Nutzen bringt, denn ich werde keinen Reiseführer über die Region schreiben. Zu wenige Käufer würden sich finden, denn es ist hier nicht unbedingt ein Run auf Daytona von deutschen Touristen. Wenn ich auch hin und wieder jemand getroffen habe. Aber trotzdem arbeite ich ständig an meiner app, wenn sie auch kaum jemand nutzt, obwohl kostenlos. Das Problem daran ist wohl, dass die Info nicht bis zu den Floridareisenden durchdringt.
Gestern war ich im Canaveral Seashore Park. Dort sollte ja an Silvester die Kanutour stattfinden, die wegen Regen abgesagt wurde. Gestern nun war eine Feier zum 40jährigen Bestehen. Und das Wetter war knallheiß, so unterschiedlich ist der Winter in Florida. Es war sehr schön, nach den Reden gab es süßen Kuchen und danach konnte man auf einem Pontoon-Boot über die Moskitolagune fahren, die ihrem Namen alle Ehre macht. Eine Kanutour wäre natürlich viel schöner gewesen, weil es da langsam nah am Land vorbei geht und man besser die Vögel beobachten kann. So habe ich auf der ganzen Tour keinen einzigen gesehen, nur direkt am Center, wo die Eröffnung stattfand, posierte sich über Stunden ein Kanadareiher und ließ sich von allen fotografieren, so als hätte das Center ihn dafür bezahlt.
Als ich heimkam wuselten die Dachdecker auf meinem Dach herum. Die Entlüftung der Abzugshaube über Herd und Mikrowelle war vollkommen verrostet, konnte nur noch in Stücken heruntergeholt werden, kein Wunder also, dass es durch meine Mikrowelle regnete.
Das ist auch so lustig wenn ich mich mit meiner kleinen deutschen Gemeinde treffe. Man ist ja nicht in Urlaub, man wohnt hier, und die Gespräche drehen sich nicht um den besten Strand oder um die Themenparks, sondern wie man an den besten Handwerker kommt. Und abends dann im First Turn erzählte Georg von seinem Tag in der Fahrschule, wo er den Motorradführerschein macht. Das ganze soll zwei Tage dauern, kostet 275 $. Bin mal gespannt, was er heute Abend sagt, ob er bestanden hat. Denn die Fragen sind nicht so ganz einfach zu verstehen mit vielen englischen Spezialausdrücken. Das kenne ich noch von meinem Flugschein. Heute Abend sind wir bei Jan und Gabor eingeladen, da gehen die Gespräche über Hausprobleme weiter. Aber es macht Spaß.
Ach ja, habe auch einen eigenen Router gekauft, damit ich keinen mehr von Brighthouse leasen muss, aber der Anschluss war nicht so ohne. Jan hat das übernommen. In Deutschland kommt der neue Router per Post, man schließt ihn an, ruft auf dem PC die Internetseite auf und schon ist man verbunden. Nicht hier. Zunächst einmal hat Motorola die Geräte mit einem falschen Passwort ausgeliefert, ein Anruf zum Servicecenter war nötig, das diese interessante Mitteilung aber erst nach gefühlten drei Stunden in der Warteschleife gab. Dann hieß es, wir müssen Brighthouse anrufen. Denn die müssen die Gerätenummer ins System eingeben, damit sich nicht ein Fremder an meinen Internetanschluss klemmen kann. Was ginge, denn das Kabel hängt draußen lose rum. Wieder eine Endlosschleife und als wir endlich einen richtigen Menschen am Hörer hatten sagte er uns, er müsse uns weiterverbinden. Wieder Wartezeit. Und als wir dann endlich beim Richtigen waren hat es noch mal endlos gedauert, bis der das tatsächlich richtig verbunden hatte. Nicht gefühlt, sondern echt hat das ganze eine gute Stunde gedauert. 


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